Venedig verbannt die Ozeanriesen

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Von dpa

Do, 15. Juli 2021

Panorama

Italiens Regierung verhängt Durchfahrtsverbot für Kreuzfahrtschiffe / Die Unesco drohte dem Weltkulturerbe mit Konsequenzen.

Italiens Regierung hat ein Durchfahrtsverbot für große Kreuzfahrtschiffe durch einen Teil der Lagune von Venedig beschlossen. Vor kurzem hatte die Unesco dem Weltkulturerbe Venedig mit einem Eintrag auf der roten Negativ-Liste gedroht.

Das Verbot gelte für Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 25 000 Bruttoregistertonnen oder einer Länge über 180 Metern beziehungsweise mehr als 35 Metern Höhe, teilte die Regierung am Dienstagabend in Rom mit. Ab dem 1. August sollen keine Kreuzfahrtschiffe mehr durch den Canale della Giudecca, das Markus-Becken und den Canale di San Marco im historischen Zentrum fahren. Das Verbot gilt auch für Pötte, die Abgasnormen überschreiten. Schiffe, die als nachhaltig gelten oder nicht unter die Kriterien für das Verbot fielen, dürften weiterhin passieren. Es könne sich dabei etwa um Kreuzfahrtschiffe mit einer Größenordnung von rund 200 Passagieren handeln.

Die Regierung sieht darin einen wichtigen Schritt zum Schutz der venezianischen Lagune. Seit Jahren streiten Aktivisten, Einheimische und die Tourismus-Industrie um die Kreuzer in der Lagune. Sie hat mehrere kleine Landstreifen und Inseln und ist weitgehend vom offenen Meer abgetrennt. Dort liegt auch die historische Altstadt Venedigs mit ihren Touristenattraktionen. Die Riesenschiffe zerstören nach Ansicht von Kritikern die Lagune, beschädigen die Fundamente der Stadt und verschmutzen die Luft. Der Kreuzfahrttourismus bringe der Stadt nur wenig wirtschaftliche Vorteile, weil die Passagiere dort nicht schliefen und oft nur wenig Geld ausgäben.

Der Verband der Kreuzfahrt-Reedereien sagte der Deutschen Presse-Agentur das Verbot sei "keine schlechte Nachricht". Auf Venedig hätte die Industrie ohnehin in diesem Jahr keine Priorität gelegt. Nun habe man etwas mehr Planungssicherheit, da der Hafen in Marghera, der am Festland liegt und an dem derzeit etwa Containerschiffe anlegen, für den Übergang als temporäre Anlegestelle dienen solle.

Das Infrastruktur-Ministerium teilte mit, dass für die Anlegestellen in Marghera 157 Millionen Euro an Investitionen bereitgestellt werden sollten. Minister Enrico Giovannini sagte, es sei ein unausweichlicher Schritt, um die Umwelt, Landschaft, Kunst und Kultur Venedigs zu schützen.

Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Lösung auf Zeit. Parallel sucht der Hafen von Venedig nach Anlege-Vorschlägen außerhalb der Lagune für die Zukunft, damit die Schiffe nicht mehr durch den Canale della Giudecca, vorbei am berühmten Markusplatz fahren. Bis zum 31. Dezember 2021 können Ideen vorgestellt werden, aus denen dann eine Expertenrunde die drei besten aussucht. Bis Mitte 2023 soll das Gewinnerprojekt feststehen.

Der große Schock kam vor wenigen Wochen als Unesco-Experten vorschlugen, Venedig auf eine Negativ-Liste zu setzen, unter anderem wegen der Kreuzfahrtriesen. Sie hatte zum Beispiel gefordert, die Schiffe zu geeigneteren Häfen in der Umgebung umzuleiten. Die Kulturbehörde der Vereinten Nationen will ab Mitte Juli darüber entscheiden. Venedig und seine Lagune haben seit 1987 den Welterbestatus der Unesco. Das Label lässt sich touristisch gut für Einnahmen durch die örtliche Wirtschaft nutzen.

Der Kreuzfahrtbetrieb war wegen der Corona-Pandemie über Monate ausgesetzt. Erst seit kurzem legen wieder große Pötte, die einige tausend Menschen transportieren können, aus Venedig ab. Anfang Juni machte nach eineinhalb Jahren das erste Kreuzfahrtschiff unter lautstarken Protesten wieder die Leinen los.