"Unternehmen Ettenheim"

Werbegemeinschaft: Örtlicher Handel nutzt Synergien

Ulrike Sträter

Von Ulrike Sträter

Mo, 03. Juli 2017 um 18:31 Uhr

Beruf & Karriere

Die Werbegemeinschaft "Unternehmen Ettenheim" fährt zweigleisig: Es gibt ein attraktives Angebot vor Ort und bald auch eine Homepage. Denn es sind längst nicht mehr nur die jungen Menschen, die online einkaufen.

Vor großen Herausforderungen sieht sich der lokale Einzelhandel. Die Onlinekonkurrenz erfährt immer mehr Zulauf von Kunden, die per heimischem Computer durch die Verkaufskanäle stromern, unabhängig von Öffnungszeiten einkaufen, bargeldlos bezahlen und sich ihr Schnäppchen bestenfalls versandkostenfrei bis vor die Haustür liefern lassen.

Viktor Weber, seit 2014 im Vorstand der Werbegemeinschaft "Unternehmen Ettenheim", beobachtet ein verändertes Einkaufsverhalten auch an sich selbst: "Klar, wenn mir abends um acht ein Teil am Rasenmäher kaputt geht, greife ich auch zum Handy und bestelle es online. Da brauche ich hier kein Geschäft mehr anfahren. Und mit der Bestellung ist es für mich erledigt." Nichtsdestotrotz zweifelt er nicht am Stellenwert örtlicher Geschäfte: "Amazon versucht sich seit kurzem nicht umsonst mit stationären Läden in den USA."

Nach Ansicht Webers muss sich der örtliche Handel auf beides einlassen. So nun auch die Werbegemeinschaft in Ettenheim, die bis Ende des Jahres eine neue Homepage erstellen will, auf der zumindest schon einmal Adressen und Informationen der 91 Mitgliedsbetriebe zu finden sind. Denn eines ist dem Kaufmann klar: "Es sind längst nicht mehr nur die jungen Menschen, die das Internet nutzen." Sicher, eine eigene Homepage gehöre mittlerweile zum Standard, doch müsse noch mehr kommen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Per Facebook etwa informiert das "Unternehmen Ettenheim" bereits seit gut zwei Jahren über aktuelle Aktionen, wie die anstehende Vernissage eines Betriebs oder das traditionelle Entenrennen im Ort. "Aber gerade Letzteres ist, so gern es von den Besuchern auch angenommen wird, eine reine Imageaktion. Davon verkauft hier keiner ein Paar Socken mehr", sagt Viktor Weber, der zusammen mit seinem Bruder Christian die örtliche Apotheke betreibt. Neben Ettenheim haben die Geschwister drei Filialen in Kehl, Oberkirch und Seelbach. Und von dort kommt auch neuer Input auf die Frage, wie sich der örtliche Handel trotz des Internets behaupten kann. "Kehl bringt’s" heißt eine Aktion, bei der sich die Unternehmen untereinander unterstützen. So liefern wir als Apotheke neben unseren Bestellungen beispielsweise auch Bücher des örtlichen Buchladens an Kunden vor Ort aus. Die Abrechnung erfolgt zwischen Besteller und Verkäufer."

"Mit einer Apotheken-App ermögliche ich unseren Smartshoppern ihren Einkauf per Handy, unkompliziert in der Mittagspause." Viktor Weber
Hier werden Synergien genutzt, durch die nicht zuletzt jüngere Kunden angesprochen werden. Denn, so Webers Erfahrung: "Einerseits sind sie online-affin, fühlen sich aber auch ihrer Heimat verbunden, die sie gern unterstützen wollen. Auf diese Weise müssen sie nicht auf Geschwindigkeit und Service, wie sie es aus dem Netz kennen, verzichten und machen dennoch mit dem Unternehmen in ihrem Ort das Geschäft." Natürlich bietet sich nicht jedem Unternehmen diese Möglichkeit. "In unserer Werbegemeinschaft ist vom Einzelhändler über den Handwerker bis hin zum Dienstleister eine breite Palette an Firmen vertreten. Da die eine Aktion zu finden, von der alle 91 Mitgliedsbetriebe profitieren, ist unmöglich. Am ehesten erreichen wir das vielleicht durch unsere Gewerbeschau", so Viktor Weber weiter.

Die Stärken des Einzelhandels vor Ort sieht Weber in der Beratungskompetenz und einer Kulanz, die dem Käufer entgegen gebracht wird, einfach, weil eine fundierte Kundenbindung besteht. Und dann gibt es da noch so etwas wie ein Einkaufserlebnis. "Ettenheim ist mit seiner Altstadt sehr attraktiv, bietet kurze Wege und die Möglichkeit, neben dem Einkauf auch das schöne Ambiente bei einem Eis oder Kaffee zu genießen."

Nicht zu vergleichen also mit dem nüchternen Klick auf die Maus, durch den der Einkauf online in den Warenkorb verschoben wird. Und zurück zum Amazonladenlokal vor Ort: "Ich könnte mir in Ettenheim keinen vorstellen, der alles abdeckt, was wir hier bieten." Und doch beschreitet Viktor Weber für seine Apotheke auch virtuelle Wege: "Mit einer Apotheken-App ermögliche ich unseren Smartshoppern ihren Einkauf per Handy, unkompliziert in der Mittagspause." Das Unternehmen Ettenheim bleibt dran an den Herausforderungen, durch die Konkurrenz des Onlinehandels: "Letztlich ist es so wie mit jedem Mitbewerber auch: Er belebt das Geschäft."

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