Weiterer Corona-Fall im Südwesten

Jens Schmitz und Agenturen

Von Jens Schmitz & Agenturen

Do, 27. Februar 2020

Panorama

Neuartiges Virus breitet sich weiter in Deutschland aus / Im Landkreis Rottweil ist ein 32-jähriger Mann erkrankt.

BERLIN/DÜSSELDORF/TÜBINGEN. In Deutschland sind seit Dienstagabend bis zum frühen Mittwochabend sieben Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bekannt geworden. Zuletzt wurde in Baden-Württemberg im Landkreis Rottweil bei einem 32-Jährigen eine weitere Infektion nachgewiesen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte am Mittwoch in Berlin, noch sei Deutschland in der Phase, mögliche Infektionen frühzeitig zu erkennen und Kontaktpersonen zu isolieren. Es könne aber die Phase eintreten, in der nicht alle Kontakte ermittelt werden könnten. Der Minister rief die Bevölkerung auf, nicht bei jedem Husten zum Arzt zu gehen. Aber die Bürger sollten ihren Hausarzt anrufen, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise in ein Risikogebiet Fieber, Husten oder Atemnot hätten. Bei vorhandener Symptomatik und einem Verdacht solle besser einmal mehr auf das Virus getestet werden als einmal zu wenig.

Ein Patient in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht zum Mittwoch in kritischem Zustand auf die Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf gebracht. Der 47-Jährige war am Montag mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz bei Aachen auf der Intensivstation isoliert worden. Nach dpa-Informationen leidet er an einer Vorerkrankung. Die Uniklinik Düsseldorf behandelte auch seine 46-jährige Frau. Am Mittwochabend wurde bekannt, dass eine Mitarbeiterin des Mannes und deren Lebensgefährte ebenfalls infiziert sind.

Lagebewertung bleibt im Südwesten unverändert

Das Ehepaar habe in den vergangenen Tagen mit sehr vielen Menschen Kontakt gehabt, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Die Frau hat demnach als Kindergärtnerin noch bis Freitag gearbeitet. Die zwei Kinder des Paares zeigten bisher keine Symptome, sagte Laumann. Ein Test solle klären, ob sie infiziert seien.

Indes sieht Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) den deutschen Südwesten weiter gut aufgestellt. "Generell hat sich für uns die Lagebewertung in Baden-Württemberg nicht verändert", sagte er am Mittwoch. "Es gibt keinen Grund zur großen Besorgnis." Das Verhalten des 25-Jährigen, der am Dienstag positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden war, sei genauso vorbildlich gewesen wie die Reaktionen im Gesundheitswesen, sagte Lucha. Sämtliche engen Kontaktpersonen des Patienten seien bereits isoliert. "Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns", sagte Lucha.

Der Minister äußerte sich am Mittwochmittag vor Journalisten im Wissen, dass zu einigen der genannten Kontaktpersonen noch Testresultate ausstanden. Der Patient aus dem Landkreis Göppingen hat sich bisherigen Erkenntnissen zufolge zwischen dem 17. und 21. Februar in Mailand angesteckt. Am Nachmittag bestätigte das Tübinger Uniklinikum Infektionen auch für seine Reisegefährtin und für deren Vater. Das Virus hat den Kreis der unmittelbaren Kontaktpersonen nach wie vor nicht überschritten.

Zudem wurde das Virus bei einem 32-Jährigen im Landkreis Rottweil nachgewiesen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Er war kürzlich in Italien gewesen. In Rheinland-Pfalz wurde das Virus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, bei einem Soldaten nachgewiesen. Er werde im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz behandelt, teilte die Bundeswehr mit.

In Straßburg ist nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums ebenfalls ein Mann erkrankt. Dem 36-Jährigen gehe es gut, sein Gesundheitszustand sei nicht besorgniserregend, teilte Gesundheitsdirektor Jérôme Salomon mit. Er soll sich zuvor in der italienischen Region Lombardei aufgehalten haben. Die Zahl der in Frankreich gemeldeten Infektionen steigt damit auf insgesamt 17 Fälle.

Angesichts der Entwicklung stieg die Sorge der Bundesbürger, wie Zugriffszahlen auf Webseiten deutscher Gesundheitsbehörden zeigen. Vor dem Hintergrund des Coronavirus seien die Server überlastet, hieß es am Mittwoch auf Anfrage bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin schrieb auf Twitter: "Der Zugriff auf die RKI-Internetseite ist derzeit wegen stark erhöhter Zugriffszahlen eingeschränkt."