Verschickte ein Serientäter explosive Briefe?

Julia Giertz

Von Julia Giertz (dpa)

Sa, 20. Februar 2021

Deutschland

100 Ermittler im Einsatz.

. Nach den drei Angriffen auf Lebensmittelfirmen im Südwesten und in Bayern suchen die Ermittler mit großem Personalaufwand den oder die Täter. Sie schließen nicht gänzlich aus, dass weitere explosive Postsendungen folgen. 100 Beamte untersuchen die mutmaßlich zusammenhängenden Fälle.

Während bei dem Getränkehersteller Wild in Eppelheim und bei der Lidl-Zentrale in Neckarsulm Postsendungen detonierten, konnte das an den Babynahrungshersteller Hipp adressierte Paket in einem Postverteilzentrum am Münchner Flughafen rechtzeitig abgefangen und entschärft werden. Noch sind viele Fragen offen. Das Motiv des oder der Täter liegt im Dunkeln. Ein Bekennerschreiben mit einer Forderung gab es – Stand Freitagmittag – nicht. Es sei aber nicht auszuschließen, dass dies noch komme, nachdem ein gewisser Druck aufgebaut worden sei, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Polizei beschäftigt sich auch mit ähnlichen früheren Fällen

Die Sonderkommission des Landeskriminalamts sowie der Polizeipräsidien Heilbronn, Mannheim und Ulm beschäftigt sich dabei auch mit ähnlichen früheren Taten. So ist ein Briefbomben-Erpresser, der 2017 die Menschen in der Region Berlin-Brandenburg in Schrecken versetzte, immer noch auf freiem Fuß.

Auf die dritte, für Hipp in Pfaffenhofen gedachte Sendung waren die Ermittler gekommen, weil sie gemeinsam mit dem Paket und dem Brief für den Getränkehersteller und die Lidl-Zentrale an einer Postannahmestelle in Ulm abgegeben worden war. "Es ist ein Zusammenhang anzunehmen zwischen diesen drei Päckchen", sagte die baden-württembergische Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz. Die drei Sendungen trugen fiktive Absender und waren von DHL angeliefert worden.

Unterdessen sind alle Verletzten aus dem Krankenhaus entlassen worden. Ein Mitarbeiter der Eppelheimer Firma hatte am Dienstag ein Knalltrauma erlitten, als er in der Warenannahme ein Paket angenommen hatte. Drei Menschen wurden am Mittwoch beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale verletzt.

Derweil informierte der Lebensmittelverband seine Mitglieder, worauf bei der Paketannahme geachtet werden müsse. Die Poststellen sollen Sendungen aussortieren, wenn sie keinen bekannten Absender haben, Unebenheiten aufweisen oder unnormal schwer sind. Die Branche sei emotionaler Kritik ausgesetzt, die an Hass grenze, so ein Sprecher. Dieser äußere sich in den sozialen Medien, Mails oder Anrufen.