Der König der Flüsse

Warum die Rückkehr des Lachses so wichtig für die Elz ist

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

So, 12. September 2021 um 10:00 Uhr

Kreis Emmendingen

Der letzte kapitale Lachs wurde 1958 bei Wasser aus der Elz gefischt. Doch seit einigen Jahren wird alles versucht, um den Fisch wieder hier anzusiedeln. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Stolz präsentieren den letzten kapitalen Lachs im Jahr 1958 drei Angler auf einem Schwarz-Weiß-Foto in einer Veröffentlichung zur Ortsgeschichte Wassers. Auf dem beschwerlichen Weg zu ihren Laichgewässern im oberen Flusslauf überwanden die stattlichen Fische auch die zweieinhalb Meter hohe Schwelle, die vor 100 Jahren neu gebaut wurde, um das Gefälle des begradigten Flusses auszugleichen.

Mit der zunehmenden Nutzung der Wasserkraft entlang des Rheins und seiner Zuflüsse begannen aber die Probleme. Auch die im Lauf der Jahre immer schlechter werdende Wasserqualität sorgte dafür, dass sich die Könige der Flüsse, früher auch Salme genannt, rar machten.

1968 galt der imposante Fisch im Rhein – einst der bedeutendste Lachsfluss Europas – als ausgestorben. Heute wird versucht, mit Fischtreppen und Aufstiegshilfen das Gewässer wieder durchgängig zu machen für die Wanderfische, die, ihrem Instinkt folgend, nach drei bis vier Jahren vom Atlantik und dem Polarmeer über den Rhein dessen Oberlauf und Nebenflüsse ansteuern. Dort, wo sie geboren wurden und ihre Wanderung einst begann, paaren sie sich, laichen ab und sterben. Noch sind die Hindernisse wie Kraftwerke, Schleusen und Staustufen schier unüberwindbar, doch erste Rückkehrer wurden bereits vor einigen Jahren bei Riegel und Köndringen gesichtet.

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und so läuft schon seit einigen Jahren eine Gemeinschaftsaktion von Landesfischereiverband, der Interessengemeinschaft (IG) Elz, Angelsportvereinen und Grundschulen mit dem Ziel, dem Flussbewohner auf die Sprünge zu helfen und ihn in der Elz wieder heimisch zu machen. 5000 Junglachse – drei Monate alt und nur vier Zentimeter groß – wurden zuletzt im Juli bei Elzach in die Elz eingesetzt. Ein Teil kommt von den Elterntieren, die über den Rhein aus dem Atlantik an ihre Geburtsstätte zurückgekehrt sind, ein anderer aus der nationalen Aufzucht- und Forschungsstation für Wildlachse an der französischen Loire.

Druck machen bei der Renaturierung

Pro Jahr werden vom Landesfischereiverband, der sich mit der Wanderfische Baden-Württemberg gGmbH im Auftrag des Landes um die Wiederansiedlung kümmert, rund 400 000 Junglachse in die Flüsse eingesetzt. Die Aktion hat auch eine politische Komponente: Der Verband möchte damit Druck machen, um die Renaturierung der begradigten Flüsse voranzubringen. Noch ist die Elz flussaufwärts erst bis zum Linner-Wehr in Kollnau durchgängig. Weitere noch unüberwindbare Hindernisse folgen bei Gutach und beim E-Werk in Elzach. Bis zur Barrierefreiheit fehlen also noch einige Flusskilometer im Oberlauf der Elz.

Mehr zum Thema:

Dossier: Alle Texte unserer Serie zum Thema "Elz – Leben am Fluss"