Vermittlung first

Dirk Löhr

Von Dirk Löhr (epd)

Mo, 23. November 2020

Literatur & Vorträge

Die Klassik Stiftung Weimar erweitert mit einem neuen Leitbild auch ihre Organisationsstruktur.

Neues Leitbild, neue Struktur, neues Jahresthema: Die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, drückt der Institution nach 15 Monaten im Amt ihren Stempel auf. Man begreife sich als kulturpolitische Instanz, die das ihr anvertraute Erbe nutze, um aktuelle gesellschaftliche Debatten zu bereichern und neue anzustoßen, verkündete Lorenz am Freitag in der Klassikerstadt. An die Stelle des Bewahrens trete in erster Linie das Vermitteln. "Wenn das, was wir tun, nicht bei den Menschen ankommt, können wir es auch sein lassen", fasste Lorenz den Anspruch "an die Arbeit jedes einzelnen Mitarbeiters" zusammen.

Das Leitbild, das seit März im intensiven Austausch innerhalb der Stiftung sowie mit externen Experten entstanden sei, enthält auch das Bekenntnis zu mehr Transparenz, interdisziplinärem Arbeiten und einer gelebten Fehlerkultur. Die Konsequenzen für die Programmgestaltung sowie die Kommunikation nach außen sollen laut Lorenz bis zum Frühsommer 2021 konkretisiert werden. Der Stiftungsrat habe zudem Änderungen in der Organisationsstruktur zugestimmt. So würden zwei neue Stabsreferate – Kulturelle Bildung und Forschung/Kolleg Friedrich Nietzsche – die Arbeit aufnehmen, sagte die Stiftungspräsidentin.

Als einen der beiden neuen Leiter stellte sie den bisherige Bildungsreferenten Folker Metzger vor, der auch das Handlungsfeld "Publikumsorientierung" als Projektleiter übernehme. Den anderen Part übernehme Helmut Heit, der bisherige Leiter des Kollegs. Dem renovierten Leitbild gemäß soll er für die vermehrte Ausrichtung der wissenschaftlichen Arbeit an den Beständen auf Probleme und Theorien der Gegenwart sorgen.

Zudem kündigte die Präsidentin für Anfang 2021 eine Abteilung Services an. Eine designierte Leiterin, die sich mit der Besucherlenkung einer komplexen Institution bestens auskenne, sei gefunden, sagte Lorenz, ohne einen Namen zu nennen. Ihre Aufgabe werde es sein, alle teils bisher in den unterschiedlichen Direktionen der Stiftung verorteten Aufgabenbereiche mit Bezug auf das Publikum zu vereinen. Dabei wolle man die Interessen von Familien mehr in den Blick nehmen.

Nicht zuletzt korrigierte die Stiftungschefin die Pläne ihres Vorgängers. Den "Kosmos Weimar" werde es mit ihr nicht geben, sie möge es irdischer, sagte Lorenz. Daher sehe sie neben dem Goethe Nationalmuseum und der Anna Amalia Bibliothek das Stadtschloss als dritten dicken Knoten eines Netzwerkes über der ganzen Stadt. In den vier Trakten des Schlosses sollen künftig gleich vier Interessengruppen ihre Freude finden: in einem eher klassischen Schlossmuseum, einer Galerie für die Höhepunkte der herzoglichen Sammlung, Räumlichkeiten für den gesellschaftlichen Diskurs sowie für die Präsentation der eigenen Stiftungsgeschichte.

Die Klassik Stiftung Weimar mit ihren mehr als 20 Museen, Schlössern, historischen Häusern und Parks sowie den Sammlungen der Literatur und Kunst ist mit etwa 400 Mitarbeitern die zweitgrößte Kulturstiftung Deutschlands. Im vergangenen Jahr konnten nach ihren Angaben über eine Million Gäste begrüßt werden. Wegen Corona und den damit verbundenen Schließungen habe sich die Besucherzahl halbiert.