Wenn Alemanne singe und verzelle

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Di, 05. November 2019

St. Märgen

Die Muettersproch-Gsellschaft hat zu einem Mundartabend in die St. Märgener Schwarzwaldhalle eingeladen.

ST. MÄRGEN. Entweder man kann’s, oder man kann’s nit. Und immer weniger können die Muettersproch, das Alemannische. "Gerade einmal vier Prozent der Schüler in Freiburg können Alemannisch noch sprechen und verstehen", sagte Jürgen Hack, der als Moderator durch die Veranstaltung "Alemanne singe und verzelle" führte, zu der die Muettersproch-Gsellschaft in die St. Märgener Schwarzwaldhalle eingeladen hatte. Das Interesse an diesem Abend war bei etwas mehr als 100 Besuchern der meist älteren Wälder-Generation aber eher mäßig.

Das allerdings tat der guten Stimmung, die die Künstler auf der Bühne verbreiteten, keinen Abbruch. Das galt schon beim Auftakt, den die Kinder der Trachtentanzgruppe Waldau unter der Leitung von Rita Schlegel und begleitet am Akkordeon von Sonja Schlegel präsentierten. Neben den kleinen Tänzen "Scherenschleifer", "Zigeuner-Polka" und "Manchester" gab es von den Kindern, der jüngste Trachtenträger war gerade einmal fünf Jahre alt, noch kleine Geschichtchen zu hören.

Herausragend danach das Kuhglockenspiel von Helene Fehrenbach und Jasmin Rombach, die bei "Verwehter Glockenklang" und "Lustig ist das Zigeunerleben" auf ungewöhnliche Weise konzertierten.

In Hamburg Heimweh
nach dem Schwarzwald

Gedichte und Lieder gab es im Anschluss von Johannes Kaiser. Der Schulleiter der St.-Ursula-Schulen in Villingen und Mitglied im Arbeitskreis "Mundart in der Schule" las aus seinen Büchern mal derbe, mal fröhliche, mal kritische Geschichten von "Hansi Banker" oder "Schwarze Vögel", fast eine Hommage an Alfred Hitchcock.

Und er überzeugte, mal rockig mal sentimental, am E-Piano mit Lebensweisheiten und Alltagsgeschichten von "Pommes im Weckle", vom Autofan, dessen Alphabet mit "VW" endet, oder dem Kreditkartensong "Die wissen meist mehr als i" mit dem aussagekräftigen Schluss: "Piep, piep, piep – dein Datenträger hat dich lieb".

Mit einer Kurzgeschichte führte der Moderator dann den nächsten Programmpunkt ein: Eine Lehrerin sagt den Schülern, sie sollen einen Satz mit Banane bilden. Der Erste sagt: Bananen sind gelb, der Zweite: Bananen sind süß. Max sagt: Ich bin mit meiner Oma nach Basel gefahren. Aber Max, wo ist da Banane? Max: Mir sin da mit de Ban anne gfahre. Dann lud Jürgen Hack Sandyha Hasswani ans Mikrophon – und die Besucher mussten mal wieder mit Vorurteilen aufräumen. Denn die optisch und dem Namen nach eher im indischen Raum verortete junge Mutter zweier Kinder präsentierte in allerbestem hotzenwälderischen Alemannisch vier wunderbare Kurzgeschichten. Die "Schurnalischti" aus Herrischried erzählte Mutmachgeschichten für Frauen oder der Familie mit Garten.

"Eine Familie ohne Garten ist wie eine Katze ohne Schwanz und ein Mann ohne Haare. Oder aber eine Katze ohne Haare und ein Mann…" Und sie begeisterte nicht zuletzt mit ihrer Lyrik zu den Themen "Dialekt und Navi-Gerät" sowie den "Erinnerungen an den letzten Sommer". Ganz musikalisch endete schließlich der Abend. Zunächst sang Songwriterin Theresa Dold eigene Lieder, die am Strand von Neuseeland oder in ihrer Studienzeit in Hamburg entstanden sind, reichlich geprägt von Heimweh nach ihrem Schwarzwald. Mit "Regeinsel" oder "Wind vu Hamburg" und nicht zuletzt dem ins Alemannische übertragenen Song "Come From The Heard" von Kathy Mattea überzeugte die Sängerin und Gitarristin mit kräftiger klarer Stimme.

Soulig, rockig, jazzig, folklorig, auch mal melancholisch wurde es zum Ausklang durch das Duo Karl David als Sänger und Liedermacher sowie dem herausragenden Gitarristen Martin Lutz aus Neuenburg am Rhein, den "Blues Brothers vom Oberrhein", wie der Beisitzer des Vereins Muettersproch-Gsellschaft Jürgen Hack die beiden ankündigte. "Zwischen Friburg und Basel", "So zerbrechlich" und "Von guten und schlechten Stunden" erzählten die beiden und nahmen den Satz "Alle eure Dinge lasset in der Liebe geschehen" aus dem 1. Korintherbrief 16 als Grundlage für eine Übersetzung ins Alemannische, um danach "Danz, Mädle, danz" und das "letzte Stündlein" schmissig und temporeich zu singen.