Wer will noch das Weltfest des Sports?

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Di, 25. Juni 2019

Olympische Spiele

Die Fans lieben Olympische Spiele, aber in Deutschland traut sich niemand mehr, eine Bewerbung auf den Weg zu bringen.

Fantastische Einschaltquoten, große Erfolge deutscher Athletinnen und Athleten: Millionen Sportfans begeistern sich für Olympische Spiele, die Zuneigung ist ungebrochen. 14 Goldmedaillen gewann das deutsche Team zuletzt bei den Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang 2018, genauso viele wie Norwegen, das Mutterland des Skisports. Der Siegeszug des deutschen Eishockey-Teams elektrisierte die Nation. Er endete erst im Finale mit der 3:4-Niederlage gegen Russland. Allein die Schwarzwälder Athleten gewannen fünf Medaillen für ihr Land – und wurden in Breitnau, einer Talentschmiede des Nordischen Skisports, dafür gefeiert.

Die sportliche Leistung stimmt also. Und doch traut sich Deutschland nicht mehr, den Finger zu strecken und sich um ein Weltfest des Sports im eigenen Land zu bemühen. Die Serie gescheiterter Bewerbungen ist ebenso lang wie erschreckend. Zuletzt zogen Bürgerbefragungen der olympischen Begeisterung den Stecker. Die Menschen in München, Garmisch-Partenkirchen, Berchtesgaden und Königssee votierten 2013 mit knapper Mehrheit gegen eine Bewerbung um die Winterspiele 2022. Die Bürgerschaft von Hamburg zog 2015 mit ebenso knapper Mehrheit nach und machte den Versuch zunichte, die Sommerspiele 2024 in die Hansestadt zu holen.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen für die Diskrepanz zwischen der Olympia-Begeisterung bei den einen und der Skepsis bei den anderen. Die für horrende 50 Milliarden Euro in den Kaukasus betonierten Winterspiele 2014 im russischen Sotschi wirkten auf viele Menschen im Süden Deutschlands so abschreckend, dass sie Ähnliches für die Alpen befürchteten. An allen vier geplanten Standorten votierten sie mit "Nein". Besonders knapp ging es in Garmisch-Partenkirchen zu. 51,56 Prozent sagten "Nolympia". Dabei war München 2022 die vielleicht nachhaltigste Bewerbung der vergangenen Jahrzehnte. Vier Fünftel der Sportstätten standen bereits. Eine der größten Investitionen wäre der Bau einer neuen Eisenbahnlinie von der Landeshauptstadt in die Alpen gewesen. Besonders charmant: München hätte als erste Stadt sowohl Sommer- als auch Winterspiele zu Gast gehabt. Dieses Privileg sicherten sich nun die Chinesen mit Peking.

Doch auch die undurchsichtigen Knebelverträge des Internationalen Olympischen Komitees schrecken ab. Sie lassen sich auf eine kurze Formel bringen: Das IOC kassiert die Gewinne, das Austragungsland haftet für die Verluste. 51,6 Prozent der Hamburger sagten auch deshalb "Nein". Sommer-Olympia 2024 findet nun in Paris statt. Das IOC hatte mit den Franzosen gedealt und dem einzigen anderen Bewerber, Los Angeles in den USA, die Spiele des Jahres 2028 zugesagt. Die Entscheidung des IOC im Doppelpack sicherte zwar kurzfristig die Zukunft des Weltfests im Sommer. Die Zahl der Bewerber schrumpft aber ebenso wie bei den Winterspielen.