Escape-Walk

Wer rettet die Hexe? – Lesen, lösen, laufen auf dem Kandel

Savanna Cosma

Von Savanna Cosma

Di, 14. September 2021 um 10:09 Uhr

Waldkirch

Ein Escape-Walk verbindet Rätsel rund um das Geheimnis der Hexe Margarethe Reinhäbt mit einer Wanderung durch die Natur am Kandel bei Waldkirch.

Seit Juli bietet das Kirchzartener Unternehmen Berggeheimnis einen Escape-Walk auf dem Kandel an. In Anlehnung an Escape-Room-Spiele müssen in einer vorgegeben Zeit Rätsel gelöst werden, um dem Geheimnis einer Hexe auf die Spur zu kommen – bei einer Wanderung rund um den Kandelfelsen.

Vier Stunden auf Rätseltour – oder länger

"Lesen, lösen, laufen", liest Stefanie Gohlke aus der Anleitung des Spiels vor. Ihre vier Freundinnen und sie stehen an einem Samstagmorgen bei Sonnenschein vor dem Hotel Bergwelt Kandel, um gemeinsam dem Geheimnis der Einsiedlerin Margarethe Reinhäbt auf die Spur zu kommen. Diese wurde von einem Zeugen aus Waldkirch der Hexerei beschuldigt. Nun droht ihr der Scheiterhaufen. Um Margarethe zu retten, müssen Gohlke und ihre Freundinnen innerhalb von vier Stunden alle Rätsel lösen und am Ende ihrer Tour, die sie rund um den Kandelfelsen führen wird, wieder pünktlich am Berghotel ankommen. An welchen Orten gerätselt wird und wohin genau die rund 4,5 Kilometer lange Wanderung führt, ist noch unklar. Die Wegstrecke muss im Laufe des Spiels "erpuzzelt" werden.

Ein Rucksack mit Utensilien

In einem großen, waldgrünen Filzrucksack, den die Gruppe zuvor an der Rezeption des Hotels abholen musste, befinden sich alle Utensilien, die zum Lösen der Rätsel gebraucht werden. Auch die Schlösser, die es zu knacken gilt, um an weitere Hinweise zu gelangen, liegen schon im Rucksack bereit. Für den Fall, dass sie einmal überhaupt nicht mehr weiter wissen, hilft ein Beutel mit Hinweis- und Lösungskarten. Sobald der Startknopf der Stoppuhr an der Hotelrezeption gedrückt wurde, läuft die Zeit. In einer Felsformation gilt es beispielsweise Gesichter von Hexen zu entdecken, um Zahlenkombination für ein Schloss zu erhalten. An anderen Stellen ergibt sich die Lösung aus der Anzahl vertauschter Wörter in einem Gebet – oder die Lösung muss beim Gucken durch eine Schablone auf den Horizont an exakt der richtigen Stelle erkannt werden. Ausgedacht hat sich das ganze Oliver Lohre und sein dreiköpfiges Team des Kirchzartener Unternehmens Berggeheimnis. Lohre sei schon immer im Tourismus tätig gewesen, war Themenmanager "Wandern im Schwarzwald" der Schwarzwald Tourismus GmbH und hat sich dort bereits mit der Frage beschäftigt: Wie bekommt man Menschen, vor allem Kinder, zum Wandern, ohne dass sie dabei Nörgeln?

Als er eines Tages selbst einen "normalen" Escape-Room besucht hat, habe er die Idee grundsätzlich gut gefunden, aber das Konzept schlecht. "Ich habe mich eingeengt gefühlt, es hat gemieft und ich wollte wieder raus", erzählt er. Im, zu Deutsch, "Entkommen-Raum" müssen die Spieler als Team in einem thematischen Raum Rätsel lösen, um ihn wieder verlassen zu können.

Anschließend habe Lohre überlegt, wie man die Rätselspiele in die Natur verlagern könnte. Die "Outdoor-Escape-Walks" ("Entkommen-Spaziergänge im Freien") waren geboren. Gerätselt werden kann bei jedem Wetter – außer bei Dauerregen. Unter anderem auf dem Schauinsland, dem Tuniberg und am Schluchsee bietet Lohre sie bereits an – am Kaiserstuhl sogar mit E-Bike.

Im Fall des neuen Escape-Walks auf dem Kandel sei das Hotel Bergwelt Kandel auf Lohre zugekommen. Daraufhin habe er sich mögliche Wegstrecken und Rätselorte angeschaut, um herauszufinden, ob das technisch überhaupt möglich wäre. Das Thema Hexe sei dann sofort klar gewesen. "Das hat der Berg einfach hergegeben", sagt Lohre.

Balance zwischen Entspannung und Schwierigkeitsgrad

Beim Schwierigkeitsgrad der Rätsel die richtige Balance zu finden, sei die "Königsdisziplin". Erfahrene sollen sich nicht langweilen, aber Anfänger auch nicht überfordert sein. Tendenziell würden die Rätsel aber leichter werden, sagt Lohre. "Wir merken, dass die Menschen zwar gerne rätseln, aber nicht geistig überfrequentiert werden wollen." Gohlke und ihre Freundinnen müssen während ihrer Rätseltour nur einmal auf eine Hinweiskarte schauen. Ein Teil von ihnen habe aber auch schon öfter zu Hause Escape-Spiele gespielt. "Viele, die an einem Rätsel scheitern, scheitern an der Ratio", sagt Lohre. Deswegen sei es wichtig, sich auf das Rätsel einzulassen – und noch wichtiger, die Texte und Hinweise richtig zu lesen.

Obwohl die Zeit bei Escape-Spielen ein entscheidender Faktor ist, könnte sich Lohre vorstellen, zukünftig keine Zeitvorgaben mehr zu geben. "Wir kommen immer weiter weg vom Thema der Zeit", sagt er. "Die Leute wollen überwiegend den Druck raus haben." Manche würden sogar nicht einmal die Stoppuhr drücken.

Apropos Zeit. Als Gohlke und ihre Freundinnen nach ihrer Rätseltour wieder an der Bergwelt Kandel ankommen, zeigt die Stoppuhr vier Stunden und 36 Minuten an. 36 Minuten zu spät. Margarethe konnte nicht mehr gerettet werden. Für die Frauen "nicht schlimm". Sie hatten trotzdem Spaß.