VON HERZEN: Erotische Differenzen

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 08. Mai 2021

Kolumnen (Sonstige)

Er träumt davon, gefesselt zu werden, sie hätte gerne mal Analsex – doch tatsächlich läuft im partnerschaftlichen Bett zuverlässig das Programm Missionarsstellung. Jeder Mensch, sagt die Freiburger Sexualtherapeutin Saskia von Rosenthal, hat sein eigenes erotisches Profil. In der Schnittmenge zweier Profile spielt sich dann das gemeinsame Sexleben ab. "Erotische Differenz zwischen zwei Menschen ist wünschenswert und natürlich", sagt von Rosenthal. Entsprechend sei es ein Geschenk, wenn ein Partner erzähle, welche Wünsche er außerhalb dieser Schnittmenge habe. Der andere könne dann in sich hineinhorchen: Was macht das mit mir? Kann ich mir das vorstellen? Ist mein Nein kategorisch? "Ein solcher Wunsch erzeugt Irritationen und Spannung, und die halten den Sex lebendig", sagt von Rosenthal. Vielleicht hat man Lust, die eigene Komfortzone zu verlassen, und sieht den Wunsch als Chance. Das sollte jedoch nur geschehen, wenn man selbst neugierig auf die sexuelle Erfahrung ist, nicht ausschließlich dem Partner zuliebe. Bleibt es beim Nein, hilft ein offener Austausch über das, was sexuell möglich ist und für beide passt. "Es gibt in jeder Partnerschaft erotische Wünsche, bei denen der Partner nicht mitgehen kann", sagt von Rosenthal, "eine gute Beziehung kann das aushalten."