BZ-Interview

Wie positioniert sich der Einzelhandel in Südbaden?

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Mo, 03. Juli 2017 um 18:25 Uhr

Beruf & Karriere

Der regionale Handel soll die Nahversorgung gewährleisten und gleichzeitig gegen die digitale Konkurrenz bestehen. Wie das gehen kann, erklärt Utz Geiselhart vom Handelsverband Südbaden.

Der regionale Handel steht vor einer Mammutaufgabe: Er soll die Nahversorgung gewährleisten, sich moderne Strukturen geben und gleichzeitig Flagge zeigen gegen die digitale Konkurrenz. Wie das gehen kann, darüber hat Claudia Füßler mit Utz Geiselhart, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Südbaden, gesprochen.

BZ: Herr Geiselhart, der Onlinehandel boomt. Wie kann sich der stationäre Handel erfolgreich gegen diesen starken Konkurrenten behaupten?
Geiselhart: Indem er sich auf seine klassischen Tugenden fokussiert und diese weiterentwickelt. Das sind hauptsächlich drei Säulen: der emotionale Ladenbau, die Mitarbeiter und die Serviceleistung. Gerade bei Letzterer geht es darum, diese nicht nur zu haben, sondern auch offen zu kommunizieren. Viele Händler sind da zurückhaltend, weil sie sagen, das Geschäft würde ohne dieses und jenes nicht laufen, bestimmter Service ist also selbstverständlich. Wir reden da von Dingen wie dem Kürzen von Kleidung, einem Lieferservice, dem Schicken einer Auswahl bestimmter Produkte, der Möglichkeit, Produkte eine Zeitlang auszuprobieren, und natürlich der Beratung. Das alles muss sehr viel stärker in den Fokus gestellt werden.

"Der Kunde kann die Dinge ausprobieren, fühlen, schmecken." Utz Geiselhart
BZ: Sollten die Geschäfte ihr Angebot denn nicht auch online anbieten?
Geiselhart: Nein, das ist kein Muss. Wichtig ist es, als stationäres Geschäft auch digital sichtbar zu sein. Die Kunden googeln und wollen dann Informationen zu einem Laden haben. Man muss keinen Onlineshop betreiben, aber sollte im Internet Präsenz zeigen. Und kann dort gern auf die Vorteile hinweisen, die der stationäre Handel hat: Der Kunde kann die Dinge ausprobieren, fühlen, schmecken. Wer ein Fahrrad kauft, muss mal auf dem Sattel gesessen haben, bei Kleidung ist es ähnlich.

BZ: Welche Rolle spielt die viel gepriesene Beratung durch kompetente Mitarbeiter?
Geiselhart: Kompetenz ist ein wichtiges Stichwort. Als Mitarbeiter sollte ich meine Produkte und mögliche Alternativen genau kennen, der Kunde kann sich ja online ebenso ausführlich informieren. Jeder Mitarbeiter sollte das Sortiment gut erklären können. Das war früher im klassischen Fachhandel auch schon so, doch die Beratung ist ein wesentlicher Punkt, der immer wichtiger wird. Weil genau das bei den digitalen Vertriebsformen nicht im Vordergrund steht. Der stationäre Handel kann damit punkten. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und spezialisieren ihre Mitarbeiter sogar zu einzelnen Themenbereichen. So gibt es jetzt zum Beispiel nicht mehr nur den Einzelhandelskaufmann, sondern einen, der sich auf Ernährungsberatung spezialisiert hat. Oder jemand, der ausschließlich zu Küchen berät – das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Jeder Betrieb ist da unterschiedlich und sollte schauen, welche Bedürfnisse die Kundschaft hat.

"Für einen jungen Mitarbeiter kann das eine tolle Chance sein, wenn er eine solche Aufgabe übertragen bekommt." Utz Geiselhart
BZ: Sie haben von der Bedeutung der digitalen Präsenz gesprochen. Wie genau sieht die bestenfalls aus?
Geiselhart: Ich rate in jedem Fall zu einer guten Homepage. Die sollte sehr informativ sein. Welche Marken führt das Geschäft? Welche Produkte? Wie sind die Öffnungszeiten? Wo ist der nächstgelegene Parkplatz? Auch die sozialen Medien wie Facebook und Whatsapp gewinnen immer mehr an Bedeutung, das wäre dann die nächste Stufe. Wichtig bei allen digitalen Aktivitäten ist, dass sie regelmäßig gepflegt werden. Da muss man sich dann je nach Größe des Unternehmens überlegen, ob man das einem einzelnen Mitarbeiter überlässt oder das Ganze vielleicht sogar auslagert. Die höchste Stufe der digitalen Präsenz ist der Onlineshop. Das sind allerdings zwei Welten, und ich brauche für jede Welt meine Spezialisten. Meine guten Berater im Ladengeschäft sind nicht zwingend die Experten für den Onlineshop, da kennen sich vielleicht die Azubis, die mit den neuen Medien aufgewachsen sind, besser aus. Für einen jungen Mitarbeiter kann das eine tolle Chance sein, wenn er eine solche Aufgabe übertragen bekommt.

BZ: Es geht also nicht um die Frage online oder stationär?
Geiselhart: Nein, auf keinen Fall. Es geht um eine kluge Verknüpfung, und jedes Unternehmen muss für sich entscheiden, wie intensiv die gestaltet werden soll. Wenn das gelingt, die Qualitäten des stationären Handels vor Ort und die Vorteile des Internets zusammenzubringen, dann kann daraus Mehrwert entstehen. Den haptischen Effekt aber, dass sie ein Produkt fühlen und riechen können, den kriegen sie nur im Laden vor Ort. Das wird auch so bleiben.
Zur Person: Utz Geiselhart ist seit 2015 wieder stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Südbaden in Konstanz. Zuvor leitete er den Verband mit Sitz in Freiburg als Hauptgeschäftsführer, wechselte aber aus privaten Gründen zurück an den Bodensee.

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