Nein zu Privatschule

Wie geht es jetzt weiter mit dem Malteserschloss in Heitersheim?

Sophia Hesser

Von Sophia Hesser

Mi, 09. Oktober 2019 um 21:17 Uhr

Heitersheim

Der Gemeinderat Heitersheim hat die Privatschulpläne für das Malteserschloss abgelehnt. Was tun jetzt der Besitzer des Schlosses, die Investoren und die Bürgerinitiative?

Der Gemeinderat will nicht, dass eine Privatschule im Malteserschloss eingerichtet wird. Die Entscheidung war knapp – zehn Räte stimmten gegen den städtebaulichen Vertrag und damit gegen die Privatschule, acht Räte und Bürgermeister Martin Löffler stimmten für den Vertrag und damit für die Schulpläne von Investor Christian Hodeige und seinen Partnern. Was bedeutet das nun für das Schloss?

Die SPD-Fraktion, die Freien Wähler und der Bürgermeister bekannten sich zur internationalen Privatschule. Diese wollten Hodeige und die Chinesen Mark Wang und Baodong Shi im Malterschloss etablieren. Der Orden wollte das Schloss an die Investoren verkaufen, denn er möchte das Schloss veräußern – zu hoch sind die Instandhaltungskosten, zu klein der eigene Bedarf. Doch der Gemeinderat will das nicht. Alle Stadträte von CDU, Grüne und Zusammen für Heitersheim (ZfH) machten dies in der Ratssitzung am Dienstagabend klar, die 250 Zuhörer in der Malteserhalle verfolgten.

Dass die Stimmung in Heitersheim mittlerweile hochgekocht ist, zeigten die Entschuldigungen einiger Räte bei den Investoren für fremdenfeindliche Bemerkungen und Anschuldigungen, die auch bei der Einwohnerversammlung am vergangenen Freitag geäußert worden waren. Sowohl Hodeige, Wang, Peter Schmieg vom Orden als auch Zsolt Pekker von der Bürgerinitiative (BI) Malterschloss, die sich für eine öffentliche Nutzung des Schlosses einsetzt und es als Stiftung kaufen möchte, machten ihre Ideen und Meinungen zur Zukunft des Schlosses noch einmal deutlich.

Das sagen die Gegner

Die Grünen beantragten, die Entscheidung zu vertagen, da man sich nicht in der Lage sehe, diese zu treffen – zu lange sei die Beratungsvorlage, zu kurz die Zeit diese durchzuarbeiten, so erklärte deren Fraktionssprecher Eckhart Rupp.

Die Argumentation, dass die Privatschule im Sinne der Vinzentinerinnen wäre, komme ihr wie "an den Haaren herbeigezogen" vor, erklärte Ursula Schlegel (CDU). "Eine Eliteschule nutzt uns wenig", sagte Bernhard Walz (ZfH). Martin Schaber (CDU) erklärte, man brauche Pflegeplätze im Schloss für die Bürger der Stadt, wie von der BI angedacht.

Das sagen die Befürworter

Die Verwaltung befürworte die Privatschule, erklärte Löffler. "Wir haben jetzt eine bessere Situation, als wir sie je hatten." Die Stadt hat mit den Investoren nämlich Rechte ausgehandelt, die im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben worden wären, nun aber hinfällig sind – ein Wegerecht für die Bürger, die Möglichkeit, weiterhin Veranstaltungen im Schloss zu machen, ein Vorkaufsrecht im Falle eines erneuten Verkaufs und Stipendien für Heitersheimer.

Harald Höfler (SPD) erklärte, man sei von den Ideen der Investoren begeistert und wolle sich nun wieder anderen Themen als dem Schloss zuwenden. "Die Investoren werden dafür sorgen, dass das Herz Heitersheims kraftvoller schlagen wird als je zuvor." Für das Renommee der Stadt sei die Schule eine große Chance, erklärte Dierk Bredemeyer (Freie Wähler). Seine Fraktion heiße die Ziele der BI gut, aber nicht ihre Methoden.

Das sagt der Orden

Peter Schmieg, Baudirektor des Vinzentinerinnenordens, erklärte am Tag nach der Gemeinderatssitzung, man bedauere die Entscheidung sehr, respektiere aber natürlich das Votum des Gemeinderates. "Wir hatten tatsächlich keinen Plan B, weil wir fest davon überzeugt waren und weiterhin sind, dass die Schulpläne die beste Lösung – sowohl für Käufer und Verkäufer als auch für die Stadt Heitersheim – waren", erklärte Schmieg. Die Tendenz beim Orden gehe nun dahin, die Verkaufsgespräche zunächst einmal zurückzustellen – nicht zuletzt auch, um den Schwestern nun etwas Ruhe zu gönnen. Man sei nicht unter Druck, so Schmieg, der endgültige Auszug der Schwestern sei ohnehin erst für 2023/24 geplant. Möglicherweise, meint Schmieg, warte man das jetzt erst einmal ab.

Das sagen die Investoren

Am Tag nach der Entscheidung erklärte Christian Hodeige gegenüber der BZ: "Natürlich sind wir tief enttäuscht, traurig und auch irritiert. Wir haben in den letzten Tagen eine andere, viel positivere Stimmung für unser Projekt wahrgenommen. Über einige Äußerungen mancher Gemeinderäte gestern bin ich schlicht schockiert, auf einem solchen Niveau darf keine öffentliche Debatte geführt werden. Wir fühlen auch mit den Schwestern und dem Orden, deren Wunsch für die Zukunft des eigenen Besitzes so wenig Beachtung fand. Wir prüfen jetzt alle Optionen, wir bleiben mit dem Orden und der Stadt im Gespräch und wir wollen und werden eine internationale Privatschule in Südbaden errichten."

Das sagt die BI

Die Entscheidung sei ein Erfolg für Heitersheim und die Region, erklärte Zsolt Pekker, Sprecher der BI, am Mittwoch. Eine schlechte Entscheidung für die Stadt sei abgewandt worden. Nun wolle man das Stiftungsmodell und andere Alternativen ausarbeiten, denn "wir sind für eine öffentliche Nutzung – in welchem Modell ist erstmal zweitrangig". Und die BI erhofft sich nun Gespräche mit dem Orden, der bisher auf exklusive Gespräche nur mit den Investoren verwiesen habe.

Das sagt der Bürgermeister

"Ich gehe davon aus, dass die Investoren nicht im Boot bleiben werden", erklärte Bürgermeister Löffler am Mittwoch gegenüber der BZ. Er schätze, dass eine Mehrheit der Bürger die Frage in der Sitzung anders beantwortet hätte, als das die Räte nun getan haben. "Es gab keine Sachargumente bei den Räten, die gegen die Schule gesprochen haben." Die BI habe ihr Ziel, die Sache zu verhindern, nun aber erreicht.