Hinterzarten

Wie das Moor im Eschengrundmoos vorm Austrocknen bewahrt wird

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

So, 10. November 2019 um 09:35 Uhr

Hinterzarten

Was den Hochschwarzwald ausmacht? Natürlich seine Landschaft: Berge und Weiden, Bäche, Seen - und Moore. Die aber müssen gepflegt werden, damit sie weiterhin Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere bleiben.

Fast scheint sich die unscheinbare, kleine Pflanze auf dem Boden zu verstecken: Wer sich nicht auskennt, der übersieht das zarte Gewächs. Moorexperte Pascal von Sengbusch übersieht es nicht: "Ist sie nicht toll, diese kleine Pflanze?", ruft der selbstständige Biologe. Dass der langblättrige Sonnentau überhaupt in der Region auftaucht, könnte man wohl als kleine Sensation bezeichnen.

Die Entwässerung hatte fatale Folgen

Denn sein Bestand ist nach wie vor gefährdet, es gibt ihn nur an drei Stellen im Hochschwarzwald – eine Folge der seit Ende der 1930er-Jahre erfolgten Entwässerung des Schwarzwaldhochmoors, das etlichen seltenen Pflanzen und Tierarten einen Lebensraum bietet. Die Entwässerung hatte fatale Folgen: Der Wasserspiegel sank, Sauerstoff gelangte an die Torfschichten, die immer nass sein müssten. Die Niederschläge pro Jahr reichen nicht aus, weil sie zu schnell ausgeleitet werden. Wenn dann noch längere Trockenperioden dazu kommen, sieht es schlimm aus: Der Torf wird nach und nach zersetzt, das Moor stirbt. Um diese Entwicklung zu stoppen, ist seit 2016 der Moorexperte Pascal von Sengbusch im Auftrag der Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg dabei, den Torfkörper mit moortypischer Vegetation dauerhaft zu erhalten, den Wasserhaushalt zu verbessern und die natürlichen Prozesse wie Wasserspeicherung und Selbstregulation zu unterstützen. "2016 haben wir eine umfassende Gebietsanalyse gemacht, um geeignete Maßnahmen zu definieren und eine Basis für ein langfristiges Monitoring zu legen. Aktuell sind wir nun an der Umsetzung", erklärt Gabriel Rösch vom Naturschutzreferat des RP. Um die sogenannte "Wiedervernässung" des Moors zu erreichen, hat Pascal von Sengbusch in diesem Jahr rund 40 Sperren gebaut und Gräben verfüllt.

Jeder Quadratmeter ist bedeutend

An diesem Morgen türmen sich Tausende Sägespäne neben dem Weg unweit des Mathisleweihers, die in die Gräben gefüllt werden. "Die Verfüllung soll das Absickern von Wasser abbremsen", sagt Pascal von Sengbusch. Die Bauweise für die Sperren und die Verfüllung der Gräben sei immer minimalinvasiv und handwerklich. "Man könnte auch mit dem Bagger rein, das machen wir im Hochschwarzwald aber nicht", ergänzt Rösch. Jeder Quadratmeter sei so bedeutend, "dass wir ihn mit einem Bagger nur zerstören würden". Man sehe in der Fläche keine Spuren – außer das Ergebnis.

Auch Pflegemaßnahmen zur Erhaltung des Moorkiefernbestandes, der Torfmoose und der Rosmarinheide gehören dazu. "Bei der Gebietsanalyse haben wir unter anderem gesehen, dass die Fichte stark einwandert", fügt er hinzu. "Ein intaktes Moor ist waldfrei, da können keine Gehölze wachsen." Das Hirschbädermoor am Zweiseenblick nennt von Sengbusch als ein nahezu baumfreies Hochmoor. "Unser Ziel ist, dass der Wasserstand zehn Zentimeter unter Flur ist", sagt der Moorkundler, die Sperren gehen metertief in den Boden. "Die vielen Sperren brauchen wir, damit das Wasser hält und im Gebiet bleibt." Stark zersetzter, vererdeter Torf sei der "worst case".

Heidelbeeren stehen für abgestorbenes Moor

In den vergangenen vier Jahren gab es allerdings Defizite in der Wasserbilanz, Trockenphasen waren im Sommer, aber leider blieben auch die niederschlagsreicheren Winter aus, um den Wasserhaushalt im Moor wieder aufzufüllen. "Daher ist der Torf stark degeneriert." Schon seit 2015 gebe es keinen für die Moore so wichtigen Niederschlagsüberschuss mehr im Schwarzwald. Regelmäßig macht Pascal von Sengbusch ein Vegetationsmonitoring, für das er auch Drohnen einsetzt. "Sie sind ein gutes Hilfsmittel." Etwa Torfmoose könnten sehr schnell wachsen, wenn genug Wasser da sei, auch vier kleine Moorkiefern hat von Sengbusch ausgemacht: "Das ist sehr, sehr erfreulich." In zwei bis drei Jahren machen Torfmoose die Gräben zu. "Der Zielzustand ist, dass man in zehn Jahren die Gräben nicht mehr sieht." Ein paar Meter neben dem Standort des langblättrigen Sonnentaus verdunkelt sich Pascal von Sengbuschs Blick, als er Heidelbeeren erblickt: "Heidelbeeren stehen für abgestorbenes Moor, für das Ende einer 14 000 Jahre langen Entwicklung", sagt er. Oberstes Ziel sei es, Wasser in die Fläche zu bekommen und die Baumschicht lückiger zu machen, um mehr Sonne auf den Boden zu lassen. "Wenn das Torfmoos nicht wächst, macht die Heidelbeere leider alles zu."

Drei Ziele nennt von Sengbusch zusammenfassend für das Naturschutzgebiet Eschengrundmoos:
» gezielter Artenschutz, siehe langblättriger Sonnentau oder die vom Aussterben bedrohte Moorlibelle "Hochmoor-Mosaikjungfer"
Verbesserung des Wasserhaushalts, um zu verhindern, dass der Torf sich weiter zurückbildet
Neu- und Wiedererschaffen von Habitaten mit moortypischer Vegetation

Ein regelmäßiges Monitoring soll nach Abschluss des Projekts Ende des Jahres dazu beitragen, die positiven Auswirkungen der umgesetzten Maßnahmen auf den Natur-, Wasser- und Moorhaushalt auch wissenschaftlich zu belegen und das Moor mittel- bis langfristig gezielt zu optimieren und zu erhalten.

Info: Das Naturschutzgebiet Eschengrundmoos beim Mathisleweiher zwischen Feldberg, Titisee und Hinterzarten ist 1984 ausgewiesen worden und erstreckt sich auf einer Fläche von 41,5 Hektar. Es ist eines von 49 Naturschutzgebiete im Landkreis.