Wie wir leben wollen

Stephanie Streif/Sonja Zellmann

Von Stephanie Streif & Sonja Zellmann

Sa, 18. Mai 2019

Neues für Kinder

Im Grundgesetz steht, nach welchen Regeln und Vorstellungen Deutschland funktioniert.

Die Bundesrepublik Deutschland feiert in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag. Etwas mehr als vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie am 23. Mai 1949 gegründet. Und am 24. Mai 1949 trat das deutsche Grundgesetz in Kraft. Was es mit dem Grundgesetz auf sich hat, erklären wir euch im Folgenden.

Wofür ist eine Verfassung gut?

Das Grundgesetz ist die Verfassung Deutschlands. Die Verfassung eines Staates legt fest, wie dieser funktioniert, nach welchen Regeln und Vorstellungen. Im Grundgesetz steht zum Beispiel, dass die Bundesrepublik aus Bundesländern besteht und dass Deutschland eine Demokratie ist. Demokratie bedeutet, dass das Volk die Macht hat. Weil sich aber ja nicht alle mit dem Erstellen neuer Gesetze beschäftigen können – denn das kostet viel Zeit, wählt das Volk Vertreter. Das sind die Politiker, die in den Parlamenten über wichtige Dinge entscheiden – in den Gemeinderäten, Landtagen und im Bundestag.

Warum sind die Grundrechte so wichtig?

Die sogenannten Grundrechte stehen gleich am Anfang des Grundgesetzes. Sie sorgen dafür, dass die Menschen in Deutschland frei und gleichberechtigt leben können. Zu den Grundrechten gehören zum Beispiel die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit: Jeder darf sagen oder in einer Zeitung schreiben, was er möchte. Das ist nicht überall auf der Welt so. Es gibt Staaten wie China oder die Türkei, in denen Menschen ins Gefängnis gesteckt werden können, wenn sie eine andere Meinung haben als die Regierung. Die Grundrechte schützen die Menschen also vor dem Staat. Zusätzlich schützen sie die Menschen voreinander. So darf niemand schlecht behandelt werden, weil er zum Beispiel eine andere Religion hat oder aus einem anderen Land kommt.

Kann das Grundgesetz Geändert werden?

Das Grundgesetz wurde immer wieder verändert. Das geht natürlich nicht einfach so. Für eine Verfassungsänderung muss eine große Mehrheit der Politiker im Bundestag zustimmen – und zwar zwei Drittel. Auch der Bundesrat muss sein Okay geben. Zur Erklärung: Im Bundesrat sitzen Politiker, die die 16 Bundesländer Deutschlands vertreten. Recht neu im Grundgesetz ist etwa das Grundrecht auf Umweltschutz. Beschlossen wurde es 1994. Als das Grundgesetz 1949 verkündet wurde, machte sich noch keiner über die Umwelt Sorgen.

Für was braucht es Verfassungsrichter?

Sie tragen knallrote Hütchen und knallrote Gewänder. Die Richter des Bundesverfassungsgerichtes fallen also auf, denn die meisten anderen Richter tragen schwarze oder graue Roben. Die Aufgabe des Verfassungsgerichtes ist es, aufzupassen, dass die Regeln, die im Grundgesetz stehen, auch eingehalten werden. Wenn jemand glaubt, dass irgendwer gegen diese Regeln verstößt, kann er die Verfassungsrichter bitten, das zu untersuchen.

Und stellen die Richter einen Regelverstoß fest, unternehmen sie auch etwas dagegen. Das Bundesverfassungsgericht steht übrigens in Karlsruhe, es ist also gar nicht so weit weg.