I EM Music

Wie war’s bei...Michael Patrick Kelly in Emmendingen?

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Mo, 22. Juli 2019 um 09:42 Uhr

Emmendingen

Ein bisschen Partylöwe, ein bisschen Priester: Michael Patrick Kelly hat am letzten Tag des I EM Music-Festivals vor knapp 4000 Zuschauern gesungen.

Der erste Eindruck

Der Star wird sehnsüchtig erwartet. Die Fans in der ersten Reihe haben die Fahnen der Schweiz und Österreichs über die Absperrung gehängt, einige haben schon am frühen Morgen vor dem Gelände campiert und darauf gewartet, dass sich endlich die Tore öffnen. Männer sind in der Unterzahl. Leute, die die Kelly Family damals doof fanden, auch. Der Jubel, als Michael Patrick Kelly gegen 19 Uhr die Bühne betritt, ist jedenfalls laut und hochfrequent.

Der Sänger

Was macht der Mann da mit dem Mikrofonständer? Michael Patrick Kelly steht nicht einfach nur da und singt. Er rennt über die Bühne, er springt auf und ab, er wirbelt den Mikrofonständer durch die Luft und reckt ihn in die Höhe. Einmal in klein, einmal in groß: Eine Videoleinwand auf der Rückseite der Bühne zeigt Kellys Mund beim Singen in Nahaufnahme. Die Lederjacke zieht er gleich nach dem ersten Song aus. Es ist warm auf der Bühne und Michael Patrick Kelly bewegt sich wirklich sehr viel. In Emmendingen gibt er zwei Stunden lang den Entertainer: "Let me see those hands!", ruft er ins Mikrofon, zeigt mir eure Hände! Später am Abend lässt er sich von der Menge auf Händen tragen, rennt singend einmal über den Platz zum Bierstand und klatscht dabei noch Fans ab. "Prost auf Emmendingen!", sagt er. Später kippt er sich das Bier über den Kopf.

Die Musik

Es ist eingängiger, melodischer und sauber produzierter Poprock mit positiver Botschaft und starker Stimme, der in Emmendingen zu hören ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Michael Patrick Kelly eröffnet das Konzert mit dem Song "Lazarus" aus seinem aktuellen Album iD und beendet es mit dem Song "Hope". Diese Auswahl ist programmatisch: Am Anfang steht jemand von den Toten auf – und am Ende ist immer noch Hoffnung da.

Die Botschaft

Der 41-Jährige hat viel erlebt. Er wurde in einem Wohnwagen in Dublin geboren, reiste als Straßenmusiker durch Europa und wurde mit der Kelly Family zum Star. Er fand zu Gott, ging ins Kloster, verzichtete dann aber doch auf das ewige Gelübde und machte wieder Musik. Der Glaube blieb: In vielen Texten geht es um Gott, um Liebe und Frieden. Nach etwas mehr als einer Stunde bittet er seine Fans um eine Schweigeminute. Roadies ziehen eine 300-Kilo-Glocke auf die Bühne, die aus alten Kriegswaffen gegossen wurde – der Klöppel war mal ein Sturmgewehr. Kellys Projekt Peace Bell soll daran erinnern, dass in den beiden Weltkriegen Glocken eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet wurden. Der Sänger läutet die Glocke, der Ton schwillt langsam ab – und für eine Minute ist es still auf dem Schlossplatz.

Die Party

"Genug geschwiegen, Partytime!", ruft Michael Patrick Kelly direkt danach. Der Priester hat Feierabend, jetzt ist der Partylöwe wieder an der Reihe. Kelly singt den Song "iD", seinen größten Hit – und lässt sich bejubeln.

Das Fazit

Das Publikum ist begeistert, die Fans jubeln und klatschen und singen mit. Das Konzert von Michael Patrick Kelly war tatsächlich eines der stärkeren auf dem Emmendinger Schlossplatz – vielleicht auch gerade deshalb, weil Michael Patrick Kelly doch eher Partylöwe ist als Priester.