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Wie sich eine Sportlerin von der Diagnose Krebs nicht unterkriegen lässt

Matthias Kaufhold

Von Matthias Kaufhold

Mo, 19. April 2021 um 12:11 Uhr

Wintersport

Sportredakteure begleiten viele Karrieren vom Status Talent bis zum Rücktritt im Alter. Selten aber wirkt eine Laufbahn so nachdrücklich wie die von Skilangläuferin Stefanie Böhler aus Ibach.

Eine Leistungssportlerin und eine Krebserkrankung – das klingt schwer fassbar und widersprüchlich, als ob da zwei Teile nicht zusammenpassten. Schließlich setzt man bei Olympia-Teilnehmerinnen und WM-Startern unwillkürlich voraus, sie seien topfit, kerngesund und schon aufgrund ihrer bewussten Lebenseinstellung immun gegen die Degeneration von Körperzellen, die gerade von jungen Leuten oft als Alterserscheinung abgetan und tabuisiert wird. Doch Krebserkrankungen kommen auch bei aktiven und ehemaligen Profisportlern vor. Betroffen waren der Hochspringer Tim Lobinger, die Fußballer Heiko Herrlich und Marco Russ, der Eishockeyspieler Mario Lemieux, die Tennisspielerin Martina Navratilova und, natürlich, der Radsportler Lance Armstrong.

Nicht immer fügt sich nach Befund und Therapie alles so gut wie bei Stefanie Böhler. Ich kenne die Skilangläuferin aus dem Hotzenwald-Örtchen Ibach, seit sie als Jugendliche im Deutschlandpokal an der Martinskapelle in Furtwangen-Neukirch mit der nationalen Konkurrenz durch die Spur zog. Oft dabei in jenen Tagen ihre Eltern Roland und Dorothea, ihr Bruder Frank, damals selbst ein hoffnungsvoller Langläufer, und Schwester Barbara, die später bei den Special Olympics ihr sportliches Können bewies.

Und dann die Diagnose: Schilddrüsenkrebs

Als Sportredakteur einer Regionalzeitung ist es oft so: Man begegnet Talenten mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Natürlichkeit, verfolgt ihre Entwicklungsschritte (auch die Rückschritte) und begleitet sie oftmals eine ganze Karriere lang. Das Besondere an Stefanie Böhler: Sie verlor in den vielen Jahren im Weltcup nie ihren Esprit und ihre Leidenschaft für den Langlauf, obwohl ihr international im Einzel Podiumsplätze versagt blieben.

Und dann kam die Diagnose Schilddrüsenkrebs. Die Badische Zeitung war das erste Medium, das im Dezember 2012 über Böhlers Krankheit berichtete. Wie sie damit umging, wie sie operiert wurde und wie sie sich wieder ins Leben und in den Sport zurückkämpfen wollte. Die Geschichte wurde vom Sportjournalistenverein Baden-Pfalz ausgezeichnet.

Für Stefanie Böhler ging es sportlich tatsächlich weiter. Und sogar bergauf. Zwar Jahre nach ihrer Tumor-Operation lief sie bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi das Rennen ihres Lebens: Platz sechs im Klassik-Rennen über zehn Kilometer, dazu Silber in der Staffel und Platz vier im Teamsprint. Nach 18 Jahren Leistungssport beendete die Schwarzwälderin, die in Ruhpolding sesshaft geworden ist, im März 2019 ihre Laufbahn.

Zur Geschichte:


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