WALD UND WIESE

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 02. Juli 2020

Müllheim

Lautstarker Singvogel

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: die Nachtigall.

Jetzt singt die Nachtigall wieder im Markgräflerland! Bei den komplexen Gesangsduellen der Männchen kommt es mitunter zum sogenannten Gesangs-Matching, erklärt Rainer Stoll vom Nabu Nördliches Markgräflerland, der in Heitersheim auch das besondere Reisebüro für Vogelbeobachter, Birdingtours, leitet. Das geht so: Ein Sänger trägt eine Strophe vor und sein Kontrahent antwortet mit der gleichen Melodie. Manchmal singen beide Vögel sogar gleichzeitig dasselbe Motiv.

Angesichts von fast 200 verschiedenen Strophen, die jedes Männchen singen kann, ist das Matching kein Zufall, sondern richtet sich vermutlich an Zuhörer, nämlich weibliche und männliche Artgenossen. Die Forscher fanden heraus, dass sich Weibchen wie Männchen schneller und verstärkt dem Lautsprecher zuwendeten, der den Anführer im Gesangs-Matching darstellte.

Besonders gut zu hören ist die Nachtigall am Rhein, ganz besonders am Morgen und in den Abendstunden. Sie kommt aber nicht nur dort vor, sondern ist relativ häufig zu hören, wo es noch Hecken und Sträucher gibt. Auch in Gärten mit viel Unterholz, gerne in der Nähe des Wassers. Die Nachtigall ist nur im Frühling und Sommer hier in Südbaden, sie zieht im Winter nach Afrika.

Die Nachtigall verliert allerdings ihren Lebensraum, weil Auwälder durch Nadelwälder ersetzt werden. Helfen kann man ihr laut Stoll so: Reich strukturierte, unterholzreiche Laub- und Mischwälder gilt es zu schützen, ebenso wie die verbliebenen Auwälder. Lebensräume in menschlichen Siedlungsgebieten, wie Parkanlagen und Friedhöfe, sollten naturnah gepflegt werden – ohne drastische Entfernung der Falllaub-, Strauch- und Kräuterschichten. Der Einsatz von Bioziden sollte verringert werden, erklärt der Vogelexperte.