Fünf Tote in Brandenburg

Vater fürchtete seine Verhaftung

Anna Kristina Bückmann

Von Anna Kristina Bückmann (dpa)

Di, 07. Dezember 2021 um 20:30 Uhr

Panorama

Ein gefälschtes Impfzertifikat war wohl der Auslöser für einen Mann in Königs Wusterhausen in Brandenburg, seine Familie und sich selbst zu töten. Darauf deuten Angaben in einem Abschiedsbrief hin.

. Im Fall der fünf Toten in Königs Wusterhausen in Brandenburg sind Details aus dem Abschiedsbrief des Familienvaters bekannt geworden. Diese deuten darauf hin, dass sich der Mann davor gesorgt habe, wegen eines gefälschten Impfzertifikats verhaftet zu werden. Daraus ergab sich laut den Ermittlern offenbar die Befürchtung des 40-Jährigen, dass man ihm und seiner Frau die Kinder wegnehmen werde.

Der Brief, den Ermittler im Haus der Familie gefunden hatten, liegt der Staatsanwaltschaft Cottbus vor. Demnach hatte der Mann ein Impfzertifikat für seine Frau fälschen lassen, und ihr Arbeitgeber hatte dies erfahren. Nun hatte das Paar Angst vor einer Verhaftung und dem Verlust der Kinder, wie Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon am Dienstag sagte.

Nach der Entdeckung der fünf Toten am Samstag in einem Einfamilienhaus im Königs Wusterhausener Ortsteil Senzig gilt der Vater laut Ermittlern als verantwortlich. Der Mann habe nach der Tat Suizid begangen, ergaben erste Ermittlungen, über die Polizei und Staatsanwaltschaft Cottbus informierten. Der Abschiedsbrief weise auf den 40-Jährigen. Die Familie war nach Angaben des Landkreises nicht beim Jugendamt bekannt.

Der Mann soll seine Frau, ebenfalls 40 Jahre alt, und seine drei Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren getötet haben – man fand alle mit Schussverletzungen. Eine Schusswaffe fanden die Ermittler ebenfalls im Haus. Ob es sich dabei um die Waffe handelt, mit der geschossen wurde, sei zu klären.

Auch war am Dienstag noch unklar, ob das Verbrechen erst am Samstag geschah. Die Tat sei nicht am selben Tag geschehen, sagte Bantleon. Wie lange die Getöteten bereits in dem Haus gelegen hatten, werde erst die Obduktion ergeben. Ergebnisse sollen in einigen Tagen vorliegen. Ein Anwohner hatte Samstagabend berichtet, einige Tage zuvor einen Schuss gehört zu haben – sein Haus befindet sich wenige Häuser vom Ort des Verbrechens entfernt. Laut Fahndern gehen die Ermittlungen im Umkreis der Getöteten weiter.

Die Gesetzgebung zum Anfertigen oder Vorlegen eines gefälschten Impfnachweises ist vor zwei Wochen verschärft worden. Seitdem ist der "Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse" allgemein strafbar. Der entsprechende Paragraf des Strafgesetzbuchs sieht dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. Auf Grundlage der Gesetzesänderung muss man nun auch als Privatperson mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn man einen Impfnachweis fälscht. Das war zuvor juristische Grauzone. Das Fälschen kann ebenfalls mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden.

Es gibt verschiedene Motive für Abschiedsbriefe

Die Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin, Isabella Heuser, äußerte sich allgemein zu dieser Art von Taten. In der Regel liege bei solchen Ereignissen beim Täter eine schwere psychische Störung vor – wie wahnhafte Depression, Wahnerkrankung, aber auch eine schwere narzisstische beziehungsweise paranoide Persönlichkeitsstörung. Abschiedsbriefe würden aus verschiedenen Motiven geschrieben: als Rechtfertigung, um einer beschämenden Anklage beziehungsweise einer Verurteilung zu entgehen oder um zu erklären, warum man samt Familie in dieser Welt nicht weiterleben könne, schilderte Heuser. Angegebene Beweggründe würden in solchen Fällen in der Regel von einem forensischen Psychiater untersucht.