Technik für den Kampf gegen Corona

Viel Zuversicht bei Messtechnikspezialist Endress+Hauser

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Di, 04. Mai 2021 um 12:47 Uhr

Wirtschaft (regional)

Endress+Hauser rechnet mit guten Geschäften in den nächsten Monaten. Die Technik des Messgerätespezialisten ist ein wichtiger Bestandteil des Kampfes gegen das Sars-Cov-2-Virus.

Der nach dem globalen Konjunktureinbruch 2008/2009 forcierte Einstieg in die Laboranalyse und den Biotech-Bereich hat sich für den Messtechnikspezialisten Endress+Hauser (E+H) im Corona-Jahr 2020 bezahlt gemacht. "Wir durften in den vergangenen Monaten etliche Anlagen zur Herstellung von Impfstoff gegen Covid-19 ausrüsten", sagte Verwaltungsratschef Klaus Endress am Dienstag bei der Bilanz-Vorstellung.

Werden Medizinprodukte hergestellt, müssen die Bestandteile analysiert und gemessen werden. Dazu bedarf es ausgeklügelter Technik – insbesondere wenn es zum Beispiel um Boten-Ribonukleinsäuren geht, den Grundbausteinen modernster mRNA-Covid-19-Impfstoffe. E+H verfügt über Geräte, die in der Fertigung dieser Vakzine verwendet werden. Dazu zählen die Raman-Spektrometer der 2013 erworbenen US-Tochter Kaiser Optical Systems, die zur Pharma-Qualitätssicherung eingesetzt werden.

"In Spitzenzeiten haben wir zehn Prozent des monatlichen PCR-Testbedarfs in Deutschland gestillt." Matthias Altendorf
Analytik Jena und AJ Innuscreen liefern wiederum Geräte für die bekannten PCR-Tests. "In Spitzenzeiten haben wir zehn Prozent des monatlichen PCR-Testbedarfs in Deutschland gestillt", sagte E+H-Vorstandschef Matthias Altendorf. Analytik Jena kam ebenfalls 2013 zur E+H-Gruppe. Außerdem lässt sich mit Produkten des Hightech-Unternehmens das Virus im Abwasser nachweisen und auswerten. "Damit lässt sich das Pandemie-Geschehen zuverlässig und zeitnah verfolgen", sagte Altendorf.

Beim Geschäft mit den zyklischen Industrien gab es Rückgänge

So wuchs die Flüssigkeitsanalyse gut, das Laborgeschäft noch mehr. Die Geschäftszweige halfen, Rückgänge in anderen Sparten auszugleichen. Vor allem die Nachfrage aus zyklischen Industrien verringerte sich. Das sind zum Beispiel Unternehmen aus der Rohstoff-Branche, die stark vom Konjunkturverlauf abhängig sind. Und während sich die Umsätze in Europa und Asien kaum veränderten, kam es in Amerika, Afrika und Nahost zu deutlichen Einbrüchen.

An der hohen Profitabilität hat Corona nichts geändert

Unter dem Strich hat der Messgerätespezialist das Corona-Jahr 2020 jedoch gut überstanden. Rechnet man Wechselkurseffekte heraus, blieb der Umsatz nahezu stabil. Inklusive Wechselkursveränderungen schrumpfte der Umsatz um 2,8 Prozent auf 2,577 Milliarden Euro. An der traditionell hohen Profitabilität von E+H hat Corona jedoch nichts geändert. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen verringerte sich um 1,9 Prozent auf 337 Millionen Euro, die Umsatzrendite (Gewinn bezogen auf den Umsatz) blieb aber bei 13,1 Prozent. Ein Wert, von dem andere Unternehmen nur träumen können.

"150 Stellen sind derzeit in der Region frei." Matthias Altendorf

Verwaltungsratschef Klaus Endress und Vorstandschef Matthias Altendorf haben Wort gehalten. Sie hatten vor einem Jahr angekündigt, auf Kurzarbeit verzichten zu wollen. Das ist ihnen bis auf kleine Ausnahmen außerhalb der Schweiz und Deutschlands gelungen. Auch von einem Verzicht auf Jobstreichungen war damals die Rede. Zwar stieg 2020 die Zahl der Arbeitsplätze nicht so stark wie zuletzt, aber es gab immerhin ein Plus von 0,9 Prozent auf weltweit 14 454. Davon entfallen mehr als 5000 auf das Dreiländereck. "150 Stellen sind derzeit in der Region frei", sagte Altendorf. Laufen die Geschäfte weiter sehr gut, kann er sich auch noch die Schaffung weiterer Arbeitsplätze vorstellen.

96,5 Millionen Euro hat das Unternehmen im vergangenen Jahr im Dreiländereck investiert, davon 28,3 Millionen Euro in Maulburg und 39 Millionen Euro in Reinach, wie E+H-Finanzchef Luc Schultheiss mitteilte. Im laufenden Jahr will E+H rund 270 Millionen Euro weltweit investieren, davon 120 Millionen Euro in der Region.

"Die Menschen sind kreativer, wenn sie sich physisch begegnen… Deshalb hoffen wir alle darauf, bald wieder in die Büros zurückkehren zu können." Matthias Altendorf

Einen Wermutstropfen gab es. Die Zahl der Patenteinreichungen ist im vergangenen Jahr um 42 auf 276 gesunken. Nach Ansicht von Altendorf ist dies eine Folge des Homeoffice: "Die Menschen sind kreativer, wenn sie sich physisch begegnen… Deshalb hoffen wir alle darauf, bald wieder in die Büros zurückkehren zu können." E+H hatte in Spitzenzeiten bis zu 10 000 Mitarbeiter im Homeoffice.

Für das laufende Jahr ist der Chef zuversichtlich. Die Auftragseingänge im ersten Quartal übertrafen die eigenen Planungen. Für das Gesamtjahr geht E+H von einem Umsatzzuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Materialengpässe verzeichnet E+H nach Angaben von Altendorf derzeit keine. Man habe Lagerbestände erhöht. Um Lieferketten sicher zu stellen, griff der Messtechnikhersteller auch zu neuen Mitteln. Erstmals wurden Waren mit der Transsibirischen Eisenbahn transportiert.

Sandra Genge (43) wird 2022 den Platz von Hans-Peter Endress im E+H-Verwaltungsrat (vergleichbar Aufsichtsrat) einnehmen. Der älteste Sohn von Gründer Georg H. Endress scheidet altersbedingt aus dem Gremium aus. Ein Alter von 75 Jahren gilt als Obergrenze. Klaus Endress wird im Dezember 2023 diese Alter erreichen. "Meine Nachfolge ist ebenfalls geklärt", sagte er. Wer ihn ersetzen wird, verriet er jedoch nicht.

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