WALD UND WIESE

Jutta Geiger

Von Jutta Geiger

Di, 21. Juli 2020

Müllheim

Blüte mit Anlock-Trick

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: die Wilde Möhre.

Derzeit trifft man überall am Wegesrand im Markgräflerland auf die Blüte der Wilden Möhre. Man erkennt sie daran, dass in ihrer Mitte ein kleiner dunkel-lilafarbener bis schwarzer Fleck sitzt. Die Wilde Möhre möchte sich nämlich von anderen ebenfalls weißblühenden Pflanzen abheben und nutzt hierfür einen Trick: Der dunkle Fleck täuscht anderen Insekten vor, dass sich bereits ein Insekt auf ihrer Blüte niedergelassen hat. Und das macht interessant. Es animiert vorbeifliegende Insekten dazu, ebenfalls auf der Blüte haltzumachen, es scheint sich ja zu lohnen. Auf diese Weise wird die Wilde Möhre von Wildbienen, Wanzen, Blattwespen, Käfern und Fliegen aller Art besucht. Die Raupe des Schwalbenschwanzes hat es hingegen eher auf das Grünzeug der Pflanze abgesehen.

Essen kann man die Wurzel der wilden Möhre, die weiß ist, übrigens auch, sie gilt als eine der Stammpflanzen unserer Kultur-Möhre. Jedoch muss man sie im ersten Jahr erwischen, wenn aus den Samen kleine Möhrenpflanzen gewachsen sind. Wartet man bis ins zweite Jahr, wenn die Wilde Möhre blüht, sind die Möhren scharf und holzig.

Sowohl vor als auch nach der Blüte rollt sich die Blütendolde der Wilden Möhre wie ein Vogelnest zusammen. Auf diese Weise ist sie vom giftigen Schierling oder der Hundspetersilie zu unterscheiden.