Gewalttat

Vier Tote in Potsdamer Behindertenheim - Polizei nimmt Mitarbeiterin fest

epd, dpa

Von epd & dpa

Do, 29. April 2021 um 07:46 Uhr

Panorama

Ein Schutzort als Tatort: Am Mittwochabend wurden vier Bewohner eines Behindertenwohnheims in Potsdam tot aufgefunden. Eine weitere Bewohnerin wurde schwer verletzt.

Bei einer tödlichen Gewalttat in einem Potsdamer Wohnheim für Menschen mit mehrfach schweren Behinderungen sind vier langjährige Bewohner der Einrichtung ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei wurden am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr in verschiedenen Zimmern des Thusnelda-von-Saldern-Hauses in Potsdam-Babelsberg vier Menschen mit tödlichen Verletzungen und eine schwer verletzte Frau aufgefunden. Auch bei der Frau handelt es sich um eine Bewohnerin des Wohnheims, sagte eine Sprecherin des diakonischen Trägers am Donnerstag.

Die Verletzungen der Toten seien nach bisherigen Erkenntnissen auf schwere äußere Gewalt zurückzuführen. Eine dringend tatverdächtige 51-jährige Mitarbeiterin des Heimes sei vorläufig festgenommen worden. Motiv, Tathergang und die genauen Umstände seien noch unklar, hieß es. Die Mordkommission der Polizeidirektion West nahm unter Leitung der Staatsanwaltschaft Potsdam Ermittlungen zum Verdacht eines vorsätzlichen Tötungsdelikts auf.

Umstände der Tat bislang nicht geklärt

Die Polizei war nach eigenen Angaben seit kurz vor 21 Uhr im Einsatz auf dem Krankenhausgelände an der Karl-Liebknecht-Straße im Stadtteil Babelsberg. Auf dem Gelände befindet sich das diakonische Oberlinhaus. Der evangelische Sozialkonzern mit rund 150-jähriger Tradition gilt mit rund 2.000 Beschäftigten als einer der größten Arbeitgeber in Potsdam.

Nach Angaben der Deutschen Presseagentur handelt es sich bei den Opfern um Bewohner des Thusnelda-von-Saldern-Hauses, in dem Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen leben. Bei den Opfern soll es sich um Menschen mit Behinderungen handeln. Zwei von ihnen hätten dort seit ihrer Kindheit gelebt, sagte Tina Mäueler, Bereichsleiterin Wohnen in den Oberlinhauses am Donnerstag. Nähere Angaben zur Identität wurden nicht gemacht.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) sprach den Angehörigen sein Beileid aus. "Die Tat erschüttert uns alle zutiefst." Am Abend sollte eine Gedenkandacht in der Oberlinkirche stattfinden.

Die Polizei führte nach eigenen Angaben seit Mittwochabend umfangreiche Spurensicherungen durch, Rechtsmediziner und die Staatsanwaltschaft waren ebenfalls vor Ort. Für weitere Auskünfte verwies die Polizei ab Donnerstagvormittag auf die Staatsanwaltschaft. Zunächst sollten aber die Angehörigen der Getöteten verständigt werden.
Hintergrund

Das Oberlinhaus hat 15 Tochtergesellschaften an 26 Standorten in Potsdam, Michendorf, Bad Belzig, Kleinmachnow, Werder (Havel), Berlin und Wolfsburg. Etliche Einrichtungen davon befinden sich auf dem Campus in Babelsberg. Der historische Oberlinverein wurde 1871 in Berlin zur Betreuung von Kindern gegründet. 1874 wurde die erste Einrichtung im heutigen Potsdam eröffnet, 1886 begann die Arbeit mit Behinderten. Namensgeber des Sozialträgers ist der elsässische Pfarrer und Sozialreformer Johann-Friedrich Oberlin (1740-1826).