Ökosystem im Südschwarzwald

Tagelang war das Wasser der Wehra quasi schwarz

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 14. Mai 2021 um 17:30 Uhr

Wehr

Kein Fisch, kein Kormoran, kein Eisvogel: Durch eine Panne ist eine bislang unbekannte Menge an Sedimenten unkontrolliert in die Wehra geflossen. In dem Fluss gibt es laut Anglern derzeit kein Leben mehr.

Auch vier Wochen nach Beginn der Großrevision am Wehrabecken gelangt immer noch Sediment aus dem Becken in die Wehra. Laut den Verantwortlichen der Schluchseewerk sind durch den Austrag der Trübstoffe die Gewässerbiologie der Wehra, deren Fischbestand und insbesondere die Gesamtheit der im Gewässerboden lebenden Organismen in Mitleidenschaft gezogen worden. Inwiefern und ob die Gewässergüte der Wehra dadurch nachhaltig beeinträchtigt wird, werden aber erst umfangreiche Untersuchungen ergeben müssen.

Stadt investierte 1,2 Millionen Euro in den Fluss

Das ist das Ergebnis eines Vor-Ort-Termins des Wehrer Gemeinderates, zu dem der Angelsportverein in Absprache mit der Stadt Wehr auf seine Anlage eingeladen hatte und auf den die Stadt in einer Pressemitteilung nun hinweist. Neben Bürgermeister Michael Thater, dem Gemeinderat sowie dem Vorstand des Angelsportvereins nahmen auch Vertreter des Regierungspräsidiums Freiburg als Genehmigungsbehörde, des Landratsamts Waldshut, der Fischereiaufsicht sowie der Schluchseewerk AG teil.

Bürgermeister Michael Thater zeigte sich im Namen der Stadt sehr besorgt über das Ausmaß der Beeinträchtigungen in der Wehra und verwies auf die intensiven Bemühungen der Stadt Wehr in den vergangenen Jahren, die Gewässerqualität der Wehra spürbar und nachhaltig zu verbessern. Alleine im Jahr 2021 investiere die Stadt Wehr rund 1,2 Millionen Euro in die Ökologie der Wehra, da "ist es mehr als kontraproduktiv, wenn nun die Gewässerökologie des Flusses, der der Stadt den Namen gibt, derart beeinträchtigt wird".

Die Verantwortlichen des Schluchseewerkes betonten bei dem Vor-Ort-Termin am 12. Mai , dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, um den durch den Sedimentaustrag aus dem Wehrabecken entstehenden beziehungsweise bereits entstandenen Schaden "in möglichst engen Grenzen" zu halten.

Kein Fisch, kein Vogel, kein Kormoran

Der aber ist derzeit schon überall sichtbar. Der Vorsitzende des Angelsportvereins Wehr Winfried Eckert etwa berichtete von Beobachtungen seiner Mitglieder, wonach derzeit kein einziger Fisch sowie auch kein Kormoran, keine Wasseramsel und kein Eisvogel mehr am oder im Bachbett zu beobachten seien. Der Verein befürchte schwere ökologische Schäden für die Wehra und fordere die Beteiligten auf, den Sedimenteintrag in den Fluss nun schnellstmöglich zu stoppen und den Schaden im Gewässer zu untersuchen, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Das konkrete Ausmaß der Schäden kann momentan noch nicht beurteilt werden, da einerseits immer noch Sediment in die Wehra eingetragen wird und andererseits die entsprechenden Untersuchungen noch anhalten. Zudem sind weitere Untersuchungen durch die Schluchseewerk AG beziehungsweise durch externe Gutachter erforderlich.

Problem nach vier Wochen noch nicht gelöst

Die Vertreter der zuständigen Behörden sowie des Schluchseewerkes schilderten aus ihrer Sicht den Ablauf der Geschehnisse, die zu dem unerwarteten Eintrag von Feinstoffen in die Wehra führten und betonten, dass kein Verstoß gegen die Sorgfaltspflichten erkennbar sei. Im Rahmen der Besichtigung von verschiedenen Stellen an der Wehra wurde aber deutlich, dass das Problem auch nach vier Wochen noch nicht gelöst und nach wie vor Sediment in die Wehra gespült wird.

Auslöser waren die Sanierungsmaßnahmen am Staudamm und an weiteren technischen Bauwerken des Wehr abeckens, die nach fast 50 Betriebsjahren anstanden. Dazu wurde Mitte April das Becken nahezu vollständig entleert und Sediment innerhalb des Beckens umgelagert. Ursprünglich sollte das Sediment mittels Saugbaggerung im noch teilweise gefüllten Becken entnommen und außerhalb des Beckens entwässert werden.

Unkontrollierbarer Eintrag von Sedimenten

Technische Probleme führten aber dazu, dass nur zehn Prozent der Gesamtmenge von 40.000 Kubikmeter auf diese Weise entnommen wurden. Beim Absenken des Wasserspiegels im Wehrabecken kam es dann zu einem unerwarteten und unkontrollierbaren Sedimentaustrag in die Wehra. Zusätzlich führte die weitere Entleerung des Beckens zu einer unerwarteten Mäandrierung der Wehra durch die Sedimentablagerungen im weitgehend entleerten Becken. Tagelang war das Wasser der Wehra im Unterlauf quasi schwarz.

Die Stadt Wehr wird an ihrem Gewässer eigene Untersuchungen in Auftrag geben. Diese sollen die Beeinträchtigungen beleuchten und Empfehlungen enthalten, wie die Schäden so schnell wie möglich behoben werden können. Die Erfahrungen sollen detailliert ausgewertet werden, um bei künftigen Revisionsarbeiten im Wehrabecken so etwas zu vermeiden.