Weltraum

Voyager-Raumsonden geht nach 45 Jahren im Weltall die Puste aus

dpa

Von dpa

Fr, 01. Juli 2022 um 18:07 Uhr

Panorama

Die Voyager-Sonden der Nasa sind die am weitesten von der Erde entfernten menschengemachten Objekte. Nach jahrzehntelanger Reise beginnen sie zu schwächeln. Steht das Ende der Mission bevor?

Weit, weiter, Voyager: Noch nie haben sich menschengemachte Objekte so weit von der Erde entfernt wie diese beiden Zwillingssonden der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Seit rund 45 Jahren sind Voyager 1 und Voyager 2 nun schon unterwegs. Inzwischen haben beide die Heliosphäre der Sonne verlassen und sind in Regionen vorgedrungen, die nie zuvor eine Raumsonde erkundet hat.

Aber die weiteste Reise der Raumfahrtgeschichte scheint sich ihrem Ende zu nähern: Zwar fliegen beide unbemannten Sonden noch und senden auch weiter Daten, aber in den vergangen drei Jahren haben die zuständigen Nasa-Wissenschaftler bereits mehrere Instrumente an Bord abgeschaltet, um die verbleibende Energie zu strecken. Die Kraft der Sonden nimmt Jahr für Jahr ab – und die Ingenieure müssen sich daran anpassen. Dafür müssen sie häufig jahrzehntealte Dokumente lesen oder längst in Rente gegangene Nasa-Ingenieure kontaktieren.

Sonden liefern unzuverlässige Daten

Bei Voyager 1 kämpfen die Wissenschaftler zudem gerade mit einem Datenproblem. Zwar scheine die Sonde normal zu funktionieren, aber das Kontrollsystem zeige völlig unterschiedliche Daten an. "So ein Mysterium ist zu diesem Zeitpunkt in der Mission keine Überraschung", sagte Chef-Wissenschaftlerin Suzanne Dodd. "Die Sonden sind beide fast 45 Jahre alt, viel mehr als die Planer der Mission je erwartet hätten. Und wir sind jenseits der Heliosphäre der Sonne – einer Umgebung mit hoher Strahlung, in der kein Raumschiff je geflogen ist. Für die Ingenieure gibt es also große Herausforderungen."

Ursprünglich war die Voyager-Mission (auf Deutsch etwa: Reisender) der beiden "kosmischen Überflieger", die als eine der erfolgreichsten Unternehmungen in der Geschichte der Nasa gilt, auf vier Jahre angelegt. Am 20. August 1977 war Voyager 2 gestartet, ihre Zwillingsschwester Voyager 1 kurz darauf am 5. September 1977.

Beide je rund eine Tonne schweren Sonden hatten ein Rendezvous mit Jupiter und Saturn, Voyager 2 besuchte dazu Uranus und Neptun. Auch fast 50 Monde studierten die Sonden. Atemberaubende Fotos sendeten sie von der Atmosphäre des Jupiters, von aktiven Vulkanen des Jupiter-Mondes Io und von den Saturn-Ringen. Betrieben wird das Duo mit langlebigen Plutonium-Generatoren.

Rund 20 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt

Voyager 1 ist inzwischen über 23 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, so weit wie kein anderes Raumschiff, bei Voyager 2 sind es rund 20 Milliarden Kilometer. 2012 wurde Voyager 1 zur ersten Raumsonde in der Geschichte der Menschheit, die das Sonnensystem verlassen hat. Voyager 2 ist dank ihres früheren Starts die am längsten kontinuierlich betriebene Raumsonde. 2018 verließ auch Voyager 2 die Heliosphäre der Sonne.

Für die Grenze des Sonnensystems gibt es jedoch verschiedene Definitionen. Sie wird oft mit dem Rand der Heliosphäre gleichgesetzt, einer Art Blase im interstellaren Raum, die maßgeblich durch den Sonnenwind gebildet wird. Nach dem Verständnis anderer Experten ist die Grenze weiter entfernt und liegt hinter der sogenannten Oortschen Wolke, einer Ansammlung kleiner Objekte, die trotz der immensen Entfernung noch unter dem Einfluss der Anziehung durch die Sonne stehen.

"Unsere Energie-Budgets werden immer enger, aber unser Team geht davon aus, dass wir noch mindestens fünf weitere Jahre Wissenschaft betreiben können", teilten die Sonden jüngst per Kurznachrichtendienst Twitter mit. "Vielleicht werden wir unser 50. Jubiläum feiern können oder sogar bis in die 2030er hinein funktionieren."

Unterwegs mit mehreren Zehntausend Stundenkilometern

Auch wenn sie verstummen, werden die Sonden weiter fliegen. Derzeit sind sie mit rund 61.000 Stundenkilometern (Voyager 1) und rund 55.000 Stundenkilometern (Voyager 2) durch die Milchstraße unterwegs. Im Gepäck haben sie unter anderem Musik von Rock’n’Roll-Legende Chuck Berry, dazu klassische Musik von Bach, Mozart und Beethoven sowie Klänge aus Ländern wie Australien, Bulgarien, Japan und Peru sowie 115 Bilder und Grußbotschaften an mögliche Außerirdische in 55 verschiedenen Sprachen.

"Es ist schwer, das Ende kommen zu sehen", sagte Wissenschaftler Alan Cummings, der die Sonden schon seit Jahrzehnten verfolgt, dem Scientific American. "Aber wir haben Herausragendes geschafft."