Kliniklabor

Verdi kritisiert Labor-Umstrukturierung bei Helios Kliniken

Stefan Ammann und BZ

Von Stefan Ammann & BZ-Redaktion

Mi, 28. September 2022 um 17:43 Uhr

Breisach

Die Gewerkschaft Verdi sieht Beschäftigte nicht ausreichend informiert und berichtet von Frust in der Breisacher Klinik.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisiert die Verlagerungen von Laborkapazitäten aus der Helios Rosmann Klinik in Breisach nach Müllheim und die Folgen für die Beschäftigen. Der Klinikbetreiber erwidert, dass es bei jeder Neuorganisation Abläufe gebe, die es zu optimieren gelte.

Anfang August hatte die BZ berichtet, dass die Helios Kliniken Breisgau-Hochschwarzwald ab September in Breisach nur noch ein sogenanntes POCT-Notfalllabor (Point of Care Testing), das mit weniger Personal ausgestattet ist, unterhalten will. Labormitarbeiterinnen sollen dafür nach Müllheim wechseln. Routinelaboruntersuchungen auch der Breisacher Patienten sollen in der Müllheimer Klinik stattfinden. Die Pläne hatten im Vorfeld bereits zu Kritik von einigen Mitgliedern des Kreistages und der Bürgerinitiative "Rettet unser Krankenhaus – Helios Rosmann Breisach" geführt.

Nun schreibt die Gewerkschaft Verdi in einer Pressemittelung, dass Beschäftigte bei der Umstrukturierung nicht ausreichend informiert und beteiligt worden seien. Eine kurzfristige Mitteilung durch den Arbeitgeber ist laut Verdi zu spät erfolgt. Ansprechpartner aus der Klinikgeschäftsführung hätten sich anschließend in den Urlaub verabschiedet und die Beschäftigten mit ihren Ängsten und Nöten allein gelassen. Fragen des Betriebsrates und von Beschäftigten seien lange unbeantwortet geblieben oder lapidar mit notwendigen "Synergieeffekten" abgetan worden, kritisiert Reiner Geis, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Südbaden-Schwarzwald.

Verdi: "Transport der Laborproben nach Müllheim läuft schwierig"

Weil die Neuorganisation einer Projektleitung mit Sitz in Müllheim übertragen worden sei, seien Kommunikation und Abstimmung erschwert, klagen laut Pressemitteilung Betroffene. Krankheitsausfälle bei den Mitarbeiterinnen des Labors bedingt durch die Frustration seien die Folge. "Es gibt Beschäftigte im Labor, die sind fix und fertig", berichtet die Gewerkschaft aus Einzelgesprächen.

Die Einweisung für das POTC-Labor sei für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahme und der Intensivüberwachungspflege erst im August kurzfristig erfolgt. Durch Urlaube und Krankheitsausfälle wäre das nur sehr eingeschränkt gelungen. Der Start für das POCT-Labor war laut Verdi am 6. September. Das Ablaufschema hätten die Betroffenen erst einen Tag zuvor am Abend erhalten. Der Transport der Laborproben nach Müllheim laufe schwierig, Engpässe gebe es derzeit nachts, heißt es weiter. Weil die geplanten Räume für das POCT-Labor außerhalb der Klinik lägen, müssten die Mitarbeitenden das Gebäude für die Analysen verlassen.

"Die Stimmung ist bei den betroffenen Beschäftigten sehr schlecht, die Unzufriedenheit wirkt sich im ganzen Haus aus", berichtet die Gewerkschaft. Der Betrieb des Labors gelinge derzeit nur, weil die restlichen Beschäftigten alles versuchen, um das Rad am Laufen zu halten. "Mit Hilfe eines Rechtsanwalts versucht der Betriebsrat die mangelhafte Beteiligung der Beschäftigten durch Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan nachzuholen", schreibt die Gewerkschaft. Verdi wird sein weiteres Vorgehen vom Verlauf der Verhandlungen abhängig machen, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

Klinikbetreiber reagiert auf Kritik

Von der BZ mit der Kritik der Gewerkschaft konfrontiert antwortet der Klinikbetreiber: "Die Helios Kliniken in Müllheim und Breisach arbeiten im Zuge der Modernisierung und Neuorganisation der Labore gut zusammen." Wie bei jeder Neuorganisation gebe es Abläufe und Zusammenhänge, die es zu optimieren gelte. Daran würde stetig gearbeitet. "Die große Mehrzahl der Prozesse läuft bereits sehr gut", scheibt Helios. "Dafür möchten wir uns bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen beider Standorte bedanken", heißt es weiter.

Vor allem der großen Veränderungsbereitschaft und engagierten Mithilfe der beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Breisach und Müllheim sei es zu verdanken, dass die Neuorganisation schon so gut laufe, wird Martin Schuster, der für das Labor zuständige Chefarzt der Inneren Medizin in Breisach, zitiert. Die Erfahrung der ersten Wochen habe gezeigt, dass schnell verfügbare Notfall-Laborwerte für die Patientenversorgung ein Gewinn sei, heißt es weiter.