Wie sich die Stadt entwickelt hat

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Sa, 16. Oktober 2021

Bad Säckingen

Im Haus Fischerzunft beschäftigt sich eine Ausstellung mit der Geschichte Bad Säckingens.

Nach der kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung "Säckinger Motive" im Schloss Schönau wird im Haus Fischerzunft eine weitere Ausstellung über die Stadt eröffnet, wobei der Schwerpunkt auf der Stadtentwicklung liegen wird. Stadtarchivarin Eveline Klein wird am Sonntagvormittag einen einführenden Vortrag im Schloss halten.

Das Stadtarchiv organisiert traditionsgemäß alle zwei Jahre eine Ausstellung in dem Altstadthaus in der Fischergasse. Im vergangenen Jahr wurde sie wegen der Corona-Krise abgesagt, "doch in diesem Jahr trauen wir uns, sie nachzuholen", berichtete Eveline Klein. Weil die Räume im Haus Fischerzunft nicht sehr groß sind, wird es keine Vernissage geben, stattdessen wird Eveline Klein ihren reich bebilderten Powerpoint-Vortrag ab 11.15 Uhr im Schloss Schönau halten. Um zu vermeiden, dass zu viele Besucher gleichzeitig zur Ausstellung kommen, wird die Präsentation über einen längeren Zeitraum bis Ende Dezember zu sehen sein.

Die Archivarin hat mit der Ausstellung die historische Entwicklung sowie die Veränderungen des Stadtbildes im Auge. Dabei geht es auch um die Frage, welche Umstände diese Änderungen bewirkt hatten. Im ersten Raum wird eine Karte des Gemarkungsgebiets vom Ende des 19. Jahrhunderts zu sehen sein, ergänzt durch Dokumente wie zum Beispiel Meisterbriefe. Darauf finden sich Darstellungen der Stadt, die ursprünglich dekorativen Zwecken dienten, aber für Historiker auch eine Fundgrube von Informationen sind. "Plötzlich tauchte auf einem Meisterbrief die Abbildung einer Eisenbahn auf", so die Archivarin.

Der Auslöser für die Ausstellung war ein Stadtplan von 1804, der säuberlich die mit Nummern versehenen Häuser der Innenstadt abbildet. Lange Zeit konnte man den Nummern keine Namen zuordnen, doch dann entdeckte Eveline Klein ein Verzeichnis aus etwas späterer Zeit, dessen Nummern mit denjenigen des älteren Plans übereinstimmen und in dem auch Namen verzeichnet sind. So konnte sie die ältere Karte mit den Straßennamen ergänzen. Während die Anlage der Altstadt noch recht gut erhalten ist, dürften Namen wie Schlaghausgasse (dort waren die Metzger ansässig), Ankengasse oder Knopfgässlein (die heutige Wernergasse) aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sein. Ein Raum widmet sich dem Spitalplatz, ein anderer der Bahnhofsumgebung – dieses Thema hat neue Aktualität gewonnen, da Überlegungen zur Umgestaltung des Areals angestellt werden. In einem weiteren Raum geht es um das Schloss und den Schlosspark. "Darüber gab es recht wenige Informationen, und man könnte überlegen, ob man diesen Teil der Ausstellung im Schloss dauerhaft präsentiert."

Interessant dürfte die Ausstellung zum "Plattenort" sein: Das ist der Platz, an dem sich das Rheinkraftwerk befindet, und der Name leitet sich von den Felsplatten im Untergrund ab. Schon in früheren Jahrhunderten wussten die Menschen die Wasserkraft zu nutzen, denn einst band man dort die Baumstämme aus dem Schwarzwald zu Flößen zusammen, um sie auf diese Weise rheinabwärts zu den Abnehmern in Holland und Frankreich zu transportieren – Amsterdam ist zum Teil auf Pfählen aus dem Schwarzwald erbaut. Im 19. Jahrhundert nutzte ein Sägewerk die Wasserkraft des Rheins. Bei allen Veränderungen gibt es also Kontinuitäten in der Stadtentwicklung.

Im Haus Fischerzunft ist vom 17. Oktober bis zum 26. Dezember, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr, die Ausstellung "Säckinger Stadtbilder" zu sehen. Stadtarchivarin Eveline Klein hält am Sonntag, 17. Oktober, 11.15 Uhr im Schloss Schönau einen Vortrag.