Bewaffnete Drohnen

Viele tote Zivilisten sind dokumentiert

Manfred Stern

Von Manfred Stern (Gengenbach)

Sa, 02. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Fähnlein im Wahlkampfwind", Kommentar von Dietmar Ostermann (Politik, 17. Dezember)

Die Entscheidung der SPD, einer Anschaffung bewaffneter Drohnen nicht zuzustimmen, sei "schade", schreibt Dietmar Ostermann in seinem Kommentar, sie sei "feige". Wem daran liegt, dass Soldaten nicht gefährdet werden, der sollte sich fragen, weshalb die Bundeswehr sich in aller Welt aufhält. Sind die Einsätze durch humanistische Erwägungen begründet, wie man in feierlichen Beiträgen hört, oder geht es darum, "unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege" aufrechtzuerhalten, wie der damalige Bundespräsident ausplauderte?

Wozu es führt, wenn man Soldaten vermeintlich schützen möchte, zeigt der Beitrag in der gleichen Ausgabe, zwei Seiten weiter. Ein deutscher Oberst veranlasste in Afghanistan die Bombardierung einer Menschenmenge, bis zu 132 Tote, darunter viele Jugendliche und Kinder. Wer dem Einsatz bewaffneter Drohnen das Wort redet, der möge sich damit beschäftigen, welches Leid über die betroffenen Länder gebracht wurde. Mehr als zehntausend Tote, mindestens 1500 Zivilisten sind dokumentiert, eine große Dunkelziffer nicht berücksichtigt. Dass die Tötung durch Drohnen vom Friedensnobelpreisträger Barack Obama forciert wurde, sollte den Juroren für immer die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Wenn man das Adjektiv "feige" bemühen will: Was ist feiger, als Menschen vom Himmel herab, aus dem Hinterhalt, zu töten? Am Auslöser sitzen Menschen, weit entfernt vom Tatort, in bequemen, klimatisierten Räumen. Und ja, wir ermöglichen dies erst durch die in Deutschland installierte Infrastruktur.

Der SPD wünscht man, dass ihr Gedächtnis nicht (wieder) nach der Wahl verloren geht. Manfred Stern, Gengenbach