Wer kommt auf dem Rollfeld am besten ins Laufen?

dpa

Von dpa

Do, 15. April 2021

Leichtathletik

In den Niederlanden geht es für die deutsche Marathon-Spitze um die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Japan.

(dpa/gg). Acht Tage nach den Gehern auf dem Messegelände in Frankfurt werden auch bei den deutschen Marathonläufern die letzten Tickets für Olympia in Japan (23. Juli bis 8. August) vergeben – und zwar auf dem Rollfeld: Beim Rennen vor einer Woche auf dem Regionalflughafen in Siena (Italien) empfahl sich der in Überlingen geborene Richard Ringer für die Olympischen Spiele. Am Sonntag geht es auf dem Gelände des Enschede Airport Twente in den Niederlanden, Ersatzaustragungsort für den abgesagten Elite-Marathon in Hamburg, vor allem für die Frauen um die Qualifikation.

Melat Kejeta braucht sich vor Olympia die Quälerei über 42,195 Kilometer nicht mehr anzutun: Mit ihren 2:23:57 Stunden von Berlin 2019 steht die gebürtige Äthiopierin aus Kassel, die seit 2019 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, überlegen an die Spitze ihrer nationalen Mitkonkurrentinnen und ist für Olympia gesetzt. Die 28-Jährige hat ihre internationale Klasse bei der Halbmarathon-WM in Polen bewiesen, als sie mit Europarekord (1:05:18 Stunden) Silber holte.

Aussichtsreichste Kandidatinnen für die zwei weiteren Olympia-Plätze sind derzeit die Berlinerin Deborah Schöneborn (2:26:55) und Katharina Steinruck (2:27:26). Die Frankfurterin knackte bereits 2019 beim Heim-Marathon am Main in 2:27:26 Stunden die Olympia-Norm, hatte aber 2020 mit der Verschiebung der Sommerspiele zu kämpfen: "Die Enttäuschung war sehr groß." In der Corona-Krise sei "nichts planbar", sagte die 31-Jährige der Frankfurter Allgemeinen Zeitung."

Polizeioberkommissarin Steinruck, Tochter der früheren Weltklasse-Läuferin Katrin Dörre-Heinig und des Langstreckentrainers Wolfgang Heinig, hat am Sonntag den Vorteil, dass sie ihre Konkurrenz im Blick haben kann. Laura Hottenrott aus Kassel und Rabea Schöneborn könnten ihr den Platz noch streitig machen. Falls sich Steinruck und Rabea Schöneborn verbessern, könnte die Berlinerin ihre Zwillingsschwester Deborah aus den Top Drei verdrängen. Die Schwester der beiden, Lena Schöneborn, war 2008 im Olympiasiegerin – im Modernen Fünfkampf. 2016 in Rio gingen bereits Zwillinge für Deutschland an den Start im olympischen Marathonrennen der Frauen: Anna und Lisa Hahner, die damals in Gengenbach lebten.

Bei den Männern darf Amanal Petros aus Wattenscheid, der im Dezember in Valencia mit 2:07:18 Stunden deutschen Rekord rannte, für Olympia planen. Ringer glänzte in Siena mit der viertschnellsten je von einem Deutschen gelaufenen Zeit von 2:08:49 Stunden. Hendrik Pfeiffer (Wattenscheid/2:10:18) ist derzeit der drittbeste deutsche Ausdauerläufer auf der klassischen Distanz. Arne Gabius aus Stuttgart stieg in Siena früh aus und musste sich als 40-Jähriger endgültig von seinem Olympia-Traum verabschieden.