Internationaler Tag des Glücks

Warum auch das kleine Glück wichtig ist

Martina Philipp, Julia Littmann, Sabine Ehrentreich, Annika Sindlinger, Michael Saurer, Alexander Dick, Monika Weber, Patrick Müller

Von Martina Philipp, Julia Littmann, Sabine Ehrentreich, Annika Sindlinger, Michael Saurer, Alexander Dick, Monika Weber & Patrick Müller

Fr, 20. März 2020 um 22:20 Uhr

Panorama

Der Internationale Tag des Glücks stellt den Menschen und sein Wohlbefinden in den Mittelpunkt. BZ-Redakteure erzählen, welche persönlichen Momente des Glücks ihren Alltag bereichern.

Minuten völliger Stille

Es gab Phasen in meinem Leben, in denen ich vor acht Uhr morgens und einem halben Liter Schwarztee mit Milch und Zucker aus Prinzip nicht gesprochen habe. Diese Phasen sind schon eine Weile her. Mittlerweile habe ich um acht Uhr oft schon ziemlich lang ziemlich viel geredet. Umso schöner ist es, wenn ich besagten Tee kurz in Ruhe trinken kann. Das hat dann was von Selbstbestimmtheit und sehr hohem Genuss. Genau dasselbe Ritual gibt's am späten Abend, nur mit einem anderen Getränk. Wenn die Wohngemeinschaft allmählich zur Ruhe kommt, der Spätdienst hinter mir liegt oder der letzte Socken eingesammelt ist, setze ich mich wieder hin – und wenn ich dann das gekühlte 0,0-Bier aufploppe, beginnen angenehme Minuten in völliger Stille. (Martina Philipp)

Glück, das klingt

Richtig doll glücklich macht, wenn einem einer was vorliest. Am liebsten hier und jetzt und höchstpersönlich und noch lieber mit samtig wohliger Stimme und einfach schnörkellos schön. Vorgelesenbekommen hat nichts mit selber lesen zu tun. Es wird einem einfach so geschenkt. Es klingt. Es entsteht in süßer Nähe und ist vergnügt oder tröstlich oder einfach nur luxuriös oder alles auf einmal. Man liegt auf dem Sofa und jemand vertrautes liest etwas, das wie aus Kindertagen nachhallt. Nicht wie von einer Hörbuch-CD. Anders, zugewandter, lieber. So geht vorlesen. Und vorgelesenbekommen ist genau deshalb Glück. Es vergnügt. Und sollte einem nie verlorengehen. (Julia Littmann)

Fremde Menschen anlächeln

Das Schönste an den Glücksmomenten? Die meisten kosten keinen Cent. Zum Beispiel die, die oft entstehen, wenn man ganz bewusst Menschen grüßt und anlächelt, die das eher selten erleben. Zum Beispiel den Mann, der in der S-Bahn die Mülleimer leert; den Flüchtling, der allein im Park auf der Bank sitzt; die Reinigungskraft im Treppenhaus, die beiden alten Türkinnen, die Tag für Tag gemeinsam durch den Ort streifen. Dieses Grüßen und Lächeln heißt ja auch: Gut, dass Du da bist. Gelegentlich sind Menschen, die man auf diese Weise für einen Augenblick bewusst wahrnimmt, irritiert, mancher verzieht keine Miene. Aber die meisten lächeln zurück, manchmal mit einem kurzen Erstaunen. Und das sind dann diese klitzekleinen Glücksmomente. (Sabine Ehrentreich)

Ein Wort, das ans Zuhause erinnert

Meist sind es die kleinen Dinge, die ein Glücksgefühl in uns auslösen: ein Lächeln, der Lieblingssong im Radio oder ein guter Kaffee. Mein ganz persönlicher Glücksmoment ist, wenn ich von einer Reise zurückkehre und auf dem Hinweisschild an der Autobahnausfahrt das Wörtchen "Nimburg" lese. Ich reise gerne und viel, aber zuhause ist es immer noch am schönsten. Die längste Zeit meines Lebens habe ich in diesem Teninger Ortsteil nahe der A5 gewohnt. Inzwischen bin ich ein paar Orte weiter gezogen. Trotzdem nehme ich gerne noch diese Autobahnausfahrt. Dieses kleine Wörtchen erinnert mich daran, dass es bald geschafft ist – nach so mancher strapaziösen und nicht enden wollenden Rückreise wie aus Südafrika oder Indien für mich ein absoluter Glücksmoment. (Annika Sindlinger)

Allein im Wald

Nirgends entspanne ich so gut wie in der freien Natur. Insbesondere im Wald, der für mich einen praktischen sowie kulinarischen Nutzen hat: Ich bin leidenschaftlicher Pilzsammler. Wer nun denkt, dass sich meine Glücksgefühl dann wohl erst im Spätsommer einstellen wird, wenn die Pfifferlinge, Täublinge und Steinpilze durch die Erde drücken, irrt. Es ist Frühling – die beste Zeit für Morcheln und Morchelbecherlinge. Kulinarisch ein Traum aber schwer zu finden. Wenn sie dann aber plötzlich hinter einem Baum unvermittelt auftauchen, dann ist das ein Gefühl, das man kaum in Worte fassen kann. Es ist die Vereinigung mit der Natur. Und Angst vor dem Virus braucht man auch keine haben – im Wald ist man stets allein. (Michael Saurer)

Mein kleines Glück ist meine Geige

Manchmal ist es eine Hassliebe. Wenn ich sie nach Wochen aus dem Kasten auspacke und ihr die ersten Töne zu entlocken versuche, dann bestraft sie mich. Geigen sind launisch. Sie lassen es dem, der sie spielt, schnell spüren, dass sie verstimmt sind. Geigen sind aber auch schmeichlerisch. Wenn man sie pflegt und regelmäßig spielt, dann belohnen sie einen mit mitunter zauberhaften Tönen. Und dadurch, dass man sie so nah am Körper hat, unter dem Kinn, auf der Schulter, wird man zwangsläufig intim mit ihnen. Das kann große und kleine Glücksgefühle erzeugen. Wenn einem eine schwierige Passage nach langem Üben gelingt, wenn man dann noch gemeinsam mit anderen spielt, dann ist der Adrenalinausstoß unbegreiflich. Ein Glück, dass es dich gibt, kleine Geige! (Alexander Dick)

Katzen als Glücksbringer

Wenn ich mit dem Fahrrad nach Hause komme und am Garten vorbeifahre, kommt meine Katze Aruna sofort angerannt und läuft mir miauend hinterher. Vor der Haustür auf der anderen Seite des Hauses angekommen, kommt die andere Katze Minnie aus dem Keller aus der Katzenklappe gesprungen. Beide freuen sich, dass ich wieder da bin und streichen mir um die Beine, bis sie ins die Wohnung dürfen. Es sind sogar die sogenannten Glückskatzen mit drei Farben. Wenn ich dann im Sessel sitze, streiten sie sich, wer auf mir sitzen darf. (Monika Weber)

Hoffen auf den Glückstreffer

Es gibt Läufer, die lieben es, beim Laufen der Natur zuzuhören, den Vögeln, dem Wind, dem Wald. Ich gehöre nicht dazu. Ich habe Funkkopfhörer in den Ohren, ein Smartphone in der Gürteltasche und eine Playlist, die 1381 Songs umfasst, ein wilder Mix von 2Pac bis ZZ Top. Der Zufallsgenerator wählt aus, was ich höre. Oft ist es das Falsche. Punkrock am Berg macht müde, eine Ballade in der Ebene langsam. Ganz selten, gelingt ihm ein Glückstreffer. Dann passt alles. Das Tempo. Der Untergrund. Der Rhythmus. Die Aussicht. Läuft bei mir, denke ich dann. Und lächle. (Patrik Müller)