Lahr

Wie die inklusive Tanzkompanie "Szene 2wei" den Tanz zu den Menschen bringen will

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 03. Dezember 2019 um 16:59 Uhr

Lahr

Im Rahmen des Lahrer Stadtguldens wird die Gruppe mit 10000 Euro gefördert. Damit möchte sie an ungewöhnlichen Orten in der Stadt auftreten. Ein Besuch.

Beim Stadtgulden, einem Projekt zur Bürgerbeteiligung, sind 14 Vorschläge zum Zug gekommen. Diese werden mit insgesamt 100 000 Euro unterstützt und sollen zügig umgesetzt werden. Die Badische Zeitung stellt diese Ideen vor und blickt auf das weitere Vorgehen. Die inklusive Tanzkompanie "Szene 2wei" hat schon beim Tag der Entscheidung erste Kontakte geknüpft, um ihr Projekt in die Tat umzusetzen.

"Wir stellen ja oft Förderanträge, aber selten bekommt man so schnell eine Antwort."
Choreograf William Sanchez H.
"Wir fanden viele Projektanträge sehr interessant, und es war toll, den Countdown mitzuerleben", berichten Timo Gmeiner und die anderen Tänzerinnen und Tänzer von dem Moment, als sie erfuhren, dass sie für fünf geplante Auftritte an ungewöhnlichen Orten in Lahr 10 000 Euro Fördergeld zur Verfügung haben werden. "Wir stellen ja oft Förderanträge, aber selten bekommt man so schnell eine Antwort", meint Choreograf William H. Sanchez schmunzelnd.

Vereine und Institutionen sollen sich melden

Dass keine Jury, sondern die Lahrer Bürgerinnen und Bürger entschieden haben, sei besonders. Und nun sind die Lahrer noch einmal gefragt, denn noch ist nicht entschieden, wo und mit welchen Kooperationspartnern die fünf Auftritte umgesetzt werden. Vereine und Institutionen können sich bewerben.

"Wir wollen den Tanz zu den Menschen bringen. Zum Beispiel zu Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, ins Theater zu kommen", erläutert Gmeiner. Ein Hospiz oder ein Altenheim wären denkbar als Auftrittsmöglichkeit, aber auch Schulen oder Kindergärten. Da die Kosten durch den Stadtgulden abgedeckt sind, können sich auch Institutionen bewerben, die sonst kein Geld für ein kulturelles Programm haben.

Auf die Idee, ihre Choreografien auch an ungewöhnliche Orte zu bringen, war "Szene 2wei" durch Auftritte auf der Landesgartenschau im vergangenen Jahr und in der Lahrer Innenstadt in diesem Sommer gekommen. Zwar ist die 2009 in Essen gegründete inklusive Tanzkompanie, die seit 2014 in Lahr ist, gerade durch diese Auftritte auch einem größeren Publikum bekannt geworden, aber was die Tänzerinnen und Tänzer wirklich machen, wissen viele Lahrer nicht.

Mit den Lahrerinnen und Lahrern in Kontakt kommen

Das Stadtgulden-Projekt ermöglicht es der Kompanie, noch besser mit den Menschen an ihrem Wohnort in Kontakt zu kommen. Dabei komme es nicht auf die Zahl der Zuschauer an, betonen die Tänzerinnen und Tänzer. "Wir mögen die Herausforderung", sagt Jörg Beese, die bei den Stadtgulden-Projekten darin bestehe, auf den Ort und das Zielpublikum einzugehen. Es gelte dabei, für die aktuelle Choreografie "Wanderlust" oder Teile daraus eine neue Sprache zu entwickeln, "die zu genau diesem Ort passt", ergänzt Timo Gmeiner.

Vom Wohnzimmer bis zum Open-Air-Event sei alles vorstellbar. Dass Tanz ohne Worte funktioniert, sei einer der großen Vorteile dabei, ein anderer, dass die Körperlichkeit des Tanzens intuitiv verständlich sei. Sich "mit Neuem und Unbekanntem auseinanderzusetzen" gehöre zum Alltag in der Kompanie, erklärt Deborah Heim. Und Matthieu Bergmiller freut sich darauf, anderen Menschen zeigen zu können: "Wir können auch tanzen".
Info

Institutionen, die die "Szene 2wei" für einen Auftritt einladen möchten, können sich melden per E-Mail: info@szene2wei.de