Wie weiter mit Microsoft an den Schulen?

Axel Habermehl

Von Axel Habermehl

Do, 08. April 2021

Südwest

Datenschützer will sich äußern.

. Noch ist unklar, wer das baden-württembergische Kultusministerium von Amtsinhaberin Susanne Eisenmann übernimmt. Klar ist: Auf den oder die Neue im Amt warten viele Aufgaben – und gleich eine Entscheidung mit großer Tragweite: Wie geht es weiter mit dem heftig umstrittenen Einsatz von Produkten des US-amerikanischen Software-Unternehmens Microsoft an Schulen?

Die Forderungen, Schulen den Cloud-Dienst "Office 365" landesweit zur Verfügung zu stellen, sind laut. Schon jetzt nutzen etliche Schulen die Software – und operieren damit in einer rechtlichen Grauzone. Denn es besteht der Verdacht, dass Microsoft personenbezogene Nutzerdaten außerhalb hiesiger Rechtsgrundlagen verarbeitet. Der Landesdatenschutzbeauftragte Stefan Brink bezweifelte, ob das Programm rechtskonform an Schulen genutzt werden kann. Nach Nachbesserungen erklärte Brink sich bereit, ein Pilotprojekt zu begleiten, das Ende März endete: Freiwillige Lehrer an 29 beruflichen und einer allgemeinbildenden Schule bekamen Accounts zu einer speziell konfigurierten Programmversion und testeten die Funktionen.

"Die technischen und organisatorischen Vorbereitungen zur Bereitstellung der E-Mail und des persönlichen Arbeitsplatzes für Lehrkräfte haben sich im Piloten bewährt", teilt das Ministerium mit. Diese "Evaluation", die der BZ vorliegt, enthält drei Kernaussagen: Die Mehrheit der Befragten begrüßt die Bereitstellung von "Office 365", unter anderem mit der für berufliche Schulen spezifischen Begründung, die Programme würden auch in Ausbildungsbetrieben genutzt. Zudem wünschen sich die Nutzer das "volle Programm", nicht die aufgrund der Datenschutz-Bedenken abgespeckte Version. Vor allem beim Videokonferenz-System "Teams", das oft genutzt werde, hätten Lehrer gern freiere Hand. Bis Ende April will der Datenschutzbeauftragte sein Fazit dem Kultusministerium vorlegen.