Eine Stimme für die vergessenen Kinder

skk

Von skk

Mo, 17. Februar 2020

Waldshut-Tiengen

Projekt Baumhaus hilft Kindern suchtkranker Eltern / Bundesweite Aktionswoche.

WALDSHUT-TIENGEN (BZ). In Deutschland wachsen mehr als drei Millionen Kinder in Familien auf, in denen mindestens ein Elternteil alkohol- oder drogenabhängig ist. Je nach Bundesland sind das 15 bis 20 Prozent der jungen Menschen unter 20 Jahren. Bei 33000 Kindern und Jugendlichen im Landkreis Waldshut muss man also davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse durchschnittlich drei Kinder von Suchtkranken sitzen. In diesen Familien können meistens die materiellen, besonders aber die emotionalen Bedürfnisse der Kinder nicht erfüllt werden. Den Alltag erleben die Kinder daher mit Hilflosigkeit und dem Gefühl alleingelassen zu sein, verbunden mit der Angst, dass andere ihr Familiengeheimnis entdecken könnten. Lange galten sie als "vergessene Kinder", da das Hilfssystem sie nicht im Blick hatte. Eine Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien soll nun bundesweit die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Kinder aus Suchtfamilien lenken und Projekten und Initiativen die Möglichkeit zu bieten, ihre Angebote bekannt zu machen. "Vor allem muss es zu einer soliden und verlässlichen Finanzierung der Angebote kommen", fordert Wilfried Könnecker, Suchtbeauftragter des Landkreises Waldshut in einem Pressegespräch, bei dem die Mitarbeiter auf das Hilfsangebot am Hochrhein aufmerksam machen. Veranstaltungen sind hier nicht geplant.

Hilfe und einen Zufluchtsort finden die Betroffenen im "Baumhaus", in der Scheffelstraße 1 in Tiengen. Das Projekt des Caritasverbands Hochrhein wird auch vom Landkreis gefördert. "Sie brauchen dringend unsere Unterstützung und sollten die gleichen Chancen auf ein unbeschwertes Aufwachsen haben, wie andere Kinder", erklärt Petra Thyen, Leiterin des Projekts. Seit 2011 unterstützt das Baumhaus Kinder von sucht- und psychisch erkrankten Eltern. In diesem geschützten Rahmen können die Kinder und Jugendlichen über ihre Situation sprechen. Derzeit gibt es vier Gruppen mit jeweils sechs bis neun Kindern, zwei für die Altersgruppe sechs bis elf Jahre und zwei weitere für die zwölf bis 15-Jährigen."Durch den Austausch mit Gleichgesinnten fühlen sie sich nicht mehr so allein und die kindgerechte Aufarbeitung der Thematik hilft ihnen, sich zu öffnen", erklärt Petra Thyen und führt weiter aus: "Die verschiedenen Gruppenangebote sollen dabei helfen, besser mit der familiären Situation zurechtzukommen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Diese richten sich in erster Linie an die Kinder und Jugendlichen, beziehen aber auch die Eltern durch gemeinsame Unternehmungen und Gespräche mit ein, um den Umgang miteinander positiv zu beeinflussen". Diese Gruppenangebote finden auch in Bad Säckingen statt und werden dort seit diesem Monat von Maria Vögele geleitet, die auch für die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts zuständig ist. Das Baumhaus-Projekt soll auch zur Prävention beitragen.

Weitere Informationen im Internet: http://www.caritas-hochrhein.de