US-Abzug trifft Stuttgart

Jan Dörner

Von Jan Dörner

Do, 30. Juli 2020

Ausland

Washington will die Zahl der amerikanischen Soldaten in Deutschland um knapp 12 000 verringern.

. Die USA ziehen rund 11 900 von etwa 36 000 Soldaten aus Deutschland ab und verlegen ihr Europa-Hauptquartier nach Belgien. "Die am stärksten betroffene Region wird Stuttgart sein", sagte US-Verteidigungsminister Mark Esper, als er am Mittwoch in Washington die Pläne für den US-Teilabzug aus Deutschland vorstellte.

Laut Esper sollen nicht nur das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) und die dazu gehörigen Sondereinsatzkräfte Special Operations Command aus Stuttgart ins belgische Mons verlegt werden, wo die Nato ihr militärisches Hauptquartier Shape betreibt. Die US-Regierung will auch das ebenfalls in der baden-württembergischen Landeshauptstadt angesiedelte Afrika-Kommando (Africom) perspektivisch in ein anderes Land verlegen. Einen konkreten Zeitplan präsentierte Esper nicht, die ersten Schritte sollten aber "so schnell wie möglich" und somit in den kommenden Wochen umgesetzt werden.

Seit Wochen war darüber spekuliert worden, wie der von US-Präsident Donald Trump geforderte Teilabzug amerikanischen Truppen aus Deutschland aussehen soll. Die Rede war davon, dass die Präsenz um knapp 10 000 Soldaten verringert wird. Die von Esper verkündeten Pläne gehen nun deutlich weiter, nun sollen fast 12 000 Soldaten Deutschland verlassen.

Für gut 6400 ist eine Rückkehr in die USA vorgesehen, weitere 5600 sollen in andere Nato-Staaten verlegt werden, sodass künftig etwa 24 000 US-Soldaten dauerhaft in Deutschland stationiert sein sollen. Von dem Abzug sollen Berichten zufolge auch Standorte in Bayern und Rheinland-Pfalz betroffen sein.

Deutschland gilt als wichtiges Drehkreuz für Einsätze der US-Armee in Afrika und dem Nahen Osten. Ziel der Beschlüsse sei, die "Nato zu stärken und die Abschreckung gegenüber Russland zu verbessern", sagte Esper. Die US-Regierung verfolge damit die Strategie "unsere Kräfte in Europa besser für den Wettbewerb der Großmächte aufzustellen". Erwartet wird, dass die USA militärisch künftig stärker in Polen und den baltischen Staaten präsent sein werden. Trump hatte die Entscheidung zudem als Bestrafung für die aus seiner Sicht zu niedrigen deutschen Verteidigungsausgaben dargestellt.

Der Truppenabzug ist auch in den USA umstritten. "Es ist möglich, dass diese Pläne noch scheitern", sagte Peter Beyer (CDU), der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung .