"Es fühlte sich an wie zu Hause"

Katja Schwemmers

Von Katja Schwemmers

Mi, 12. Februar 2020

Computer & Medien

BZ-INTERVIEW mit Sarah Kuttner, die 18 zusätzliche Ausgaben von "Extra 3" moderiert.

Die Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner wird durch 18 zusätzliche Ausgaben der NDR-Satireshow "Extra 3" führen – immer dann, wenn Christian Ehring in der gleichen Woche donnerstags mit "Extra 3" im Ersten auf Sendung ist. Thematisch geht es bei ihr um den "Irrsinn des Alltags". Katja Schwemmers hat mit ihr gesprochen.

BZ: Frau Kuttner, wie sind Sie zur "Extra 3"-Moderatorin geworden?
Kuttner: Ganz klassisch per Casting. Ich war geil eingeschnappt, um ehrlich zu sein.
BZ: Weil Sie vorsprechen mussten?
Kuttner: Ja, ein Teil von mir war wirklich so: "Hey, ihr wisst doch, was ich im Fernsehen mache. Guckt euch das doch gefälligst an und nehmt mich einfach so!" Aber es war jetzt auch nicht so, dass ich da mit 20 anderen Sarah-Kuttner-Verschnitten in ’ner Reihe stand, sondern ich kam an einem Tag, wo sonst keiner da war.
BZ: Wie war’s dann für Sie?
Kuttner: Ich hatte wahnsinnigen Spaß. Ich war selber ein bisschen überrascht über mich, weil ich schon lange nicht mehr vor einer klassischen Fernsehkamera in einem Studio mit Publikum und festem Ablauf stand. Ich bin ja eigentlich eher so Freestyle. Und es war toll zu sehen, dass ich das noch drauf habe. Ich durfte mir Beiträge aussuchen, die ich anmoderiere, und habe dazu in Kooperation mit Autoren meine Texte geschrieben... Es fühlte sich an wie zu Hause, denn wenn ich eins kenne, dann sind das Fernsehstudios, Teleprompter und Menschen.
BZ: Wie wird sich Ihre Variante von "Extra 3" unterscheiden?
Kuttner: Christians Sendung ist partei-politisch. Da habe ich weder Ahnung noch wirkliches Interesse daran. Wir konzentrieren uns auf den Irrsinn des Alltags, also auf Phänomene, auf Alltagssatire, wir gucken im Kleinen genauer hin. Wir gehen etwas spitzer in eine konkretere Richtung. Genau so, wie ich ich es gerne mag. Und der Stempel wird sein: ich, weil ich da rumstehe und keine klassische Fernsehschönheit in einem Pailettenkleidchen bin. Ich wasche mich, ich putze mir die Zähne, es kommt Make-up drauf. Aber es wird eine Menge Turnschuhe und Doc Martens geben, ich sag’s gleich.
BZ: Sind Sie jetzt moderierende Schriftstellerin oder eine schreiberisch begabte Moderatorin?
Kuttner: Weil ich darin gefühlt eine größere Profession habe, sehe ich mich mehr als Moderatorin. Ich mache das seit 20 Jahren, und ich kann das inzwischen im Schlaf. Die Bücher passieren mir gefühlt nebenbei. Ich sitze nie rum und denke: Jetzt muss ich wieder ein Buch schreiben. Irgendwann kommt eine Geschichte vorbei, und dann schreibe ich das auf. Deswegen fühlt sich Autorin nicht so richtig an wie Moderatorin.
BZ: Ihr jüngster Roman "Kurt" wird verfilmt. Inwieweit sind Sie in die Dreharbeiten involviert?
Kuttner: Gar nicht. Ich liebe es, nicht involviert zu sein. Ich freue mich, dass Til Schweiger mein Buch sehr liebt – und jetzt soll er damit machen, was er will. Bei der Verfilmung von meinem ersten Buch haben die mich am Drehbuch mitarbeiten lassen. Ich habe gemerkt: Ich weiß nicht, wie Film funktioniert. Das geht nach ganz anderen Regeln, als die, die ich als Autorin kenne. Diesmal habe ich gesagt: "Til, dir gefällt das. Sehr gerne, Pinke-Pinke her, hier ist das Buch. Ich bin sicher, dass du irgendetwas daraus machst, bei dem ich weinen muss." Wenn Til Schweiger eines kann, dann die Leute zum Heulen zu bringen.

Sarah Kuttner (41) wurde in Ostberlin geboren. Sie wurde Radiomoderatorin und im November 2001 neue Moderatorin des Musiksenders Viva. Sie wechselte zu MTV Germany, zu Privat- und öffentlich-rechtlichen Sendern, wo sie verschiedene Shows moderierte.

Der NDR
zeigt die erste Ausgabe von "Extra 3" mit Sarah Kuttner am Mittwoch, 12. Februar, um 22.50 Uhr.