Wenn zentrifugale Kräfte wirken

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Fr, 22. Oktober 2021

Staufen

Ausstellung der niederländischen Künstlerin Judith Bloedjes im Keramikmuseum Staufen.

Im Keramikmuseum in Staufen ist derzeit eine Ausstellung der niederländischen Porzellan- und Schmuckkünstlerin Judith Bloedjes zu sehen. Das Motto lautet "Ringe und Schlingen".

Anlässlich der Vernissage führte die Freiburger Kunsthistorikerin Maria Schüly in das Werk der Künstlerin ein. In den Arbeiten von Judith Bloedjes, so Schüly, besteche die Vielseitigkeit des Schaffens bei der gleichzeitig klaren Stringenz des Designs und dem unmittelbaren, minimalistischen Ausdruck. Die Vernissage wurde von Frauke Horn mit zauberhaften Darbietungen auf der Harfe umrahmt.

Nicht nur der Schmuck, sondern auch das Geschirr, bis hin zu den Installationen, weisen ein durchgehend konsequentes Gestaltungsprinzip auf, das sich durch Strenge, Klarheit und Sinnlichkeit auszeichnet. Ausgangspunkt ist eine vom Kreis ausgehende Form, die flexibel und formbar ist. Die besonderen Eigenschaften des Materials bestimmen die Ästhetik der Arbeiten von Judith Bloedjes.

In hoher Konzentration findet sie ihren eigenen Rhythmus des Atmens, der sich über die Hände auf die Gestaltung mit Ton überträgt. Der Kreis als Symbol für Vollkommenheit und Harmonie steht im Zentrum ihres Schaffens. Beim Drehen gerät die Form leicht ins "Schlingern", und gerade diesem spontanen Moment kann Judith Bloedjes einen besonderen Reiz abgewinnen. Denn hier wirken die natürlichen zentrifugalen Kräfte, und die Form entwickelt ein Eigenleben.

So entstehen scheinbar spontane Arbeiten, die subtile Emotionalität zeigen. Das Statische und das Bewegte, das Strenge und das Lässige, das Halten und Loslassen prägen die Werke der Künstlerin. Judith Bloedjes verwendet ein warmweißes Limoges-Porzellan. Manche ihrer Objekte erinnern an Versatzstücke aus dem Textilbereich, etwa Knöpfe und Ösen. Andere haben den Charakter von Miniaturgeschirr. Selbstbewusst setzt sie einzelne solcher Objekte in Szene.

Inzwischen hat die Keramikerin auch ihre Kenntnisse in der Silberschmiedekunst erweitert. So zeigen die starren Kompositionen für Broschen, Ringe und Reifen an Hals, Hand, Arm und Fuß eine spielerische Leichtigkeit. Das Profilieren von Drehkörpern ist ein grundlegendes Gestaltungsprinzip von Judith Bloedjes. Das Wechselspiel von Licht und Schatten beim Porzellan erfährt hier eine überraschende, dem Zeitgeist entgegengesetzte Interpretation. Nicht das heute weit verbreitete Thema der Transparenz ist ihre Sache, sondern das Arbeiten mit der kompakten Porzellanmasse.

Wie bei der Herstellung von Kleinteilen nutzt Judith Bloedjes auch gerne die Technik des Arbeitens vom Stock. Dabei entstehen Schlingen oder Schlaufen, welche die Künstlerin in Verbindung mit Blumen bringt. Weiße Porzellanelemente umschmeicheln farbige Blüten und Stängel. Einzelne Pflanzen werden so zum Hingucker.

Die Ausstellung ist bis einschließlich 28. November im Keramikmuseum zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14 bis 17 Uhr und Sonntag 12 bis 17 Uhr.