VON HERZEN: Das Schmieröl der Liebe

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 12. September 2020

Kolumnen (Sonstige)

Ein Kompliment ist eine Art Soforthilfe: Bekommen wir eins, geht es uns schlagartig besser. Ganz gleich, ob wir 60 Jahre alt sind und von der Verkäuferin als junger Mann angesprochen werden oder wir völlig derangiert nach einem harten Tag nach Hause kommen und unser Partner sagt, wie toll wir aussehen. "Komplimente sind das Schmieröl der Liebe", sagt der Psychotherapeut Wolfgang Krüger. Sie zeigen Anerkennung, häufig geht es ums Essen, das Aussehen, die Kleidung, das Verhalten. Dahinter steckt immer Wertschätzung, die dafür sorgt, dass sich die Stimmung zwischen Komplimentegeber und -empfänger entspannt, sie wird spielerischer. "Insofern sind Komplimente der Schlüssel für das soziale Leben, sie ermöglichen, dass wir uns öffnen und uns verstehen", sagt Krüger. Dem Kompliment wohne zudem das Element der Verführung inne, weil wir spontan den anderen als attraktiv empfinden. Am besten gelingt das mit einem guten Kompliment. Dieses beinhaltet zwar immer eine Übertreibung, aber auch eine gute Grundlage. Und, sagt Krüger, ganz wichtig: Es ist niemals platt. Dann sagen wir der Köchin, ihr Essen sei raffinierter als in einem Drei-Sterne-Restaurant und ihm, er sei so genial am Computer, ohne ihn seien wir aufgeschmissen. Oder wir betonen, seine Stimme sei so schön, dass wir uns beim Zuhören vergessen.