Der große Stillstand

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 22. März 2020

USC Eisvögel

Nichts geht mehr im regionalen Sport: Die Sorge um die Zukunft ist allgegenwärtig.

Nichts geht mehr. Aufgrund des Corona-Virus hat der Sport in der Region seinen Betrieb eingestellt. Für die unterschiedlichen Sportarten hat das unterschiedliche Folgen. Ein Besuch bei sechs Teams.

Auch für Werner Karlin ist die aktuelle Situation Neuland. Seit den späten Achtzigern gehört der Vorsitzende zum festen Inventar des EHC Freiburg. Mit seinem Eishockey-Club hat er viel erlebt. Seit Herbst 2011 sitzt er im Vorstand. "Wir wickeln jetzt alles ab", erzählt Karlin am späten Mittwochabend. Sportchef Daniel Heinrizi hat alle Hände voll zu tun. Die scheidenden Kufencracks müssen auf ihre Flüge in die Heimat gebracht werden, die Spieler-Autos abgegeben, die Wohnungen geräumt werden. "Das ist alles nicht so einfach", sagt der Vorsitzende.

Die Spielabsage hat die Sportwelt zu einem unpassenden Zeitpunkt getroffen. Für die Wölfe gilt das ganz besonders. Über den Erwartungen haben sie gespielt und sind am Ende Dritter in der Normalrunde geworden. Peter Russell ist zum besten Trainer, Goalie Ben Meisner zum besten Torwart gewählt worden. Das Team hat zudem den Fair-Play-Preis gewonnen. Arg viel mehr geht nicht. Einzig die Krönung – die Playoffs – fallen aufgrund des Saisonabbruchs durch die Corona-Pandemie jetzt aus.

"Diesen Erfolg aber wollen wir kommende Saison bestätigen", sagt Karlin. Zum Problem könnten die fehlenden Einnahmen werden. Der Vorsitzende rechnet vor, dass Zuschauereinnahmen bis zu 50 Prozent des Etats ausmachen würden. Die Playoffs sind die Zeit des Zuschauerandrangs. Der Abbruch wiegt hier also schwer. Aber auch die Solidarität ist groß. Zahlreiche Fans haben auf die Rückerstattung der bereits verkauften Tickets verzichtet. Der EHC erhofft sich zudem finanzielle Hilfe von der Stadt.

Unsicherer ist die Lage derzeit bei den Bundesliga-Fußballerinnen des SC Freiburg. Bisher hat die Liga noch nicht entschieden, ob die Runde nach einer Pause, die bis zum 19. April dauern soll, weitergeführt wird. "Unsere Mädels haben Trainingspläne und trainieren jetzt erst einmal 14 Tage zuhause ", sagt Abteilungsleiterin Birgit Bauer.

Der Sportclub hat bisher eine schwere Saison erlebt. Vier Spieltage vor Schluss hat sich das Team unter dem neuen Trainer Daniel Kraus im Mittelfeld festgesetzt. Der achte Platz wäre das schwächste Abschließen seit sechs Jahren. Auch deswegen hofft Bauer: "Es wäre wichtig, wenn wir die Saison zu Ende spielen." Und kündigt an, dass es zur kommenden Saison einen großen Umbruch geben wird.

Beim Fußball-Regionalligisten Bahlinger SC ist die Lage ebenso offen: "Die Spieler halten sich individuell fit, wir wissen aber nicht, wie es weiter geht", sagt Trainer Axel Siefert. Die Regionalliga hat bis zum 20. April die Liga ausgesetzt. Siefert hofft, dass die Saison zu Ende gespielt wird. "Man könnte mehrere Englische Wochen spielen und die Pause zur nächsten Runde verkürzen: Dann könnte es doch langen."

Die gleiche Hoffnung haben sie beim Tischtennis-Zweitligisten ESV Weil. "Wir wissen im Prinzip nichts", sagt Sportchef Serge Spiess. Momentan steht weder fest, ob die Saison zu Ende gespielt wird, noch wer auf- und absteigen darf. Was den ESV hart trifft. Im Aufstiegsrennen war der SV Weil vorn dabei. In die Beletage strebt der Club schon seit einigen Jahren. So gut wie heuer waren sie aber noch nie dabei.

Einen ähnlichen Lauf hatten zuletzt auch die Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg. Acht Siege in Folge konnten die Wurfkünstlerinnen zuletzt feiern. Für die Playoffs waren sie guter Dinge. Der deutsche Basketball-Bund aber hat die Saison beendet. "Jetzt steht erst einmal alles still", sagt der sportliche Leiter Harald Janson, der nun auf die Einnahmen aus der publikumsreichen Playoff-Zeit verzichten muss. Die US-Amerikanerinnen des Teams sind in der Heimat angekommen. Der Club plant bereits für die kommende Spielzeit. "Aber klar ist auch, wir werden erst einmal abwarten, bevor wir Partner und zukünftige Spielerinnen ansprechen", sagt Janson, der findet: "Alles fährt jetzt runter, das sollten wir ernst nehmen."

Etwas Gutes indes hat der Saisonabbruch für die Handball-Zweitligaspielerinen der HSG Freiburg. Der Verband hat entschieden, dass aufgrund des Liga-Abbruchs kein Team absteigen darf. Für die abstiegsbedrohten Red Sparrows eine gute Nachricht. "Wir freuen uns sehr", sagt die zweite Vorsitzende Julia Söhne.Jakob Schönhagen