Vom Holz überraschen lassen

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Von dpa

Mi, 03. März 2021

Beruf & Karriere

Ausbildung: Tischler gestalten und fertigen Möbel auch von Hand.

Mit fünf Jahren hatte sie zum ersten Mal eine Bohrmaschine in der Hand. Und die größte Freude hatte sie als Kind, wenn sie mit ihren Eltern ein Regal zusammenbauen durfte. Dass Marly Konefka dabei ist, Tischlerin zu werden, überrascht nicht.

Die 37-Jährige hat allerdings nicht den direkten Weg ins Handwerk eingeschlagen und entschied sich zunächst für eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Den Ausschlag zum Karrierewechsel gab vor einigen Jahren der Umzug in eine neue Wohnung – mit vielen Baustellen. "Ich habe zum Beispiel selbst eine Vollholzküche eingebaut", erzählt Konefka. "Und sie steht immer noch."

Beim Bildungsanbieter GFBM (Gemeinnützige Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen) absolviert die Alleinerziehende eine zweieinhalbjährige Umschulung zur Tischlerin in Teilzeit. Am Ende steht der gleiche Abschluss und die gleiche Prüfung, wie sie auch Absolventen der dreijährigen dualen Ausbildung machen.

Ein typischer Arbeitstag für Konefka beginnt um 7 Uhr in der Werkstatt der GFBM. Bis 14 Uhr arbeiten die Teilzeit-Schülerinnen und -Schüler an verschiedenen Projekten aus den aktuellen Lehrmodulen. Am Anfang lernen sie die Grundlagen der Holzver- und -bearbeitung. "Da geht es zum Beispiel um Schlitz- oder Zapfenverbindungen, etwa für Bilderrahmen", sagt Konefka. Nach den Grundlagen kommen größere Projekte wie erste Möbelstücke.

Wer sich für den Beruf interessiert, sollte vor allem eine Leidenschaft für den Werkstoff Holz mitbringen. Daneben gehören das Beherrschen der Grundrechenarten sowie ein technisches Grundverständnis zu den Voraussetzungen. "Man sollte nicht jedes Mal einen Taschenrechner zücken müssen, wenn man auf der Baustelle etwa die Grundfläche eines Raumes berechnen muss", sagt Arne Bretschneider, Abteilungsleiter Berufsbildung und Technik bei Tischler Schreiner Deutschland.

Konefka fasziniert an ihrer Arbeit vor allem das Element der Überraschung. "Jedes Holz fasst sich anders an, jedes Holz verhält sich beim Verarbeiten anders." Außerdem kann sie einem produktiven Job nachgehen, wie sie sagt. "Ganz wesentlich ist der gestalterische Teil der Arbeit", ergänzt Bretschneider. Tischler beraten Kunden auch in Designfragen, damit ein Produkt gut in den Wohnraum oder das Büro passt.

Nicht unterschätzen sollte man die körperliche Seite der Arbeit. "Es ist anstrengend", sagt Konefka. Und: Tischler sind unter Umständen auch im Rohbau im Einsatz – da ist es im Winter kalt, im Sommer heiß.

Natürlich erledigen Tischler oder Schreiner nicht alles mit purer Körperkraft. Aber auch der Umgang mit den Maschinen will gelernt sein. "Wir machen während der Ausbildung verschiedene Maschinenscheine, damit sicheres Arbeiten im Maschinenraum gewährleistet ist", erklärt Konefka.

Technisch verändert sich einiges in der Branche. Zeichnungen fertigen Schreiner zunehmend am Computer, und auch der Einsatz von Maschinen nimmt zu, so Bretschneider. "Da gibt es aber durchaus regionale Unterschiede. Und längst nicht jede Tischlerei ist mit einem computergestützten Bearbeitungszentrum ausgestattet." Azubis können sich entscheiden, ob sie eher in einem modern oder traditionell ausgerichteten Betrieb arbeiten möchten.

Die Vergütung liegt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im ersten Lehrjahr bei einer Mindestvergütung von 710 Euro brutto im Monat, im zweiten Jahr bei 785 Euro, im dritten sind es 885 Euro. Nach der Ausbildung können Gesellen einen Meister anschließen, oder ihre Fachqualifikation als Einstieg ins Studium nutzen.