Waldshut-Tiengen

Was mit nicht abgeholten Dingen aus dem Fundbüro passiert

Melanie Volk

Von Melanie Volk

Mi, 18. Mai 2022 um 10:39 Uhr

Südwest

Im Waldshut-Tiengener Fundbüro tauchen manche verlorenen Schätze wieder auf. Zwei Mitarbeiterinnen erzählen, was mit nicht abgeholten Dingen passiert und wie groß die Freude der Besitzer sein kann.

Auch Silvana Nouar und Michelle Schilling haben schon einmal etwas verloren. Daher wissen sie auch, wie wichtig ihre Arbeit für die Bürger ist. Die beiden Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros sind zuständig für die Fundbüros in Waldshut und Tiengen. Etwa 350 Fundsachen werden dort pro Jahr abgegeben.

Die Liste an abgegebenen Gegenständen ist lang

Das ist zwar bei weitem nicht so viel wie in Großstädten, wo bis zu sechs Mitarbeiter sich täglich um die Fundsachen kümmern. Dennoch finden fast täglich Gegenstände ihren Weg in die Schränke der beiden Rathäuser. "Bei uns werden vor allem Schlüssel, Ausweise und Geldbeutel abgeben", weiß Silvana Nuoar. Zudem finden Taschen, Brillen, Schmuck, Handys, Jacken und in letzter Zeit vermehrt Kopfhörer den Weg zu Michelle Schilling (Tiengen) und Silvana Nouar (Waldshut).
"Manchmal gibt es aber auch Sachen, die die Leute wegschmeißen wollten, die dann als Fundsache abgeben wurden." Silvana Nouar
Aber auch Fahrräder werden als Fundgegenstände in beiden Rathäusern abgegeben. Einen Großteil der Fundsachen geben die Finder direkt im Fundbüro ab, aber auch nach Veranstaltungen, in Fitnessstudios, Super- oder Drogeriemärkten bleiben regelmäßig Gegenstände liegen. Im Rathaus Waldshut werden die Fundsachen an drei Orten aufbewahrt. Im großen Schlüsselschrank im Foyer, in einem Stahlschrank in einem Raum im Hinterausgang und in einem Tresor. Zu den kuriosesten Funden zählen die Mitarbeiterinnen des Bürgerbüros Hörgeräte, eine Zahnspange oder ein Gebiss. In Tiengen wurde sogar ein Laptop abgeben, der in einer Apotheke vergessen wurde. "Manchmal gibt es aber auch Sachen, die die Leute wegschmeißen wollten, die dann als Fundsache abgeben wurden", weiß Silvana Nouar.

Ein 200-Euro-Schein war laut Michelle Schilling und Silvana Nouar das Wertvollste, was in beiden Fundbüros abgeben wurde. Derzeit wartet im Tresor in Waldshut ein 100-Euro-Schein auf seinen Eigentümer. "Es ist schön, dass auch viele wertvolle Gegenstände, wie Geldbeutel abgegeben werden", sagt Silvana Nouar. "Es gibt noch viele ehrliche Finder", fügt ihre Kollegin Michelle Schilling hinzu. Dementsprechend groß sei auch die Freude bei den Abholern, denn viele würden gar nicht mehr damit rechnen, ihren verlorenen Gegenstand wiederzubekommen. Und welche Wiedersehen sind den Mitarbeiterinnen besonders in Erinnerung geblieben? Michelle Schilling muss nicht lange überlegen: "Eine Frau hatte in Tiengen ihren Schlüssel verloren. Sie hat fast geweint, als sie ihn wieder bekommen hat."
"Es gibt noch viele ehrliche Finder." Michelle Schilling
Übrigens: Auch Silvana Nouar und Michelle Schilling haben ihre verlorenen Gegenstände wieder bekommen – allerdings nicht über das Fundbüro. Der Finder hat Silvana Nouar den Geldbeutel nach Hause gebracht und auch Michelle Schilling hat ihr verlorenes Handy direkt vom Finder zurückerhalten. "Das hat mir gezeigt, wie wertvoll meine Arbeit ist. Da war ich sehr froh", erklärt Silvana Nouar.

In einigen Fällen werden die Besitzer direkt kontaktiert

Handelt es sich bei der Fundsache um einen Ausweis, wird der Finder direkt angeschrieben, bei Bankkarten nehmen die Mitarbeiter des Fundbüros Kontakt mit der jeweiligen Bank auf. Fundsachen bleiben ein halbes Jahr im Fundbüro, damit der Eigentümer auch eine Chance hat, das Verlorene wiederzubekommen, erläutert Silvana Nouar. Die aktuellen Fundsachen werden jede Woche im städtischen Mitteilungsblatt veröffentlicht. Außerdem gibt es auf der Internetseite der Stadt ein Online-Fundbüro, in dem die Bürger nach verlorenen Gegenständen suchen können.

Beim Abholen des Gegenstandes muss der Eigentümer eine Verwaltungsgebühr von zwei Prozent des Wertes des Gegenstandes zahlen, mindestens aber drei Euro. Holt der Eigentümer den verlorenen Gegenstand nicht ab, kann der Finder den Gegenstand erhalten. Diese Möglichkeit nehmen einige Finder in Anspruch, wissen die Fundsachen-Expertinnen: "Eine Frau hat mal eine Plüschkatze gefunden. Die fand ihr Kind so schön, dass sie es nach dem halben Jahr abgeholt hat", erinnert sich Bürgerbüro-Mitarbeiterin Silvana Nouar. In diesem Fall muss der Finder die Verwaltungsgebühr von zwei Prozent bezahlen.
"Dinge, die gar nicht abgeholt werden, gehen in die Versteigerung." Silvana Nouar
"Dinge, die gar nicht abgeholt werden, gehen in die Versteigerung", erklärt Silvana Nouar. Einige Gegenstände werden auch gespendet. Ein Großteil der Fundgegenstände kommt laut Silvana Nouar und Michelle Schilling auch über die Polizei ins Fundbüro. Über Fundsachen führt die Polizei aber keine detaillierte Statistik, erklärt Polizeisprecher Mathias Albicker auf Nachfrage.