Nahost

Wann wird die Sorge zur Missbilligung?

Stefanie Gibat

Von Stefanie Gibat (Freiburg)

Sa, 20. Juni 2020

Leserbriefe

Zu: "Netanjahus riskantes Projekt", Beitrag von Inge Günther (Politik, 12. Juni)
Wann endlich wird die oft geäußerte "Sorge" seitens der Bundesrepublik Deutschland bezüglich der sich ständig ausweitenden Machtbefugnisse der israelischen Regierung zu deutlich formulierter Missbilligung?

Die Restriktionen und die Willkür, unter denen Palästinenser seit der Staatsgründung Israels leben müssen, dürfen von Deutschland nicht länger hingenommen werden. Menschen in Gaza sind regelrecht eingesperrt, viele von ihnen können nur auf ihr zu bearbeitendes Grundstück gelangen, indem sie jeweils israelische Kontrollposten passieren, die nach Belieben von Israel geschlossen werden können. Häuserzerstörungen, Enteignungen, Festnahmen, sogar auch von Kindern und Jugendlichen, Tötungen von Palästinensern ereignen sich immer wieder.

Der Siedlungsbau von Juden auf palästinensischem Gebiet schreitet stetig voran. Viele andere Schikanen sind an der Tagesordnung. Als Deutsche bin ich seit meiner Schulzeit zutiefst betroffen über das schreckliche Leid, das durch die Gräueltaten des Nazi-Regimes und vieler Menschen und deren Gefolge über das jüdische Volk hereinbrach. Dieses grausame Vergehen der Vergangenheit darf doch aber nicht rechtfertigen und hingenommen werden, dass die Regierung Israels das palästinensische Volk so knechtet. Unrecht durch die israelische Regierung muss auch von unserer Regierung als solches gesehen werden und entsprechend behandelt werden – wir sehen ja, was das wohlwollende Verhalten vieler Staaten, vor allem Deutschlands, in den vielen Jahrzehnten gebracht hat. Palästinensisches Gebiet ist zum Flickenteppich geworden.

Solange Deutschland so sanft mit Israel umgeht, wird es gestärkt in dieser menschenunwürdigen Politik. Ich erwarte von unserer Regierung, dass Menschenrechte eingefordert werden für alle gleichermaßen. Stefanie Gibat, Freiburg