Jubilar

Interessiert und leutselig: Max Schreiber in Waldkirch hat 100. Geburtstag

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Do, 14. November 2019 um 16:58 Uhr

Waldkirch

Max Schreiber feierte mit dem VdK Kollnau seinen 100. Geburtstag. Mitglied im Sozialverband ist er schon mehr als 65 Jahre und er war auch 15 Jahre Ortsvereinsvorsitzender in Waldkirch.

Max Schreiber feierte zusammen mit dem VdK und der Ortsvorsteherin Gabi Schindler im Bürgertreff Kollnau seinen 100. Geburtstag. Der VdK hatte den Empfang ausgerichtet, da Max Schreiber schon seit über 65 Jahren Mitglied ist. Außerdem war er fast zwölf Jahre Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Waldkirch: Als er gewählt wurde, war er schon 75 – mit 87 fand er, jetzt könnten Jüngere das Amt übernehmen. Später wechselte er in den Ortsverband Kollnau und nimmt dort gerne noch an Veranstaltungen teil.

Zu seinem besonderen Geburtstag gratulierten ihm die VdK-Frauenvertreterin Veronika Kruckenberg, der VdK-Kreisvorsitzende Winfried Höhmann sowie die Ortsvorsteherin mit Grußworten. Höhmann würdigte das große ehrenamtliche Engagement in den VdK-Ortsgruppen, die im Landkreis Emmendingen insgesamt fast 7000 Mitglieder zählen. Für die ehrenamtlichen Vorstände sei dies mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden. Umso mehr sei die Bereitschaft für solches Engagement zu würdigen, das auch Max Schreiber über viele Jahre ausübte.

E-Techniker, Marine, kriegsverletzt

Max Schreiber selbst ließ es sich nicht nehmen, am Rednerpult stehend, aus seinem Leben zu berichten. Geboren wurde er am 14. November 1919 in der Friedhofstraße 29 in Waldkirch "bei 15 Zentimeter Neuschnee". Als der Vater 1934 durch einen Unfall ums Leben kam, musste er die damals noch kostenpflichtige Realschule abbrechen und absolvierte eine Ausbildung zum Elektrotechniker, danach, dank Stipendium für gute Leistungen, die Weiterbildung zum staatlich geprüften E-Techniker. Als er 1938 für den Wehrdienst gemustert wurde, warb ihn, wegen der Technikkenntnisse, die Marine. Dann kam der Krieg: mit Einsätzen in Belgien, beim Minensuchkommando in den Niederlanden, in Athen zur Unterstützung von Material- und Truppentransporten, später in der U-Boot-Flottille zur Begleitung von Transporten der Wehrmacht nach Nordafrika. Bei einem Einsatz als Flakschütze wurde ihm durch Schüsse das Fußgelenk zertrümmert, berichtet er. Eine lange Zeit in verschiedenen Krankenhäusern folgte bis ins Jahr 1944 hinein. Die Verletzung war später auch der Grund, in den VdK einzutreten.

Zwei Jahre für die Alliierten tätig

Gegen Kriegsende wurde Max Schreiber nach Kiel und Hamburg verlegt, um dort die Entmagnetisierung von Schiffen gegen Magnetminen vorzunehmen – ein Wissen, dass sich später auch die Briten noch zwei Jahre lang von ihm zu nutze machten, "aber nicht als Gefangener, sondern als Angestellter der Stadt Hamburg", erzählt er. 1947 kehrte er nach Waldkirch zurück, arbeitete als Elektromeister und war ab Anfang der 1960er über 15 Jahre Obermeister der Elektroinnung Emmendingen. Der Ortsvorsteherin erzählt er, dass er beim früheren Bürgermeister Georg Schindler "quasi der Gemeindeelektriker von Kollnau" war.

Kontakt zu seinem ersten Lehrling hat er immer noch

Seit er 75 ist, lebt er alleine, aber hält Kontakt zu vielen Bekannten und verfolgt das tägliche Leben. Immer wieder fallen ihm neue Geschichten ein, gespickt mit einer Fülle an Namen. Geraucht habe er nie, sagt er auf Gabi Schindlers Frage, nach einem Rezept, 100 zu werden. Da habe er keins, sagt er, erwähnt aber, dass er gerne Käse esse, ein Glas Rotwein trinke und jeden Tag selbst Essen koche – und dass er gar nicht mehr so viel Zeit habe für den Empfang, weil er sich noch mit der Familie (mit Sohn, zwei Enkeln und zwei Urenkeln) treffen will und am Abend seinen ehemaligen Lehrling, den er ab 1949 hatte, in Kanada anrufen will. Aber man sehe sich ja bei der Weihnachtsfeier des VdK wieder, sagt er und wirkt zufrieden. "Zwei, drei Jahre hätte ich schon noch gerne", blickt er in die Zukunft.