Freizeitsport

Veranstalter von Hobby- und Marathonläufen bangen um ihre Existenz

dpa, str

Von dpa & Andreas Strepenick

Do, 21. Januar 2021 um 18:24 Uhr

Leichtathletik

Die Corona-Pandemie trifft die Laufsport-Branche schwer. Ob große und kleine Läufe dieses Jahr stattfinden, ist unsicher. Die Veranstalter des Freiburg-Marathons halten am Starttermin im April fest.

Läufer müssen sich lange gedulden, für Veranstalter ist es ein Wettlauf mit der Zeit – und für manches Talent der Anfang vom Ende einer Karriere. Der Stillstand der organisierten Laufbewegung mit jährlich mehr als 3000 Veranstaltungen und rund zwei Millionen Startern während der Pandemie hat weitreichende Folgen. "Natürlich kann man draußen laufen, aber es ist eben etwas anderes, mit 1000 Menschen an der Startlinie eines Rennens zu stehen", sagte die zweimalige Hindernis-Europameisterin Gesa Krause.

Seit dem ersten Lockdown im März 2020 sind Laufveranstaltungen weitgehend auf der Strecke geblieben. Allein German Road Races (GRR) hat anhand einer Umfrage unter den 80 Mitgliedern ermittelt, dass im Vergleich zum Vorjahr in 2020 nur noch drei Prozent an realen GRR-Läufen teilnahmen. Virtuelle Laufangebote fanden eine größere Resonanz, konnten den geschätzten Umsatzverlust von 80 Prozent aber nicht wesentlich kompensieren.

Die Veranstalterbranche trifft die Pandemie besonders schwer

Auch in Südbaden mussten alle großen Events abgesagt werden, darunter der Freiburg-Marathon 2020. Am neuen Termin, dem 11. April 2021, wollen die Veranstalter aber im Augenblick noch festhalten, wie sie auf BZ-Anfrage mitteilten.

"Die Situation war und ist dramatisch", sagte der GRR-Vorsitzende Horst Milde. Kleinere Vereine und Unternehmen wie die Veranstalter von Marathons in Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München haben 2020 überstanden. "Wenn es mit der Entwicklung aber so weitergeht, werden viele Veranstalter in die Pleite rutschen", prophezeite er. Mit einer von Milde initiierten Petition "Rettet unsere Läufe" versucht er, finanzielle Unterstützung von der Politik zu mobilisieren. "Ich habe einmal klar gemacht, was auf dem Spiel steht", sagte der 82 Jahre alte Berliner. Betroffen seien auch Hersteller von Urkunden, Medaillen, T-Shirts oder Toilettenhäuschen.

Ausrichter fühlen sich vom DLV alleine gelassen

Auslöser der Petition war zudem, dass sich Milde und seine Mitstreiter vom Deutschen Leichtathletik-Verband im Stich gelassen fühlten. "Der DLV rühmt sich, 3000 Laufveranstaltungen zu haben und verdient daran – nämlich 50 Cent pro Finisher", erklärte er. "Wir haben aber vermisst, dass der Verband nicht gefragt hat, wie wir über die Runden kommen." DLV-Präsident Jürgen Kessing hingegen teilte mit, dass der Verband seit Beginn der Corona-Krise versuche, mit Serviceangeboten zu helfen. "Hinzu kommen Gespräche mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Politik", sagte er. "Sowohl von Veranstaltern als auch von den German Road Races wissen wir, dass es teilweise nicht nur finanzielle Schieflagen bei Laufveranstaltern, sondern auch existenzielle Probleme gibt." Die GRR hätten eine beachtliche Petition gestartet, die er "voll unterstütze". Kessing: "Einmal mehr steht dabei die gesellschaftliche Bedeutung von Läufen im Fokus."

Darüber hinaus sind sie wichtig für die Gewinnung des Nachwuchses im Lauf. "Auf viele junge Talente wird das Auswirkungen haben, die man vielleicht erst in einigen Jahren sieht", meinte Gesa Krause. "Ich bin mir sicher, dass das Spuren hinterlassen wird." Mit zwölf, 13 Jahren hätte sie nicht die Motivation gehabt, ihren Trainingsplan alleine abzuarbeiten. Milde sieht es ähnlich: "Der Motivationsschub, trete ich in den Verein ein, liegt derzeit bei null."

Auch Kessing erwartet, dass man mit dem einen oder anderen Mitgliederabgang rechnen müsse, obwohl aktuell noch "kein Schwund" festzustellen sei. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die Grundsportarten Laufen, Springen, Werfen weiterhin ihren Reiz bei den Menschen behalten und wenn es wieder möglich ist, in der Vereinsgemeinschaft gerne ausgeübt werden."

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