VON HERZEN: Wertschätzend und respektvoll

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Sa, 03. April 2021

Kolumnen (Sonstige)

"Du Blödfön, immer hockst du faul auf dem Sofa, während ich mir den Popo aufreiße, machst du nie was" – so und in ähnlichen Variationen tönt es gerne mal durch Beziehungen. Im Streit verändert sich die Tonlage, wir sagen schnell Dinge, die wir hinterher bereuen. "Unsere Sprache und unsere Worte hängen sehr mit unserer inneren Befindlichkeit zusammen", sagt der Psychologe und Buchautor Wolfgang Krüger. Je besser es um die bestellt ist, umso besser können wir streiten. Wichtige Basis ist eine gute Partnerschaft: Genügend Nähe, man gibt sich viel Anerkennung und hilft sich gegenseitig bei der Erfüllung der Lebensziele. "Dann sind gelegentliche Streitigkeiten keine Katastrophe", sagt Krüger, "weil die Wertschätzung und der Respekt erhalten bleiben." Es etabliert sich eine diplomatische Streitkultur, bei der wir so streiten, dass wir den Partner nicht verletzen. "Wir teilen dem anderen mit, wie wir uns fühlen und was wir uns wünschen und gehen dann auch auf die Interessen des Partners ein", sagt Krüger. Doch so angemessen könnten wir nur sprechen, wenn wir nicht zu empfindlich sind. Wie wird man das? Indem, so Krüger, wir uns nicht am Partner, sondern den eigenen Lebenszielen abarbeiten. "Dann sind wir halbwegs friedlich, manchmal auch erschöpft, und in den Streitgesprächen ziemlich verträglich."