Vier Bewohner eines Heims in Potsdam getötet

dpa

Von dpa

Fr, 30. April 2021

Panorama

Bedienstete unter Tatverdacht.

Fassungslose Stille herrscht um das Wohnheim für Menschen mit Behinderung in Potsdam: Vier Bewohner sind getötet worden, eine Bewohnerin ist schwer verletzt. Immer wieder kommen am Donnerstag Menschen am Thusnelda-von-Saldern-Haus vorbei und legen in stiller Andacht Blumen vor dem Haus nieder. Polizisten suchen an einer Bushaltestelle, in Papierkörben und Gullys nach Spuren. Die Eingänge zu dem Komplex mit Klinik, Schule und Wohnheimen sind abgeriegelt.

Eine langjährige Bedienstete aus dem Pflegebereich, die als dringend tatverdächtig vorläufig festgenommen wurde, kommt am Donnerstag in die Psychiatrie. Eine Haftrichterin weist die 51-jährige Frau in den Maßregelvollzug in Brandenburg/Havel ein. Der Leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann sagt, nach Einschätzung der Richterin lägen Gründe für eine eingeschränkte oder vollständige Schuldunfähigkeit vor. Die Frau schweigt laut Staatsanwaltschaft in den Vernehmungen zu der unfassbaren Tat.

Tathergang und Motiv

sind noch unklar

Die Ermittler äußern sich zunächst nicht zum Tathergang und zum möglichen Motiv für die Gewalttat. Nach dpa-Informationen wiesen die getöteten Bewohner schwere Schnittverletzungen an der Kehle auf. Ob dies ursächlich für den Tod war, ist am Donnerstag noch unklar.

Die Todesopfer waren langjährige Bewohner des Wohnheims für Körper- und Mehrfachbehinderungen, das zur diakonischen Einrichtung Oberlin-Haus gehört. Zwei von ihnen hätten seit ihrer Kindheit dort gelebt, sagt Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen. Es sei eine so große Erschütterung, "das hat uns schon die Beine weggehauen", so der Theologische Vorstand der Einrichtung, Matthias Fichtmüller. In dem Wohnheim leben mehr als 60 Behinderte ganz oder zeitweise mit intensiver Betreuung.