Videokonferenz statt Reisen

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 13. Oktober 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Wie halten es ökologisch ausgerichtete Unternehmen selbst mit dem Klimaschutz?.

Unternehmen und Institute, die für einen besseren Klimaschutz arbeiten, emittieren selbst CO2, etwa durch Reisen zu Konferenzen. Doch die meisten haben einen Nachhaltigkeitskodex, durch den der Klimakiller CO2 eingespart oder ausgeglichen wird.

Der Betrieb des wissenschaftlichen Instituts an drei Standorten verursacht Treibhausgasemissionen, teilt das Freiburger Öko-Institut mit weiteren Sitzen in Darmstadt und Berlin mit. Vor allem durch Dienstreisen, die für 70 Prozent der Emissionen ursächlich sind. Bereits seit 2005 berechnet das Öko-Institut mit seinen heute 170 Mitarbeitern die hausgemachten Emissionen und die Kosten für die Klimakompensation. So kamen die Wissenschaftler im Jahr 2014 auf 561 Tonnen CO2, für die sie 5 060 Euro an die Berliner Non-Profit-Organisation Atmosfair überwiesen. Atmosfair genießt einen guten Ruf und investiert vor allem in Entwicklungsländern in erneuerbare Energien.

"Wenn es geht, sollen unsere Mitarbeiter aber Reisen vermeiden", sagt Öko-Institut-Mitarbeiter Christoph Brunn. Alternativen dazu sind Video- oder Telefonkonferenzen sowie "geteilte Bildschirme" für das gemeinsame Erstellen von Dokumenten. Ist eine Reise unumgänglich, dann soll die Bahn genutzt werden. Doch auch dann überweist das Institut Geld an Atmosfair und legt dafür den bundesdeutschen Strommix zugrunde, zu dem nun mal auch Kohlestrom gehört. Inlandsflüge, etwa aus Zeitgründen, sind die Ausnahme und müssen begründet werden. In der Kantine in Freiburg gibt es ausschließlich vegetarisches Essen, das aus biologischem Anbau stammt und fair gehandelt ist.

Nikolausmützen auf dem Prüfstand

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg mit seinen 1 200 Mitarbeitern ist eine der bedeutendsten Entwicklungsstätten für erneuerbare Energien. Sollte es da nicht selbstverständlich sein, dass sich die Mitarbeiter in Fragen des Klimaschutzes vorbildlich verhalten? So einfach ist das nicht. Denn das ISE ist eines von vielen Fraunhofer-Instituten und muss sich an die Regeln der Fraunhofer-Gesellschaft halten. Zudem bekommt das Institut Forschungsgeld vom Staat und ist daher angehalten, sparsam zu sein. So muss beim Reisen das günstigste Ticket gekauft werden. "Wir nutzen hier aber unseren kleinen Spielraum", sagt ISE-Pressesprecherin Karin Schneider, "ich kenne keinen bei uns, der nach Berlin fliegt."

In der Kantine arbeitet der Caterer mit der ISE-Nachhaltigkeitsgruppe zusammen. So ist gewährleistet, dass es jeden Tag – neben Fleisch – vegetarische Gerichte gibt. In manchen Wochen werden ausschließlich regionale Produkte verarbeitet. Am Thema Co2-Kompensation sei man bei der Fraunhofer-Gesellschaft auch dran, sagt Karin Schneider.

Auch beim regionalen Energieversorger Badenova gibt es Ökologie- und Nachhaltigkeitsleitlinien. Das Unternehmen stehe in einer besonderen Verantwortung für den Umweltschutz in der Region sowie für Klimaschutz und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen, heißt es in den Leitlinien. Dazu zählt Badenova nicht nur einen wachsenden Anteil an regenerativen Energiequellen für die Kunden, sondern auch das Verhalten der 1 300 Beschäftigten. So haben die neuen Gebäude Ökostandard, der Fuhrpark hat einen hohen Erdgas-Anteil und wird auf E-Mobilität umgerüstet, Mitarbeiter können Leasingfahrräder nutzen und Fahrgemeinschaften werden durch privilegierte Parkplätze bevorzugt. Reisen sollen nach Möglichkeit mit der Bahn erfolgen. In der Kantine gibt es täglich vegetarische Gerichte, aber nicht immer Fleisch und dienstags kauft die Küche nur regionale Lebensmittel ein – das sei eine Forderung der Mitarbeiter gewesen, sagt Unternehmenssprecher Roland Weis. Mit dem Umzug ins neue SC-Stadion stellt Badenova zudem einen "Kult" auf den Prüfstand. Im Dezember lässt der Energieversorger traditionell 20 000 Nikolausmützen mit Badenova-Emblem an die Fans verteilen. Die Mützen zu je 49 Cent kommen aus Asien und entsprechen vermutlich weder ökologisch noch sozial den Ansprüchen. "Wir prüfen das", sagt Weis.

"Bei uns gilt der Grundsatz: CO2 vermeiden", sagt Anke Roggenkamp vom Laufenburger Energieversorger Energiedienst (ED). Zur Flotte von 400 Fahrzeugen gehören bereits 100 Elektromobile, die mit Ökostrom getankt werden. Die E-Mobilität wird weiter ausgebaut. Bei Spezialfahrzeugen wie Spülautos oder Transportern mit Ladebühnen stößt ED wie Badenova aber noch an Grenzen – diese Fahrzeuge gibt es mit E-Motor nicht.

Reisen zu Konferenzen werden, soweit es geht, vermieden. Dafür hat ED die Zahl der Videokonferenzsysteme von zwei auf acht aufgestockt. In der Kantine sorgt ein Wassersprudler für frisches Wasser und erspart den Antransport von Mineralwasser. Neben Fleisch gibt es immer ein vegetarisches Angebot. Die Waren werden regional eingekauft. Zudem gibt es einen Nachhaltigkeitsteller mit Lebensmitteln vom Vortag. Eine Reiserichtlinie fordert die Mitarbeiter dazu auf, den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Den nicht zu vermeidenden CO2-Ausstoß kompensiert ED durch den Kauf von CO2-Zertifikaten.

Die Energieagentur Regio Freiburg, deren Gesellschafter die Stadt Freiburg sowie die Vereine Fesa und Klimaschutz im Handwerk sind, nutzt für Dienstfahrten, nur wenn es nicht anders geht, Car-Sharing-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ansonsten sind die 19 Mitarbeiter aufgefordert, Fahrräder oder Lastenvelos, den öffentlichen Nahverkehr oder Car-Sharing-E-Mobile zu nutzen. Eigentlich seien keine Regeln notwendig, sagt Sprecherin Trix Saurenhaus, das Bewusstsein sei vorhanden. "80 Prozent essen kein Fleisch, alle kommen mit dem Fahrrad." Dennoch gibt es einen unternehmensinternen Energiemanager, der das Team mit "sinnvollen Verhaltensvorschlägen" versorgt. Die 1999 gegründete Energieagentur berät private und öffentliche Kunden zu Fragen der Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien.