Wenn Roboter Handstand und Flickflack machen

Christine Storck

Von Christine Storck

Sa, 07. Dezember 2019

Offenburg

Klaus Dorer zu Chancen und Risiken Künstlicher Intelligenz.

OFFENBURG. Was ist künstliche Intelligenz (KI), wo versteckt sie sich überall und welche Möglichkeiten eröffnet sie? Der erste Vortrag der Reihe "Ghost in the Shell" des Institute for Machine Learning and Analytics (IMLA) der Hochschule Offenburg in Kooperation der Evangelischen Landeskirche gab Einblicke in eine neue Welt, der die Gesellschaft sich nicht mehr wird entziehen können.

Der Gedanke an autonome KI-Systeme löst bei vielen Menschen gemischte Gefühle aus. Doch es geht nicht mehr darum, ob wir sie wollen oder nicht, denn sie sind längst im Alltag präsent. Angewandt werden sie in ganz unterschiedlichen Disziplinen und Ausprägungen, von der Spracherkennung über autonome Fahrzeuge bis hin zu Empfehlungsdiensten auf Netflix, Amazon, Youtube & Co. KI kann auch Übersetzungshilfe leisten wie zum Beispiel in Form des Google Translators, dessen Qualität in den vergangenen Jahren enorm zugenommen hat. "Ein sehr mächtiges Werkzeug", sagte Klaus Dorer vom IMLA und Professor für Informatik an der Hochschule Offenburg. Er eröffnete die Vortragsreihe in der Hochschule.

Doch wie funktioniert eigentlich das "maschinelle Lernen"? Dorer erklärt anschaulich, wie die künstlichen Systeme aus Beispielen lernen und diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern können. Dazu bauen Algorithmen ein statistisches Modell auf, das auf Trainingsdaten beruht. Dabei werden aber nicht einfach die Beispiele auswendig gelernt, sondern Muster und Gesetzmäßigkeiten in den Lerndaten erkannt.

Das noch recht neue "Deep Learning" bezeichnet eine Klasse von Optimierungsmethoden künstlicher neuronaler Netze, die eine umfangreiche innere Struktur aufweisen. "Man kann sie mit vorhandenen Daten trainieren", sagt der Wissenschaftler. Eine Pionierarbeit der KI der Hochschule Offenburg in diesem Bereich war 2016 der Roboter Sweaty, der Objekte – etwa einen Fußball oder die Pfosten des Tores – erkennt und entsprechende Bewegungen ausführen kann. Sweaty kämpft mittlerweile regelmäßig international um Titel, aktuell ist das Hochschule-Team mit ihm Vize-Weltmeister.

Die Forschungsaktivitäten an der Offenburger Hochschule sind vielfältig, dennoch liegt Deutschlands Know-how weit hinter China und den USA, wo große Firmen viel Geld investieren, so Dorer. Einer der best entwickelten Roboter stamme zum Beispiel aus Boston. Er schafft Sprünge mit Drehungen in der Luft und fließende Bewegungen bei Flugrolle, Handstand und Flickflack. "Wenn man das sieht, kann man sich vorstellen, wie Roboter in brennende Häuser rennen und Menschen retten", meint Dorer.

Doch die neue Technik kann auch negativ auffallen, zum Beispiel in Form von autonomen Drohnen, die bewaffnet sind, oder gefälschten Videos, die so präpariert werden können, dass den Menschen Dinge in den Mund gelegt werden können, die sie niemals gesagt haben. Erst kürzlich sei zudem ein Kriminalfall bekannt geworden: Am Telefon hätten Betrüger die zum Verwechseln echt klingende Stimme eines Unternehmenschefs abgespielt und eine Menge Geld ergaunert.

"Es stellt sich immer die Frage, wie man die Künstliche Intelligenz im Griff hat", meinte Klaus Dorer. Aber dieselbe Frage stelle sich auch für die natürliche Intelligenz. Die Hochschulstudierenden innerhalb des zum nächsten Wintersemester startenden neuen Bachelor-Studiengangs sollen deshalb mit einem speziellen Ethik-Schwerpunkt für die Problematik sensibilisiert werden.

Vortrag an der Hochschule Offenburg: Prof. Karsten Wendland: "Bewusstsein to go – neue Mobilitätskonzepte für das eingesperrte Ich", am Donnerstag, 16. Januar, 17.30 Uhr, Raum D001.