Sportklassiker in Südbaden

Vor 23 Jahren schafften die USC-Basketballer den Aufstieg in die Bundesliga

Georg Gulde

Von Georg Gulde

So, 14. Juni 2020 um 19:05 Uhr

Basketball

In einem dramatischen Spiel mit Verlängerung in Ludwigsburg machten die von Petar Juric trainierten Freiburger Basketballer 1997 einen historischen Aufstieg perfekt.

Im Sport ruht der Ligabetrieb. Wäre dies nicht der Fall, stünde an dieser Stelle ein Bericht über eine Partie des vergangenen Wochenendes. Bis das Liga-Geschehen wieder läuft, werfen wir regelmäßig einen Blick zurück auf glorreiche und weniger glorreiche Zeiten, heute auf den 20. April 1997: Durch einen 74:71-Erfolg nach Verlängerung beim Erstligisten BG Ludwigsburg stiegen die Männer-Basketballer des USC Freiburg in die erste Bundesliga auf. Zwei Saisons waren sie dann in der Beletage.

Es war die Zeit, in der in Deutschland noch mit D-Mark gezahlt wurde und der Bundeskanzler Helmut Kohl hieß. Und es war – bei den Männern des USC Freiburg – die Zeit eines großen Satzes. "Ich habe einen Traum", hatte der Freiburger Zahnarzt und USC-Gönner Günther Rothmann Ende der 1980er Jahre gesagt und damit den US-Bürgerrechtler Martin Luther King zitiert. Dem einen ging es um die Gleichberechtigung in den USA, dem anderen um das Basketball-Team des USC, das in der ersten Bundesliga spielen sollte.

"Eine hammergeile Sache"
USC-Spieler Michael Schwarz

"Das war schon unglaublich. Die Außenseiter aus Freiburg schaffen den Aufstieg. Das hat uns damals kaum einer zugetraut", erzählt Sava Stefanovic (52) heute. Am Vortag der Partie im Schwäbischen war der serbische Flügelspieler 29 Jahre alt geworden. Doch gefeiert wurde erst an jenem Sonntagnachmittag – nach der Partie. "Wir sind noch in die Ludwigsburger Innenstadt", sagt Michael Schwarz (53), der es auch 23 Jahre danach noch eine "hammergeile Sache" nennt, mit seinem Heimatverein den Aufstieg ins Basketball-Oberhaus geschafft zu haben.

An die entscheidende Phase des Spiels in Ludwigsburg, bei dem der USC Freiburg bereits am neunten von zehn Relegationsspieltagen den Sprung in Liga eins perfekt gemacht hat, können sich Stevanovic, der damalige Topscorer der Breisgauer, und Schwarz nur schemenhaft erinnern. "Wir waren im Tunnel", so Schwarz. War da was mit einem Foul von Stefanovic in der Schlussphase, das sein fünftes gewesen wäre und seinen Ausschluss bedeutet hätte, das dann aber Schwarz aufgebrummt bekommen hat? "Ich weiß es nicht mehr. Ich war ein Intuitionsspieler, wer dann welchen Punkt geworfen hat, das ist nicht so mein Ding", sagt Schwarz, der dem Basketball treu geblieben ist: Seit 15 Jahren ist er in München beim Weltverband (Fiba) tätig, bei dem er die Trainerausbildung für Europa leitet.

Also lohnt es sich, in den BZ-Artikel vom Montag, 21. April 1997, zu blicken. Der damalige BZ-Mitarbeiter Joachim Spägele, inzwischen Präsident des Basketballverbandes Baden-Württemberg, schilderte die entscheidenden Szenen eindrücklich: "Ludwigsburg warf viel und traf kaum. Doch auch der USC versiebte Freiwürfe, zuletzt Schwarz zweimal unglücklich beim Stand von 61:61, 27 Sekunden vor dem Ende. Die Spannung kannte keine Grenzen mehr: Sein oder Nichtsein." Und dann schriebt er über die fünfminütige Verlängerung: "69:69, noch 79 Sekunden zu spielen, doch dann kam Pascal Roller: Zvonimir Paradzik war der beste Freiburger Spielmacher, doch Roller, der zuvor das Spiel organisierte, aber nur vier Punkte erzielte, warf frech gegen den Mann von der Dreierlinie – und traf. 72:69 für Freiburg, die Vorentscheidung."

Im Rausch des Aufstiegsmoments mögen Eindrücke verblasst sein, doch die Relegationsrunde hat Sava Stefanovic, der heute wie damals im Außendienst eines US-Softdrinkherstellers arbeitet und inzwischen im Elsass wohnt, noch gut im Kopf: "Das von Petar Juric trainierte Team wurde von Spiel zu Spiel mutiger. Wir haben uns schließlich in einen Rausch hineingespielt."

Es folgten zwei Jahre erste Liga für die USC-Männer. Bevor es losging, trennte sich der Club von Coach Juric, der trotz Stevanovic, Schwarz sowie den U-22-Nationalspielern Roller, Paradzik und Robert Maras vehement Verstärkungen eingefordert hatte. Im ersten Jahr rettete sich der USC nach nur zwei Siegen in 26 Hauptrundenspielen über die Relegationsrunde. Nach der zweiten Saison war dann Schluss mit erster Liga.

Nun, in einer Zeit mit Nachwuchs-Leistungszentren auch im Basketball, spielt die erste Männer-Mannschaft des USC in der fünften Liga. Erstklassig ist – mit der Ausnahme von einer einzigen Saison – seit dem Jahr 2000 dagegen das Frauen-Team.

Der USC spielte in Ludwigsburg mit: Stefanovic (21 Punkte), Paradzik (19), Schwarz (10), Roller (8), Maras (8), Scheel (8), Schulz, Bocsanyi, Hollenkamp, Gabriel.