Wenn Postkarten störend wirken

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Von teli

Sa, 19. Oktober 2019

Offenburg

BLICK INS ELSASS: Straßburger Innenstadthändler werden gehalten, nur bestimmte Artikel vor ihren Läden anzubieten.

STRASSBURG (teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

sTress mit der Stadt

Einige der Souvenirgeschäfte im Umfeld des Münsters haben Stress mit der Straßburger Stadtverwaltung: Per Einschreiben wurden sie darauf hingewiesen, dass nur Postkarten, Spielzeug oder für das Elsass charakteristische Souvenirs an Ständen und in Auslagen angeboten werden dürfen. Nicht erlaubt sind jegliche Art von Kleidung, also auch Mützen und Schals, Schmuck, Brillen, Lebensmittel, auch Süßigkeiten, oder Getränke. Wer sich nicht an die Regeln halte, dem könne die Genehmigung entzogen werden, überhaupt etwas auf öffentlicher Fläche vor dem Laden anbieten zu dürfen, mahnt die Verwaltung.

Um die 20 Händler haben nun laut Bericht der Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace ein Schreiben unterzeichnet, mit dem sie um ein Gespräch mit der entsprechenden Bereichsleitung bitten. 60 Prozent ihres Umsatzes machten sie vor und nicht in ihren Geschäften, argumentieren sie. Postkarten fänden in Zeiten von Selfies kaum noch Abnehmer, auch elsässische Keramik verkaufe sich nur noch schleppend – man müsse sich an die Kundenwünsche anpassen. Die Stadt hält dagegen, dass Touristen auf der als Unesco-Weltkulturerbe klassifizierten Innenstadtinsel auch freie Sicht auf historische Gebäude haben müssten. In der Tat schränkt die Vielzahl der Stände und Auslagen vor den Geschäften rund ums Münster die Bewegungsfreiheit von Touristen und Passanten bisweilen ein.

Fontanel Kandidat

Jetzt ist es offiziell: Alain Fontanel, Erster Beigeordneter der Stadt, hat am Dienstag seine Kandidatur als Straßburger Oberbürgermeister angekündigt. Er war der Kronprinz von Roland Ries. Wäre er im kommenden März nicht angetretene, wäre dies für das politische Straßburg eine Überraschung gewesen. Wie es seine Art ist, hat er seinen Auftritt am Dienstag vor rund 250 Vertrauten und den Mitgliedern seiner Familie minutiös geplant, samt Live-Übertragung auf Facebook und Interviews mit Fernsehen, Rundfunk und Presse. Offen blieb, ob er auch Präsident der Eurométropole (Stadt Straßburg und Umlandgemeinden) werden möchte. Auch die Liste der Personen, die er als Kandidat von La République en Marche hinter sich vereinigen wird, hat er nicht enthüllt.

Als Oberbürgermeister möchte er Straßburg zur glücklichen Stadt machen, grüner, gerechter, stärker und ehrgeiziger. Um drei Achsen will er sein Wahlprogramm entwickeln: Umwelt und Gesundheit, Bildung und Zusammenhalt, Entwicklung und Arbeit. Er setzt auf kollektive Intelligenz, Dialog und Toleranz. Ganz am Ende seiner Rede stand eine Hommage an Straßburg, die Stadt, in der er aufgewachsen ist, in der er studiert und gearbeitet hat und in der die Menschen leben, die ihm nahestehen.

Streit um Sporthalle

Soll die Rhénus-Halle, in welcher der Straßburger Basketball-Club SIG seine Heimspiele austrägt, für 40 Millionen Euro saniert und zu einer veritablen Sportarena umgebaut werden? An dieser Frage hat sich ein heftiger Streit zwischen OB Roland Ries und dem Präsidenten der Eurométropole, Robert Herrmann, entzündet. Ries besteht auf eine Entscheidung im Rat der Eurométropole im November, andernfalls sehe er sich gezwungen, eine Übertragung der Rhénus-Halle und der Zuständigkeit für den Neubau an die Stadt Straßburg zu fordern, wird er in den Dernières Nouvelles d’Alsace zitiert. Uneins sind die beiden Politiker, was die Einschätzung des Risikos angeht: Während Ries argumentiert, dass sowohl die Région Grand Est als auch das Département Unterelsass ihre Finanzierungsanteile von 5,9 und 3,4 Millionen Euro bereits beschlossen hätten, ebenso wie der Gemeinderat der Stadt Straßburg seinen Zuschuss in Höhe von 3,9 Millionen Euro, ist Herrmann das finanzielle Risiko zu groß. Er fürchtet, dass die Eurométro-pole über ihren geplanten Beitrag von ebenfalls 3,9 Millionen Euro hinaus belastet werden könnte, wenn der Verein am Ende nicht genügend Mittel aufbringen kann. Aus seiner Sicht ist es der SIG bislang nicht gelungen, ausreichend privates Kapital einzusammeln. Externe Finanzexperten sollen nun prüfen, welche Belastungen auf die vier Gebietskörperschaften zukämen, sollte dem Verein in der Bauphase das Geld ausgehen.

Eisstadion geöffnet

Nach dem Ausfall einer Kältegruppe und einer 200 000 Euro teuren Reparatur ist die Straßburger Eishalle Iceberg inzwischen wieder für das breite Publikum geöffnet. Am Samstag kann von 14 bis 18.30 Uhr und von 20 bis 23.59 Uhr Schlittschuh gelaufen werden, am Sonntag von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr. Von Montag an gelten aufgrund der Herbstferien im Elsass besondere Öffnungszeiten: montags und mittwochs von 14 bis 18.30 Uhr, dienstags und donnerstags zusätzlich von 20.30 bis 23 Uhr, freitags bis 23.30 Uhr. Die Öffnungszeiten an Samstagen und Sonntagen bleiben unverändert. Am 1. November sind Schlittschuhläufer von 14 bis 18.30 Uhr willkommen, das Gleiche gilt für den 11. November, der in Frankreich ein Feiertag ist.