VON HERZEN: Sex mit sich selbst

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 27. Februar 2021

Kolumnen (Sonstige)

Ob Selbstbefriedigung ein Tabu ist? "Meines Erachtens nicht mehr", sagt Bernhard Meyer, Sexualtherapeut bei Pro Familia in Freiburg/Lörrach. Die Menschen wissen darum, sie tun es – "offen darüber zu sprechen ist allerdings eher noch ein Tabu, vor allem bei den älteren Menschen". Aus Statistiken wisse man, dass mehr als 90 Prozent der Männer sich selbst befriedigen, bei Frauen seien es aktuell noch etwas weniger. Die Motivation ist jedoch oft eine andere: "Trieb- und Stressabbau sowie innere Erleichterung spielen bei den Männern häufig eine Rolle, Frauen betreiben das eher, wenn es ihnen gut geht und sie es sich schön machen wollen." Männer schauten dabei häufiger Pornos, Frauen stellten sich eher eigene Bilder vor. Habe in einer Beziehung ein Part weniger oft Lust auf Sex als der/die andere, könne es sein, dass es als kränkend empfunden werde, wenn sich der-/diejenige, dessen Lust quasi zu kurz kommt, zum Ausgleich öfters selbst befriedige. "Wie bei vielen Dingen in einer Partnerschaft ist das im Einzelfall immer eine Frage der Zuschreibungen und Bewertung", sagt Meyer. Schließlich könne es auch eine Entlastung sein für denjenigen oder diejenige, die weniger oft Sex haben will. "Im Idealfall eröffnen sich beide Seiten mit der Selbstbefriedigung neue Spielräume ihrer sexuellen Vielfalt", findet Meyer.