Von großen Investitionen ist auszugehen

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Di, 15. Oktober 2019

Winden im Elztal

Gemeinderat Winden befasst sich mit Generalentwässerungsplan und Flussgebietsuntersuchung.

WINDEN (ban). Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ging es hauptsächlich um das Thema Wasser. Der Generalentwässerungsplan für die Gemeinde (GEP) und die Flussgebietsuntersuchung für das obere Elztal (FGU) wurden vorgestellt. Die jeweiligen Ingenieurbüros leiteten daraus ein Sanierungskonzept für das Kanalsystem beziehungsweise Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser ab, mit denen sich die Gemeinde befassen muss.

Der GEP ist ein auf 15 Jahre ausgerichteter Maßnahmenplan, der die Sicherstellung einer schadfreien Ableitung von Siedlungsabwässern und den Gewässerschutz zum Ziel hat. Für seine Erstellung wurden – basierend auf Kanalvermessung und Befahrungen – für verschiedene Niederschlagsmengen die Aufnahmekapazitäten im Kanalnetz gemessen. Die Einleitungen wurden auf ihre hydraulische und stoffliche Verkraftbarkeit in den Gewässern untersucht. Die Ergebnisse stellte nun Thomas Brendt vom Büro BIT-Ingenieure vor. Dabei fügte Bürgermeister Klaus Hämmerle gleich an, dass der GEP eine kommunale Pflichtaufgabe und die Basis für alle wasserrechtlichen Einleitungserlaubnisse der unteren Wasserbehörde bildet.

Im GEP wurde positiv festgestellt, dass von den 1005 Einlaufschächten in Winden nur sieben eine unzulässige Überstauhäufigkeit aufweisen. An zwei Stellen gibt es im Kanalnetz aber hydraulische Schwachstellen, wo Überflutungen auftreten können. Die erste liegt im Gebiet Frohnacker; im Zuge der Bauarbeiten an der Ortsumfahrung werden diese mithilfe des Bundes aber gerade beseitigt. Die zweite ist der überlastete Sammler ab Ortsmitte Niederwinden entlang der Hauptstraße. Hier empfiehlt der Plan einen zweiten, abzweigenden Regenwasser-Entlastungskanal zur Elz. Der Anschluss würde über die Schulstraße gehen (Kosten rund 200 000 Euro). Allerdings bestehe laut Hämmerle noch Gesprächsbedarf mit Grundstückseigentümern.

Bei den 37 Einleitungen wurden wenig hydraulische Überforderungen oder stofflich-ökologische Beeinträchtigungen gefunden. Nur an acht Stellen seien weitere Untersuchungen nötig. Trotz Trennsystem seien, wegen abgeleitetem verschmutztem Oberflächenwasser (besonders Frohnacker), technische Regenwasserbehandlungsanlagen unvermeidlich. Im GEP wurden dafür Investitionen von rund 375 000 Euro angesetzt. Hinsichtlich der Kläranlage legt der Plan eine Stilllegung der Notentlastungen und dafür zwei Vorableitungen nahe, um Flutungen der Anlage zu verhindern. Hohe Fremdwasserzuflüsse, etwa durch Fehlanschlüsse, müssten vermindert werden. Der Gemeinderat nahm den GEP zur Kenntnis.

Hochwasserschutzmaßnahmen wurden vorgestellt

Die nun abgeschlossene Flussgebietsuntersuchung (FGU) für die Elztalgemeinden und Simonswald erläuterte Urban Ronecker vom Büro Wald & Corbe. Hinsichtlich der hydrologischen (mögliche Hochwassermengen) und hydraulischen (Aufnahmekapazitäten der Gewässer) Gefahrenberechnungen verwies er auf die gesetzlich einzuhaltenden Schutzgrade von 50-jährigem Hochwasser (HQ 50) für Einzelgebäude und HQ 100 für Siedlungen, überregionale Infrastruktur sowie Industriegebäude. Die Schwachstellen mit möglichen Schutzmaßnahmen für Winden wurden von ihm vorgestellt. Bürgermeister Hämmerle freute sich, dass ein zentrales Rückhaltebecken als teuerste Maßnahmenart nicht in Frage kommt.

Im Einzelnen ergaben sich für den Erzenbach beim Wohngebiet Känermatte geringfügige Betroffenheiten und beim Allmendbach hinter der Bahndolung Rückstaurisiken für ein Einzelhaus. Vom Spitzenbach wäre bei einem HQ 100-Hochwasser das Wohngebiet Neudorf bis zu den Ziegelhöfen flächendeckend betroffen. Hier schlug die FGU einen Neubau der Bogenbrücke Hohrüttstraße, Gewässerausbau und Verwallungen vor (kleinere Variante rund 443 000 Euro). Die teurere Variante mit Ableitungen unter der neuen B 294 zum Frohngraben wurde – auch auf Intervention von Marita Schmieder (CDU) – nicht realistisch angesehen. Großen Rückstau kann es auch am Schwangenbach hinter der neuen Brücke geben, deren Durchfluss für ein HQ 50- nicht aber für ein HQ 100-Hochwasser ausreicht. Hier bliebe nur ein großflächiger Gewässerausbau als Alternative.

Zur Regulierung der Elz stellte Ingenieur Ronecker fest, dass "auf der Gemarkung Winden nur abschnittsweise eingefügte Gewässerausbauten sinnvoll sind". Ein Rückhaltebecken oberhalb von Oberwinden mit einem Volumen von 1,2 Millionen Kubikmeter würde zur Aufnahme einer HQ 100-Wassermenge nicht ausreichen. Hämmerle fügte an, dass der Standort wegen des dortigen Wasserschutzgebiets ohnehin bedenklich sei. Als Lösung wurden deshalb die Schleifung eines Elzwehres bei der Kläranlage, erweiterte Retentionsflächen, eventuelle Mauerbauerwerke an der Elzstraße sowie erhöhte Dämme zum Schutz des Sportgeländes vorgeschlagen. In der Ortsmitte Oberwinden sollen der Rückbau eines der beiden Wehre und die Installation einer Flutmulde mit steuerbarer Klappe geprüft werden. Hochwasserschutzmaßnahmen im Rahmen eines Konzeptes werden zu 70 Prozent vom Land bezuschusst, teilte der Bürgermeister mit. Sein Antrag, das Büro mit einer Kosten-Nutzen-Analyse für die Maßnahmen zu beauftragen, wurde einstimmig angenommen.