Architekt für die Menschen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 08. Februar 2019

Weil am Rhein

Das Vitra Design Museum zeigt Werke und Werdegang des indischen Architekten Balkrishna Doshi.

WEIL AM RHEIN (BZ). Mit der Ausstellung "Balkrishna Doshi: Architektur für den Menschen" präsentiert das Vitra Design Museum vom 30. März bis 8. September die erste Retrospektive über das Gesamtwerk von Balkrishna Doshi außerhalb Asiens. Der berühmte Architekt und Stadtplaner, der 2018 als erster Inder mit dem renommierten Pritzker-Preis geehrt wurde, ist einer der wenigen Pioniere moderner Architektur auf dem Subkontinent.

In mehr als 60 Jahren architektonischer Praxis hat Doshi, der 1927 in Pune, Indien, geboren wurde, eine Vielzahl von Projekten verwirklicht. Dabei übernahm er die Grundsätze der modernen Architektur nicht einfach, sondern brachte sie mit den lokalen Traditionen und den kulturellen, materiellen und natürlichen Gegebenheiten vor Ort in Einklang, teilt das Vitra Design Museum mit.

Die aktuelle Ausstellung zeigt bedeutende Projekte von 1958 bis 2014, wobei das Spektrum von der Planung ganzer Städte und Siedlungen bis zu Hochschulen, Kultureinrichtungen, Regierungsgebäuden und Privathäusern reicht. Zu Doshis Werken gehören Pionierleistungen wie das Indian Institute of Management, sein eigenes Architekturbüro Sangath und die Wohnsiedlung Aranya für Menschen mit geringem Einkommen. Neben einer Fülle originaler Zeichnungen, Modellen und Kunstwerken aus Doshis Archiv und Architekturbüro werden Fotos, Filmmaterial und mehrere begehbare Rauminstallationen gezeigt. Eine Zeitleiste vermittelt einen Überblick über Doshis Laufbahn von 1947 bis heute.

Die Ausstellung soll Doshis Werk einem globalen Publikum näherbringen und untersucht zugrunde liegende Ideen und Ideale, heißt es weiter in der Mitteilung. Sie veranschaulicht seinen entscheidenden Einfluss auf die moderne indische Architektur und auf Generationen jüngerer Architekten. Doshis humanistische Haltung ist durch seine indischen Wurzeln ebenso geprägt wie durch seine westliche Bildung und den rapiden Wandel der indischen Gesellschaft. Seine poetische und funktionale Architektursprache wurde maßgeblich von der Zusammenarbeit mit Le Corbusier, Chandigarh und Ahmedabad beeinflusst, darüber hinaus waren die Erfahrungen beim Bau des von Louis Kahn entworfenen Institute of Managements prägend.

Doshi ging jedoch in seiner Formsprache über diese frühen Vorbilder hinaus und entwickelte eine eigene Herangehensweise zwischen Industrialismus und Primitivismus, moderner Architektur und traditioneller Form. Seine Praxis beruht auf einer nachhaltigen Herangehensweise und strebt nach der Verortung der Architektur in einem weitgefassten Zusammenhang von Kultur, Umwelt, Gesellschaft, Ethik und Religion.

Info: Der Opening Talk mit Balkrishna Doshi findet am Freitag, 29. März, um 18 Uhr im Vitra Design Museum statt